Kundenrezension

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fantastische Aufnahme mit Transkriptionen von Tchaikovskys populärsten Balletten., 28. Mai 2012
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Rezension bezieht sich auf: Black Swan Fantasy (Audio CD)
Zunächst möchte ich mit dem Vorurteil aufräumen, Tokarev sei lediglich ein optisch attraktives Marketingprodukt ohne musikalischen Inhalt und Substanz. Zwar gibt es seit etwa der Jahrtausendwende in der Tat eine Flut von solchen mehr über ihr Aussehen und Auftreten als über ihr Talent vermarkteten 'Künstlern', so dass es nahe liegt, den von Sony als hippen Schönling in Turnschuhen und Dreitagebart beworbenen Tokarev auch in diese Schublade einzuordnen - das schwache Sony-Debütalbum bekräftigt diesen Eindruck.
Doch dieser Eindruck trügt: Tokarev ist ein ernsthafter Künstler der schon in Jugendjahren mit reifen Interpretationen und breitem Repertoire beeindrucken konnte. Dazu möchte ich sein Debütkonzert auf dem Klavierfestival Ruhr 2005 aufführen. Das Motto war 'Paraphrasen und Transkriptionen'. Während andere Pianisten einfach ihr grade aktuelles Programm um höchstens eine Transkription erweiterten, stellte Tokarev eigens ein Recital aus Paraphrasen und Transkriptionen zusammen - und das waren nicht die üblichen Verdächtigen wie Liszts Don Juan Fantasie, sondern teilweise extrem selten gehörte Werke wie zum Beispiel die Paraphrase nach der Sheherazade von Kursanov.

Das gleiche Motto hat auch die vorliegende, 2011 erschienene Aufnahme. Das Leitthema dieser CD sind Transkriptionen russischer Ballette mit einem Schwerpunkt auf Tchaikovsky.
Das erste Werk ist Pabsts freie Fantasie über Themen aus 'Dornröschen'. Es ist ein hochvirtuoses Potpourri in bester romantischer Tradition. Tokarev meistert die beachtlichen technischen Schwierigkeiten mit traumwandlerischer Sicherheit, besonders überzeugen sein farbiger Anschlag und Dynamik. Selbsternannte Puristen und Verfechter von (oft nur vermeintlich) tiefgründiger, ernster Musik werden das zu Unrecht als seichtes, oberflächliches Virtuosengeklimper abtuen und (mit fragwürdiger bis inkonsistenter Argumentation) generell die Transkription als solche ablehnen - für solche Leute ist diese CD natürlich nichts.
Als nächstes folgt das erste Hauptwerk und sicherlich auch das Highlight dieser Aufnahme, die Pletnev-Transkription des 'Nussknackers'. Pletnev wählte die charakteristischsten Stücke des Balletts und transkribierte sie in sehr enger Anlehnung an das Original - im Gegensatz zum ersten Titel also eine sehr werktreue Inszenierung. Der 'Nussknacher' ist mit seinem Reichtum an Klangfarben, fantastischen Melodien und vielfältigen Stimmungen meiner Meinung nach nicht nur die beste Komposition Tchaikovskys, sondern auch eine der besten Kompositionen überhaupt. Pletnev ist es irgendwie gelungen, praktische alle wesentlichen Eigenheiten des orchestralen Originals auf das Klavier zu übertragen, es ist eine ausserordentlich effektive und wirkungsvolle Transkription, die trotz der Virtuosität zu keinem Zeitpunkt ausschweifend wirkt. Das gleiche kann man von der Interpretation Tokarevs selbst sagen, die ich noch besser als die des Komponisten selbst finde.
Das zweite Hauptwerk ist die Transkription des 'Schwanensees' durch Tokarevs 'Hauskomponisten' Alexander Rosenblatt. Das ist eine viel freiere Bearbeitung als durch Pletnev. Zwar wird auch hier die Eigenständigkeit der einzelnen Stücke gewahrt, diese werden jedoch in Jazz-Nummern transformiert! So ist der eröffnende 'Neapolitanische Tanz' ein Ragtime, auch die übrigen Nummern strotzen vor jazzigen Rhytmen und Synkopierungen. Obwohl das vielleicht banale Unterhaltungsmusik suggerieren mag, schaffen es Komponist und Interpret die volle Tiefe der Vorlage zu bewahren. Auch als Jazzfan (und welcher Musikliebhaber ist das nicht?) finde ich diese Komposition in jeder Hinsicht sehr gelungen und ansprechend.
Darauf folgt das mit Abstand bekannteste Werk dieser CD, Stravinskys Transkription von Petrushka. Die Interpretation wirkt auf mich technisch solide, da ich mich aber eigentlich nie für dieses Werk begeistern konnte, kann ich weder einen qualifizierten Kommentar zur musikalischen Qualität liefern noch die Aufnahme in den historischen Kontext einordnen.
Das Recital beschliesst Khachaturians 'Säbeltanz' aus 'Gayane'. Es ist ein wilder armenischer Tanz des im Westen leider zu Unrecht weitestgehend ignorierten Komponisten. Allerdings handlet es sich hier nicht um die recht populäre Transkription Cziffras, es ist die Version von Lev Solin, einem Schüler Khachaturians. Obwohl handwerklich eine solide Transkription, ist Solins Säbeltanz einfacher und weniger dynamisch, es fehlt mir Cziffras 'Drive' und damit das 'gewisse Etwas'.

Zusammenfassend kann ich den Kauf dieser Aufnahme wärmstens empfehlen. Es ist eine sehr schöne Sammlung abwechslungsreicher Transkriptionen russischer Meisterwerke. Ich hatte und habe viel Freude mit dieser CD.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 07.12.2012 14:19:15 GMT+01:00
G. Lindlar meint:
Der strawinsky ist auch ganz ausgezeichnet, tokarev bietet hier all seine wahrhaft atemberaubende virtuosität auf, einerseits; andererseits donnert er die drei piècen nicht einfach nur herunter - wie so viele andere pianisten; sondern er verleiht ihnen einen ungeheuern interpretatorischen farbenreichtum; so nuanciert u impressionistisch - trotz aller akrobatik - habe ich diese stücke noch nie gehört. einfach toll.
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