Kundenrezension

40 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eingeschränkte Empfehlung, 31. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Der taumelnde Kontinent: Europa 1900 - 1914 (Taschenbuch)
Zunächst einmal: Das Buch von Philipp Blom ist gut erzählt, liest sich insgesamt flüssig und bietet ein anregendes Panorama der Jahre vor dem ersten Weltkrieg. Es ist durchaus empfehlenswert für Leserinnen und Leser, die sich nicht so sehr für politische Geschichte, sondern für Kulturgeschichte, Mentalitäten und das Lebensgefühl der Menschen vergangener Epochen interessieren. Als solches könnte das Buch ein echtes Fünf-Sterne-Buch sein, aber da muß ich doch noch einige Einschränkungen machen.

Die ersten beiden sind inhaltlicher Natur:
Am Beginn des Buches lädt der Autor seine Leser ein, sich ganz in die Zeit hineinzuversetzen und weitgehend auszublenden, was nach 1914 geschah. Er möchte seine Geschichte nicht als die Vorgeschichte eines großen Krieges und weiterer Tragödien des 20. Jahrhunderts erzählen, sondern den Blick ganz auf die Zeit und ihre Bedingungen selbst richten. Allerdings unterläuft der Autor dann selbst diese Erzählperspektive, indem er immer wieder vorgreift und selbst als Erzähler spätere Entwicklungen in den Blick nimmt. Seltsam.

Der zweite Kritikpunkt bezieht sich auf die Ordnung des Stoffs. Das Buch gliedert sich in 14 Kapitel, die chronologisch den Jahren von 1900 bis 1914 folgen. Zugleich versucht der Autor aber, in jedem der Kapitel ein Thema zu behandeln (etwa die Entwicklung des Films). Aufgehängt wird das Thema dann an einem Schlüsselereignis im jeweils behandelten Jahr. Diese Vermischung von thematischem und chronologischem Zugriff empfand ich als Leser verwirrend, sie war in meinen Augen ein Zuviel an Ordnungswillen. Weniger wäre hier mehr gewesen. Der Autor hätte m. E. besser daran getan, sich für eines der Ordnungsprinzipien zu entscheiden.

Diese beiden Punkte wiegen in meinen Augen jedoch nicht sehr schwer. Ein echtes Ärgernis hingegen war der Stil des Buches. Ich war davon ausgegangen, dass es sich um die Originalfassung des Buches handelte, als ich es kaufte. Nach wenigen Seiten aber war ich verwirrt, denn der Stil des Buches erschien mir holprig und wenig elegant. Es las sich wie eine Übersetzung aus dem Englischen, und leider keine besonders gute. Der Blick ins Impressum bestätigte dies: Philipp Blom hat das Buch zunächst auf Englisch verfasst und später selbst ins Deutsche übertragen. Leider spürt man dem Text die Rückübersetzung auf jeder Seite an. Satzbau und Formulierungen sind direkt aus dem Englischen übernommen, was nicht selten zu regelrechten Stilblüten führt. So wird häufiger davon erzählt, daß Kritiker nach einer Theater- oder Musikaufführung 'voller Entsetzen waren' - sagt man im Deutschen nicht besser, die Kritiker 'waren entsetzt'? Beispiele dieser Art ließen sich endlos anfügen. Der Text hätte m. E. in dieser halb-rohen Übersetzung nicht veröffentlicht werden sollen. Das ist ein echtes Manko eines ansonsten sehr anregenden und lesenswerten Buches.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 02.02.2014 16:34:31 GMT+01:00
Danke für diese wertvolle Wertung. Wären diese "Übersetzungschwächen" nicht auch eine Anregung für den Verlag? Bei einer Neuauflage....Jedenfalls ich möchte nicht gern ein "schlecht ins Deutsche" übersetzes Buch lesen..Werde also auf eine entsprechend verbesserte Neuauflage warten...

Veröffentlicht am 10.05.2014 15:12:17 GMT+02:00
Eva Kroecher meint:
Bloms Empfehlung eingangs des Buches habe ich schlicht ignoriert, weil das so wenig funktioniert, wie keinen Elefanten zu denken. Allerdings fiel mir auch auf, daß er sich bei der Übersetzung einige grammatikalische Schnitzer geleistet hat. Er hätte die Übersetzung entweder gleich jemandem anders zu überlassen und wäre nur beratend tätig gewesen, oder die Übersetzung hätte noch einmal sorgfältig korrigiert werden sollen.
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