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4.0 von 5 Sternen Jamie Cullum, nicht ohne Schwächen aber durchaus überzeugend, 26. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Pursuit (Vinyl) [Vinyl LP] (Vinyl)
Die Scheibe ist was besonderes, ist mir so noch nie unter gekommen. Es ist eine Doppel-LP aus schwerem Vinyl mit 45 UPM! aber das macht durchaus Sinn, denn den klanglichen Eigenschaften kommt das durchaus entgegen.

Wobei sie erst einmal ein wenig enttäuscht. denn die Rillengeräusche sind doch recht hoch, noch nicht dramatisch, aber für eine nagelneue Scheibe doch recht ungewöhnlich. Vielleicht sollte ich sie einfach mal waschen, denn es fällt auf, dass das Vinyl ein bisschen fleckig schimmert, wen man die Scheiben gegen das Licht hält...Pressrückstände?

Die Platte eins ist ansonsten perfekt plan und die Bohrung ist sauber zentriert. Dies gilt leider nicht für die zweite Platte, die ist ein wenig wellig, allerdings noch gerade akzeptabel. Es bleibt unter dem Strich festzuhalten, dass man heute praktisch keine perfekte Preisqualität mehr bekommt...denn das habe ich bisher bei allen Vinyl-Neukäufen der letzten Jahre erlebt. Bei den qualitativ besseren zumindest...über den Rest rede ich hier lieber nicht, ist auch ein anderes Thema.

Auch finde ich es unverständlich, dass für den Preis von immerhin knapp 25 keine gefütterten Innenhüllen zum Standard gehören...

Zur Musik...

Cullum, der ja eigentlich aus der klassischen Jazz-Welt kommt wandelt hier hin und her zwischen Jazz und Chartpop. Was ihm von seinen 'Fans' auch ziemlich übel zum Vorwurf gemacht worden ist. Ich halte diese Kritik für daneben. Denn der Mann ist als Kompositeur, Arrangeur und Interpret gleichermaßen gut und zu flexibel, um nur auf einer Fete zu spielen! Was Cullum beispielsweise aus Rihannas Hit 'don't stop the music' gemacht hat, kann man nur als absolut genialen Wurf bezeichnen und zeigt, was er musikalisch drauf hat. Die Nummer kommt dermaßen prägnant und treibend daher dass man sich dem nicht entziehen kann. Trotzdem ist der Song locker und lässig aus dem Ärmel geschüttelt und überzeugt über dies durch ein perfektes Timing, das ihn vom harmlosen Anfang bis ans furiose Ende, bis an den Höhepunkt trägt. Seine hervorragenden Qualitäten als Pianist und sein technisch nahe an der Perfektion liegender Gesang - gut, eine wirklich schöne Stimme hat er jetzt nicht, aber eine unverwechselbare - machen den Song endgültig zu einem Track, den man immer und immer wieder hören möchte.

Aber gestartet wird das Album mit einer reinrassigen Swing Big-Band Nummer von Cole Porter; 'Just on of those Things'. Nett, rhythmisch, treibend, aber auch ein wenig konventionell. Ein bisschen schade, dass das der einzige Song dieser Art auf dem Album ist.

'I'm all over it' ist dann die erste Nummer aus seiner Feder...irgendwie hat man hier den Eindruck, man höre den jungen Paul McCartney singen. Netter altmodischer Pop. Vielleicht ein bisschen abgeguckt, aber wirklich hörenswert.

Das schnoddrig schnelle 'Wheels' kann man als modern und in unsere Zeit passend bezeichnen, ansonsten ist es eher belanglos, könnte aus dem Soundtrack einer der unzähligen US-Lifesyle TV-Serien stammen. Geht rein ins Ohr und sofort wieder raus.

`If I ruled the World' ist Herzschmerz pur. Etwas für lange Winterabende am offenen Kamin. Getragen, melancholisch...mir aber ein bisschen zu schwülstig, aber immerhin wieder ein bisschen jazzig.

'You and me are gone' ist eine schnelle Jazz-Tanznummer, zappelig, schön schlampig und verrucht. Das geht direkt ohne Umweg über die Hirnwindungen in die Beine. Kompromisslos, schnell, sparsam arrangiert. Das passt.

'Don't Stop the Music'...s.o..

`Love ain't gonna let you down', die Nummer könnte auch von Robbie Williams intoniert werden oder von Frankie oder von Sammy Davies junior oder von...zeitloses Entertainment ohne Ecken und Kanten, ruhig melancholisch aber auch ein bisschen gewöhnlich, das hat man so oder so ähnlich schon x-mal gehört, sogar noch etwas besser.

'Mixtape' ist eine schnelle einschmeichelnde Pop-Nummer. Zeitgemäß melancholisch, sogar ein wenig rockig. Macht Spaß ohne einen letztendlich vom Sitz zu hauen. Ist in Ordnung, bis der Jazz-Einschlag kommt dann passt es irgendwie nicht mehr so Recht. Der drastische Stilbruch ist dann zum Glück schnell vorbei.

Mit 'I think I Love' holt er dann seine romantische Seite wieder raus. Ein Mann, seine Stimme und sein Klavier - sorry, Flügel - das darf als direkter Aufruf zum Beischlaf verstanden werden, und damit bekommt man jede Frau ins Bett wenn man es kann wie er, garantiert!...man kann sich gar nicht vorstellen wie ich solche Typen beineide.

Mit 'We run Things' gibt er dann wieder den progressiven Pop-Rocker. Aber auch der verfällt dann wieder schnell ins jazzige. Wobei das hier - im Gegensatz zu 'Mixtape' - wirklich sehr schön zusammenpasst. Den Song kann man als treibende und bisweilen aggressive Kraft beschreiben. Leider ist er ein wenig schnell zu Ende. Für meine Begriffe einer der Höhepunkte des Albums.

'Not while I'm around' ist gepflegter Hochglanz-Pop vom Feinsten. Glatt, eingängig und einschmeichelnd. Riskiert aber auch nichts.

'Music is through' ist Danceflour. Ein bisschen House, ein bisschen Synthie Pop, ein bisschen New Wave. Chartkompatibel, massenkompatibel und abwaschbar. Gefällt mir trotzdem, weil auch hier die Qualitäten von Cullum voll durchschlagen und er mit den Versatzstücken der verschiedensten Genre souverän spielt.

'I get along without you very well'. Eine Abschiedshymne wie aus dem Bilderbuch, eigentlich würde man erwarten, dass dies der letzte Song des Albums wäre. Herzschmerz für alle, die gerade eine Beziehung beendet haben. Wer's nötig hat, hier wird er fündig.

'Everyone's lonely' ist dann zum Abschluss noch mal ein bisschen Lebensphilosophie von Jamie. Musikalisch eher konventioneller Pop, geht aber durchaus in Ordnung, weil richtig gut produziert, das dreckige Lachen am Ende der Nummer lässt einiges an Interpretationsspielraum zu, das sei aber jedem selber überlassen.

Abschließend möchte ich jedem, der noch über einen ordentlichen Plattenspieler verfügt die Vinyl-Version ans Herz legen. Denn die CD-Edition leidet, wie heute leider üblich unter dem allseits bekannt Loudness-Wahn. Die Vinyl-Ausgabe ist zwar wie beschrieben auch nicht perfekt, klingt aber deutlich besser als die digitale Version.

Unter dem Strich insgesamt 4-Sterne. Die Scheibe ist gut, ich würde sogar sagen überzeugend. Aber sowohl die technische Seite hat Schwächen, als auch die musikalische. Deshalb einen Stern Abzug.
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