Kundenrezension

44 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine "unfassbare" Frau, 7. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Witwe im Wahn: Das Leben der Alma Mahler-Werfel (Gebundene Ausgabe)
Nimmt man Francoise Girouds süßliche Glorifizierungsorgie ("Alma Mahler oder Die Kunst, geliebt zu werden", dtv 2000) als ein Extrem und Paulus Mankers theatergewordene, sehr persönliche Alma-Obsession ("Alma, a Show Biz ans End") als anderes Extrem, dann liegt Oliver Hilmes Aufarbeitung der Lebensgeschichte von Alma Mahler-Werfel auf halbem Weg.
"Witwe im Wahn" ist hervorragend recherchiert und vor allem exzellent redigiert, was die Empfehlung dieses Buches auch für "Biografie-Verweigerer" nahelegt.
Dennoch schlägt auch bei Hilmes ein Reflex zu, der symptomatisch für jede Annäherung an Alma Mahler-Werfel zu sein scheint: Er kann nicht objektiv bleiben, so sehr er sich auch bemüht. Stellvertretend dafür steht der Titel seiner Biografie - "Witwe im Wahn" - die jene Pathologisierung Almas ankündigt, für die sich Hilmes als Leitfaden durch das Leben dieser Frau entschieden hat. Die Diagnose "Hysterie" allein kann ihre Strahlkraft (ob negativ oder positiv, hier sollte nicht gewertet werden) nicht erklären. Sicher lassen sich aus Alma Mahlers Tagebucheintragungen gewisse pathologische Züge ablesen, man darf jedoch nicht außer acht lassen, dass jene Männer, die sich an ihr "entzündet" haben, durchwegs ebenso "hysterisch" (um beim Hilmes'schen Duktus zu bleiben) gefärbt sind. Der Witwe "Wahn" ist also mit Sicherheit keine einseitige Geschichte, sondern das Resultat einer Wechselwirkung mit ähnlich gelagerten, für Almas Wesen aufnahmebereiten Persönlichkeiten.
Ebenso würde ich Almas Perfektionismus in der Selbstinszenierung und ihre beachtenswerte Verdrängungskunst nicht unter "Hysterie" subsummieren, sondern vor den Hintergrund ihrer mehr als mißglückten Kindheit, den frühen Verlust des geliebten Vaters, die emotionale Kälte und libidinöse Unmäßigkeit ihrer Mutter und die Stellung der Frau im ausgehenden 19. Jahrhundert stellen.
Herausragend ist allerdings Hilmes Beleuchtung von Alma Mahler-Werfels latentem Antisemitismus, der sonst gerne unter den Tisch fallen gelassen wird. Hier schafft es Hilmes nicht zu werten, sondern minutiös zu zeigen, wie Almas aus heutiger Sicht abstruse Interpretation des "Jüdischen Charakters" mit ihren privaten Beziehungen einerseits und mit der österreichischen Politik andererseits zusammenspielt.
Alles in allem ist Hilmes Buch jedoch auf jeden Fall zu empfehlen. Selbst wenn auch ihm es nicht ganz gelingt, diese Frau zu "fassen", liefert er doch einen neuen Ansatz vor einem beeindruckend nachvollziehbaren politischen und künstlerischen Bild des Fin du Siècle.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 03.04.2013 08:29:25 GMT+02:00
Thomas LA meint:
Ich finde dies ist auch ein spannender Roman, über das Leben am Anfang des 20. Jh.
vom Vater des Wunschkonzerts, "Heinz Goedecke" von Paul Collmann.

Als eBook Trilogie hier der erste Teil:
Die kleine Hallig: Roman (Heinz Gödecke)

oder die Printausgabe alle drei Bände in einem Buch:
Heinz Gödecke
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