Kundenrezension

55 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Enthält kaum gültige Argumente, 25. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Der aufgeklärte Gott: Wie die Religion zur Vernunft kam (Taschenbuch)
Nach Titel und Klappentext erwartete ich ein fundiertes Werk über den Zusammenhang Religion, Vernunft und Aufklärung; eine Auseinandersetzung mit den »Neuen Atheisten« (nach Kissler: Richard Dawkins, Christoper Hitchens, Sam Harris, Michael Schmidt-Salomon; künftig »NA«).
Meine Erwartungen wurden großenteils nicht erfüllt, ja enttäuscht.
Kissler fasst das »wie« im Untertitel nicht als Art und Weise sondern zeitlich auf. Er behandelt einige Kirchenväter und -kritiker der letzten 2000 Jahre. Da erhalten die »NA« nur einen entsprechenden Anteil.
Dieser Ansatz wäre angemessen, da den »NA« vorgeworfen wird, ihre Argumente seien »uralt« oder »nicht taufrisch«; so als ob Argumente ein Verfallsdatum hätten. Doch beim Gang durch die Historie werden Celsus, Reimarus, Voltaire, ..., kritisiert, nicht aber die »NA«.
Eine Hauptthese Dawkins' nennt Kissler erst am Ende des Buchs: "Glaube ist genau deshalb bösartig, weil er keine Rechtfertigung braucht und keine Diskussion duldet" (S. 262). Kissler entkräftet diese These nicht.
Kissler vertritt eine erzkatholische Position, die er nirgends argumentativ mit der Position der »NA« vergleicht oder begründet oder gar in Frage stellt. Wenn andere die Menschenwürde an bestimmte Eigenschaften koppeln (S. 213), verurteilt er dies vehement. Dass seine Bindung der Würde an den Artbegriff ähnliches macht (die Art wird an bestimmten Eigenschaften festgezurrt), übersieht er.
Er versucht den Atheisten Antisemitismus unterzuschieben. Selbst wenn er recht hätte, wären diese dann dort, wo die katholische Kirche jahrhundertelang war.
Ein anderer Argumentationsstrang der »NA« bezieht sich auf die blutige Geschichte der Religionen. Dieser wird fürs Christentum von Kissler u.a. mit Zeitkolorit abgetan. Päpstliche Missgriffe wie »Mirari vos arbitramur« und »Syllabus errorum« waren -' so Kissler - immerhin gut gemeint.
Der Autor lässt kaum ein gutes Haar an nicht streng katholischen Weltanschauungen; heftige Kritik daher an Luther, Lessing, Goethe, Küng; er weist jeglichen Relativismus brüsk ab. Außer dieser paßt in seine Linie, so wenn er Glauben und Vernunft auf eine Ebene setzt, da beides Weltanschauungen sind (S. 233). Nach dem Motto der Kreationisten: Warum nicht beides lehren? Wenn der Leser mitgeht und religiösen Glauben, Vernunft und Wissenschaften gleichwertig als Wissensquelle anerkennt, folgt die Kritik der Vernunft und der Wissenschaften. Nach dieser Kuckucksmethode steht dann der Glaube als allein unanfechtbare Domäne da.
Wenn Kissler mal argumentiert geht es oft daneben. Beispielsweise wiederholt er den scheinbar unausrottbaren ungültigen Übergang von: »Religion gibt moralische Vorgaben« (was in der Theorie zutreffen mag) zu: »Keine Religion, also keine Moral«.
Kissler offenbart zahlreiche blinde Flecken. Er sieht die Bevorzugung der Religionen bei uns nicht; er sieht den vielfältigen religiösen Zwang nicht und nicht die Frauenfeindlichkeit der katholischen Kirche.
»Der aufgeklärte Gott« sollte besser »Der verklärte Gott« heißen. Es vernebelt mehr als es erhellt. Kissler hat seiner Sache einen Bärendienst erwiesen. Die Leser, die schon auf seiner Seite waren, finden sich bestätigt. Die anderen Lesern stellen die Dürftigkeit der Argumente mit einem gewissen Erschrecken ziemlich schnell fest.
Die Lektüre lohnt sich daher nur für diejenigen, die
- Kisslers Position kennenlernen wollen, ohne dafür Begründungen zu erwarten,
- etwas über einige bedeutende historische Religionskritiker erfahren wollen.
Darüber hinaus ist abzuraten, da das Werk wenig Struktur erkennen läßt (man lese das Inhaltsverzeichnis!) und kaum gültige Argumente enthält, weder für die eigene Position noch gegen die »Neuen Atheisten«.
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Ersteintrag: 25.05.2008 17:09:46 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 25.05.2008 17:12:25 GMT+02:00
Ich danke Ihnen sehr für diese Analyse! Ich kann sie aufgrund meiner Lektüre cum grano salis bestätigen, und würde mich freuen, wenn noch mehr Leser den Mut fänden, ihrer Enttäuschung mit einer eigenen Amazon-Rezension Ausdruck zu verleihen, so wie Sie und ich es getan haben.

Veröffentlicht am 05.12.2009 00:24:46 GMT+01:00
Motörfader meint:
Eine gute Auseinandersetzung mit den Thesen der neuen Atheisten, insbesondere Dawkins bietet Richard Schröder in dem Buch "Abschaffung der Religion?".
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