Kundenrezension

23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Geheimtipp!, 17. Februar 2003
Von 
Rezension bezieht sich auf: Weber: Der Freischütz (Gesamtaufnahme) (Audio CD)
Mit Aufnahmen von Webers "Nationaloper" sieht es aktuell nicht allzu gut aus - gerade wer von historischen Aufnahmen tendenziell absieht, steht vor einer nur sehr kleinen, wenn auch unübersichtlichen Auswahl an Aufnahmen. Die großen Dirigenten unserer Zeit haben sich am "Freischütz" fast ausnahmslos gar nicht erst versucht, und einige interessante Kuriosa (wie den Wiener Radiomitschnitt unter Karl Böhm oder die Wiedereröffnung der Semperoper) sind gar nicht erst verfügbar.
Da verwundert es kaum, daß als "Referenz" von allen Seiten einzig die Aufnahme unter Carlos Kleiber aus den frühen 70ern empfohlen wird. Mit der kann der geneigte Opernfreund, zumal ob der durchweg guten Solistenbesetzung, nun durchaus leben, aber "Referenz"? Wohl eher nicht, nicht jederman will den "Freischütz" in der aufdringlichen halligen Akustik einer Kirche hören, von Kleibers etwas nervöser Orchesterführung und den extremen Tempi sowie den reingeschnittenen, von Schauspielern gesprochenen Dialogen gar nicht zu reden. Hier ist eine gemeinhin unbekannte Alternative:
Rafael Kubelik hat das Radiosinfonie des BR wirklich perfekt im Griff, die rhythmische Präzision des Klangkörpers erstaunt insbesondere im Vergleich zu Konkurrenzaufnahmen. C. Kleibers Hyperinflation der Tempi (Introduktion Nr. 1!) macht Kubelik nicht mit und überzeugt mit gemäßigten Taktschlägen, die aber dank der präzisen und spannungsreichen Führung des Orchesters niemals langweilig oder schleppend erscheinen. Zu absoluter Hochform laufen die Münchner in der Ouverture, dem Finale und der gesamten Wolfsschluchtszene (wo das gesamte Repertoire der Schlagwerkabteilung und Geräuschemacher ausgenutzt wird) auf. Wie überhaupt die gesamte Orchesterarbeit eine sehr gute Werkkenntnis verrät, die Aufnahme kann man immer und wieder hören und wird jedes Mal neue Feinheiten entdecken (Generalpausen!). Kubelik leitet das Orchester zu durchaus starker, aber nie übertriebener Dynamik an, die kleiner besetzten Szenen (Bühnenmusik Nr. 1, Jungfernchor) wirken geradezu kammermusikalisch-filigran.
Zum hervorragenden Gesamteindruck trägt auch der gute Chor bei, der textgenau und rhythmisch präzise endlich mal nicht im Orchesterklang untergeht, Jägerchor wie Gespensterchor kommen souverän, doch ohne falsches Pathos.
Eine vokale Glanzleistung liefern die beiden Damen ab: So jugendlich, so locker, glaubwürdig und dabei technisch überragend wie von Hildegard Behrens und Helen Donath hat man die Partien (Agathe/Ännchen) wohl noch nie gehört, die beide von Takt zu Takt mühelos zwischen Sprechen, leichtem, verzierungsreichen Gesang und hochdramatischem Ausdruck wechseln können - ich warne ausdrücklich jeden Opernfreund, daß er nach dem Hören dieser Aufnahme i.B.a. diese Partien deutlich kritischer sein wird. Nicht nur die Einzelleistungen, sondern besonders das Zusammenspiel mit den anderen Akteuren gelingt perfekt, insbesondere mit René Kollo, der hier (1979) auf der Höhe seiner stimmlichen Karriere einen ungewöhnlich leichten, aber sehr ausdrucksstarken Max gibt, ein hörbar intelligenter Sängerdarsteller.
Peter Meven verkörpert einen etwas zurückhaltenden, eher hintergründig bösen Kaspar, kann es mit Stimmgewalt und dämonischer Kraft nicht mit der Konkurrenz (Theo Adam/Kurt Böhme) aufnehmen - trotzdem ein sehr überzeugendes Rollenportrait, zumal er in der Höhe nicht wie andere kämpfen muß. Auch Wolfgang Brendel als Ottokar gehört eher in die leichte Kategorie Bariton, überzeugt hier ohne Abstriche. Insbesondere der stimmliche Kontrast der beiden vorgenannten mit dem extrem tiefen und sauber-dominanten Baß von Kurt Moll als Eremiten läßt die Sängerbesetzung durchdacht wie perfekt erscheinen.
Die Technik der Studioaufnahme ist - wie bei jüngeren Decca-Aufnahmen zu erwarten - perfekt, nur ein ganz minimales, kaum wahrnehmbares Rauschen verrät, daß es sich hier 1979 noch um eine Analogaufnahme handelte. Das Orchester erklingt räumlich, dynamisch und doch homogen, die Solisten dabei niemals überdeckend. Die Textverständlichkeit ist perfekt. Samiel erscheint per Tontechnik unschlagbar furchteinflößend, beim "hier bin ich" (Finale II) fährt einem der Schreck durch die Glieder.
Absoluter Kauftipp. Wundern kann man sich nur, warum diese Aufnahme sonst so wenig empfohlen wird - Kleiber mag zwar eine etwas emotionalere Darstellung liefern, aber die von Kubelik ist insgesamt überzeugender.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

Schreiben Sie als erste Person zu dieser Rezension einen Kommentar.

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 


Details

Artikel

4.3 von 5 Sternen (3 Kundenrezensionen)
5 Sterne:
 (2)
4 Sterne:    (0)
3 Sterne:
 (1)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Rezensentin / Rezensent


Top-Rezensenten Rang: 2.770.906