Kundenrezension

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Ich kenne da ein Haus- Thornthon Square Nr. 9!", 3. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Haus der Lady Alquist (DVD)
Wenn es einen Film gibt, der Atmosphäre, wabernde vibrierende Aufregung, glänzende Darstellerleistungen, und packende, psychologische Spannung erzeugen kann, dann dieser.
"Gaslight" im Orginaltitel, stellt in jeder einzelnen Minute ein hypnotisches Meisterwerk dar.
Ein unsterbliches, makelloses Filmerlebnis, das noch Generationen begeistern wird.
Deswegen werde ich, sollten Sie lieber Interessent zu den besonders Glücklichen gehören, die seine Story nicht kennen, mich hier sehr zurückhalten.
Willkommen im viktorianischen London, nie waberte der Nebel unheilvoller durch die Straßen, rumpelten Droschken stimmungsvoller und ein furchtsames Gefühl bemächtgt uns beim Entzünden der Gaslaternen in der ersten Szene.
Das Schaudern ist der Menschen bestes Teil.
Diesen Film zähle ich zu meinen liebsten schwarzweißen "Häuser- Filmen".
Filme in denen die drückende, vergangenheits- und unheilschwangere Atmosphäre des Interieurs, der Zimmerdecken, Vorhänge ,Gegenstände selbst eine der Hauptpersonen ist.
Wenn Mrs. Havisham in "Geheimnsvolle Erbschaft" an ihrer großen Hochzeitstafel sitzt, wenn eine verstorbene Mrs. DeWinter in Manderley eine geisterhafte Präsenz erhält, wenn in "Hill House" sich die Wendeltreppe knarrend bewegt, dann ist hier auch die prächtige, klaustrophische Schwere und Unheimlichkeit von Thornton Square Nr.9, dem Haus der Sängerin Alquist in einer Reihe zu nennen.
Das junge Ehepaar Anton wird hier einziehen und wenn sich die spinnwebverhangenen Gänge zum ersten Mal dem Zuschauer zeigen, dann wissen wir hier lasten dunkle vergangene Geheimnisse auf jeder Falte der Vorhänge, jedem Kandelaber, jedem Gemälde.
Ein Haus, welches in seinem beengendem Prunk, jedes neue Leben, jeden hoffnungsvollen Zukunftsplan im Keim erstickt.
"Ich halte es hier nicht aus, Gregory", und fürwahr die junge schöne Paula verbindet hier mit jedem enzelnem Gegenstand ein traumatisches Kindheitserlebnis.
Nach dem Tod ihrer Mutter, wurde sie hier von ihrer Tante, der berühmten Sängerin Lady Alquist aufgezogen.
Ein großes Bild in ihrer bemerkenswertesten Opernrolle ziert den staubigen Pianoflügel.
Doch ihre Tante wurde von einem Unbekannten in einer stürmischen Nacht hier im Haus brutal erwürgt. Der Täter nie gefunden.
Paula selbst als Waise zu einem Verwandten nach Italien geschickt.
Hier, nun selbst auf dem Weg zu einer Gesangslaufbahn lernt sie als junge Frau nun ihre große Liebe kennen.
Eine Liebe, die sehr schnell schwärmerische und vollkommen hingebende Züge annmmt.
Es ist der charismatische Pianist Gregory Anton.
Er ist es, der Paula verspricht in seiner lebenserfahrenen ,bestimmenden Art den Schutz und die Liebe zu geben, die sie so sehr vermisst.
So willigt sie auch in einen unheilvollen Vorschag ein.
Gregory möchte unbedingt in das verlassene Haus ihrer ermordeten Tante ziehen.
"Ein Haus an einem Square wäre das nicht schön, Paula?!"
Und so öffnen sich die Pforten zur düsteren, erstickenden Vergangenheit, zu Angst, Verstörung und wir erleben eines der perfidesten, düsteresten Ränkespiele, die das Kino je geschaffen hat.
Der flackernde Kerzenschein, die dunklen Ecken stehen sinnbildlich für die sich verfinsternde Beziehung des Ehepaares.
Die blutjunge Ingrid Bergmann gibt hier eine so mitreissende Oscar-gekrönte Darstellung einer Frau, die immer mehr den seelischen Halt verliert, immer mehr durch die Hörigkeit zu ihrem Ehemann sich selbst und ihre Empfindungen in Frage stellt, und nicht das teuflische Spiel erkennen kann, das mit ihr getrieben wird.
Charles Boyer, spielt wahrhaft dämonisch eindrucksvoll und bei jeder seiner eruptiven Stimmungsschwankungen zuckt man im Sessel zusammen; ist es als würden einen seine hypnotischen Blicke, seine aufbrausende Stimme selbst erstarren lassen.
Herausragend gut ist ebenfalls die deutsche Sychronisation des Films.
Es ist zu hoffen, daß niemand einmal auf die Idee kommt, diese vielleicht neu bearbeiten zu wollen.
Wir halten den Atem an bei dieser sich langsam steigernden, manipulativ- sadistischen Ehehölle, die sich vor uns auftut.
So hintergründig, schleichend, so gnadenlos wird hier Paula zu einem willenlosen, gedemütigten, hilflosen Opfer gemacht.
Kleines Aufbäumen, wie der Wunsch einmal alleine das Haus verlassen zu wollen, werden im Keim mit vergifteter Liebenswürdigkeit erstickt, und, vielleicht nur ein weiteres Anzeichen des Wahns, leuchtet nicht manchmal das Gas in den Lampen einmal heller , einmal dunkler?
Schein und Wirkichkeit.
Gregory stellt nach eigenen Worten Erkundungen über Paulas Mutter an.
Starb diese wirklich geistig verwirrt im Irrenhaus.
"Hab doch Erbarmen mit mir, verlass mich nicht", fleht Paula.
Ein Kammerspiel des Psychoterrors , der leise und behutsam, fürsorglich und entmündigend einen Menschen zerstört.
Doch was für Absichten stecken dahinter.
Fernab des schaurigen, viktorianischen Kammerspiels ist "Haus der Lady Alquist" ein schockierendes Beispiel wie einfach es ist mit kleinen, aber nachhaltigen Mitteln einen Menschen in seinem Selbstverständnis zu verunsichern, zu manipulieren, ihn gefügig zu machen, bis dahin ihn restlos psychisch zu zerstören.
Dies geht sehr, sehr einfach.
Und wenn man jetzt einmal einen ganz großen Bogen in die Jetzt- Zeit spannt, so haben wir sicherlich nicht mehr die eheliche Abhängigkeit im viktorianischen Zeitalter als Background, jedoch ein ähnlich gelagerter, zermürbender Terror am Arbeitsplatz, im sozalen Umfeld, in der Familie kann auch heute für jeden sehr schnell Thema werden.
So ist "Haus der Lady Alquist" ein Musterbeispiel dafür wie gesellschaftlich unauffällig aber hoch effektiv psychischer Terror inszeniert werden kann.
Fazit: Ein Meilenstein des Spannungskinos,des raffinierten Psychothrillers, und des geheimnsvollen viktorianischen Spukstückes.
In seiner Art einmalig. Die geisterhaften, leisen schwebenden Chöre fangen an zu singen, das Kaminfeuer ist entzündet und die Türen zu verschlungenen Gängen und Korridoren öffnen sich.
Treten Sie ein in Thornton Square Nr.9.
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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 25.07.2013 12:57:08 GMT+02:00
Ist irre lange her, dass ich diesen Film sah. Nun, durch Ihre Rezi, wurde er vor meinen Augen wieder ungeheuer lebendig. Ja, genau so gruselig empfand ich diesen Psychoterror. Interessant, wie man bei einem Film gleicher, und bei einem anderen total verschiedener Auffassung sein kann...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.07.2013 19:22:36 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 25.07.2013 19:28:10 GMT+02:00
RUMBURAK meint:
Hallo mbh53("tutz!"), das freut mich sehr. Der Film gehört zu meinen grossen Lieblingen. Nun solche unterschiedlichen Ansichten zu einem Buch, Film etc. sind doch normal.Mir kommt da immer "Picknick am Valentinstag" von Peter Weir in den Sinn, an dem ich mich nicht sattsehen kann, und für andere ist er einfach schlimmer und langwieriger als ein Zahnarztbesuch.
Dafür sind unsere Rezensionen ja auch da und für potentielle Käufer von Interesse.
Viele Grüsse
Rumburak

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.07.2013 20:10:15 GMT+02:00
christine meint:
Dritte im Bunde! Vielleich wäre es Zeit für eine Lieblingsliste mit "Häuser-Filmen". Als Heranwachsene war ich ja schwer in Charles Boyer verknallt, vermutlich so eine Form von Angstlust, vielleicht die Erkenntnis, dass wir unterbewusst das begehren, was wir fürchten, oder so ähnlich. Schade, das die beiden anderen Bergman-Boyer- Filme nicht annähernd dieses Niveau erreicht haben. Ich wollte mich in nährerer Zukunft einem anderen "Häuser-Lieblingsfilm" widmen, "Rebecca".

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.07.2013 20:55:04 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 25.07.2013 21:01:58 GMT+02:00
RUMBURAK meint:
Wunderbar, wunderbar "Rebecca"! Da freue ich mich, Christine. Hitchcock hat den Film selbst ja immer etwas abwertend betrachtet, ("Aschenputtel-Story etc."). Ich finde ihn einfach hinreissend.
Habe Dir unter "Weißschnittchen und Dosenbrot" auch noch einmal geschrieben.
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