Kundenrezension

10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen 1930er (?) BREITWANDEPOS genial in S/W umgesetzt, 5. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der große Treck (Masterpieces of Cinema Collection 03) (+ Blu-ray) (Blu-ray)
Meisterlich MEISTERHAFTES und absolut SEHENSWERT ...
für den Western-, Wayne- und Fan alter Spielfilme,
ist dieser zur damaligen Zeit im seltenen Format des Breitwandkinos gedrehter amerikanische Heimatfilm zu genießen.

Die beiliegende Blu-ray, mit ihrer 70 mm Fassung (Breitbild; 2.10:1),
ist ein wirklicher Genuss und man wähnt sich, dass nicht auch andere (S/W-)Klassiker -zwischen den 1930er und den 1950er- in diesem Format gedreht wurden.
Zwar stapft der junge John Wayne noch etwas unbeholfen, man kann sagen unbehauen in seinem Naturell, also ohne seine typischen Allüren in Gestik und Mimik, durch die div. geographischen Klimazonen der US-Landschaften; die uns dieser Treck in seiner fotografierten Œuvre mit excellenter Bravour präsentiert, doch der Film hegt seine Ausnahmequalität in den enormen Landschaftsbildern, den Aufnahmen des beschwerlichen Treck selbst und dem liebevollen Austattungsmerkmalen (Planwagen, Holzhütten usw., in Verbindung eben der div. Locations). Die Ausstattung vieler Szenenbilder ist heute kaum noch zu finden und spiegeln hier eindrucksvoll den gigantischen Ideenreichtum der hollywoodschen Großproduktionen der zurückliegenden Stummfilmzeit wieder.

Vieles scheint auch -oder deshalb- durch das vorliegende seltene Bildformat gar nicht so "alt"! Gesichter, Menschen, Tiere, Gegenstände, Natur usw. sind durch die bisher nicht gekannte 30er-Jahre Grandeur-Technik "echter" in ihrer Präsentation, als das sonst übliche 4:3 S/W-Pendant.
Der oft enthaltene "Mief" des beginnenden Tonfilmes, in Verbindung mit seiner Technik, entfällt hier durch die einladende Breite. Alles erscheint "heller" und daher für uns, für heutige Sehgewohnheiten, angenehmer. Einzig die ein oder anderen eindimensionale, platt abgefilmte Kameraeinstellung in den Dialogszenen erinnert an das 20er-, frühe 30er-Jahre-Kino.

An der -evtl.- äußerst geradlinigen Handlung sollte man sich natürlich nicht stoßen.
Wayne & Co., außer wenige Ausnahmen, wirken etwas hölzern, rattern ihren schmalen Text oftmals kantig herunter. Dafür entschädigen aber immer wieder die gewaltig abgelichteten Bilder; eingefangen von Kameramann Athur Edeson(!), der danach noch anderen Klassikern, also nicht wie diese "vergessene Perle", sein Können gewährte; darunter "Im Westen nichts Neues", "Frankenstein", "Meuterei auf der Bounty", "Die Spur des Falken", "Sergeant York" und natürlich einer der größten, "Casablanca" nämlich.

Regisseur Raoul Walsh ("Die Nackten und die Toten", "Drei Rivalen" u.v.a.) zeigt hier mit enormen Inszenierungsbombast (hunderte Planwagen, unzählige Pferde, Kühe und anderes Getier, liebevolle Requisiten usw.) echte -patriotische- Pionierstimmung. Die unmenschlichen Strapazen erscheinen durch das Gezeigte absolut nachvollziehbar, wirken authentisch ... und man möchte nicht wissen, wie viele Tiere während der Dreharbeiten krep ....
Körperliche Anstrengungen, Verlust, Tod (vielleicht ist die hier gezeigte "Spielfilmauthensität" auch der Tatsache geschuldet, dass etliche Verantwortliche am Set annähernd die Zeit aus ihrer Jugend kannten) und die dadurch verursachten seelische Vernarbung, werden anders als im sonst üblichen Hau-Ruck-Western abgehandelt. Man beginnt zu ahnen weshalb der Amerikaner, für uns Europäer, so "amerikanisch" handelt.
Auch die hier noch echten Indianer schneiden wesentlich "authentischer" ab, als in den gängigen 50er- und 60er Westernformaten. Entsprechen mehr der Darstellung eines aus der Feder entsprungenen James Fenimore Cooper.

Ebenfalls wirkt für die gute Atmosphäre, in seiner schmutzigen Kargheit, ein Hauch Italo-Western durch die Szenerie. In den zerlumpten Figuren, die wie bei Leone immer werkeln, beschäftigt sind, durchs Bild laufen, reiben sich die Strapazen des fast einjährigen Trails, quer durch die Territorien, eindrucksvoll ein.
Der Film war also, auch in seiner Logistik (für damals enorme 2 Mio. Dollar abgedreht), jenes merkt man ihm an, ein wirklich gigantisches und kühnes Unterfangen (vergleichbar dagegen, aus den 60ern, erscheint Andrew V. McLaglens "Der Weg nach Westen [Blu-ray]" nur als lascher Aufguss in knalligen Cinemascopefarben).

Damit nicht alles im Sumpf, Morast, Staub und Schnee ertickt, haben sich die Drehbuchschreiber noch den netten Runninggag der immer wiederkehrenden Schwiegermutter eines trotteligen Pioniers (gespielt in guter alter Stan-Laurel-Manier) ausgedacht, der den Film über, dezent eingesetzt, viele Szenen amüsant erscheinen lässt und so auch etwas vom hölzernen Dialogfeuerwerk ablenkt, welches zwischen Waynes gespielten Charakters (einen Scout als jugendliche Lederstrumpfausgabe) und Tyrone Power Sr. Bösewichtfigur herrscht (der hier -in seiner letzten Rolle- den Treckleiter mimt und in der Charakterzeichnung, im Erscheinungsbild, eine Art adaptierter hotzenplotzischer Gert Fröbe gibt).

Aber letztendlich lebt der Breitwandfilm von seinen bombastischen S/W-Bildern, seiner gigantischen Inszenierung; die sich dann auch im finalen Kampf eines riesigen, vom mir bis dato noch nie gesehenen, umgestürzten Baumes widerspiegelt (hier ist eben alles eine Nummer größer; angefangen von der Größe der Planwagen, allesamt mit Sechsergespannen, bis eben hin zur gewaltigen Naturkulisse).

Für den "wahren Cineastenfreund" ist daher dieses Stück "Masterpieces of Cinema" -im Blu-ray-Gewand- absolut sehenswert. Bleibt somit eine wärmste Empfehlung und eignet sich glänzend zur Ergänzung (s)einer Heimkinobibliothek.
Mit kleinen Abstrichen also, zu finden in den dramaturgischen Stilmitteln, die der jungen Tonfilmära geschuldet sind, immer noch in einer klasse hohen 4-Sterne-Amazonwertung angesiedelt.

P.S.
Die 70mm-Fassung liegt hier in der knapp über zwei Stunden vorliegenden unsynchronisierten O-Fassung vor (die ca. 160 minütige Langversion, wenn es sie denn tatsächlich geben sollte, ist es nicht).
Die auf "nur" DVD beiliegende knapp 80 minütige deutsche Fassung, mit ihren deutschen Schauspielern, die am etwas spärlicheren Set, nachdem die Originaldarsteller ihren Einsatz hatten, abgedreht wurde (Synchronarbeit war damals noch unbekannt) und dann mit den Naturaufnahmen und anderen Totalen des amerikanischen Originals verknüpft wurde, ist dagegen wirklich "Opas Kintopp" und als solches auch, eben in der mageren 4:3 Kopie, zu erkennen. Der hier spielende "deutsche" Held ist somit auch typisch der Entstehungszeit entsprungen und fräst sich als großspuriger Alleskönner, im nachwilhelminischen Pikelhaubenformat, und dem typischen preußischen Geschnauze, durch die Handlung.
Ist die Storyline an sich schon einfach gestrickt, wirkt es in der deutschen Ausgabe noch platter. Der eigentliche Charme der Originalfassung wirkt im weimarerischen Pendant zudem dilettantisch inszeniert, wirkt ungemein ungelenk; alles ist irgendwie unpassend und man bemerkt schnell, dass dieser John Wayne, eben im Original, trotz seines hier ersten -großen- Auftrittes, etwas straightes, etwas leichtes, eben etwas (ur-)amerikanisches im Spiel hat, das ihn Jahre später zur unsterblichen Legende mutieren lässt.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 16.01.2014 06:34:02 GMT+01:00
Dr. Herkules meint:
Es ist gut möglich, daß es diese 158 Minuten lange 70mm-Fassung gar nicht gab; es könnte ein Rechenfehler vorliegen, so daß man die Länge der 70mm-Kopie mit der üblichen Laufrate von 35mm berechnet hat. Nimmt man die Rate für 70mm zugrunde, geht er um 126 Minuten.
Siehe hier: http://www.ofdb.de/view.php?page=fassung&fid=8743&vid=269110

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.01.2014 08:39:35 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.02.2014 11:01:34 GMT+01:00
W. Walz meint:
Hallo @Dr.Herkules.

Die angebliche ca. 160minütige Fassung soll es bei den wenigen (Vor-)Premieren in der Handvoll 70mm-Kinos gegeben haben. Doch ist die nie, von Seiten des Verleihs/Verantwortlichen, bestätigt worden (aber auch nie dementiert).
Das Gleiche schwammige gilt beim Budget. Manche Angaben sprechen von ca. 1,2 Millionen, andere wiederum von 2,0 (was heute dann wohl so um die 300 Millionen sein sollte ?!).

Gruß
W.Walz
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