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Kundenrezension

22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schöpft das Potential nicht aus, 1. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Kennedys [3 DVDs] (DVD)
Eine ordentliche, aber nicht überragende Serie, die sich im Kern mit der Präsidentschaft John F. Kennedys befasst. Unter dem Strich bleibt der Eindruck, dass sie ihr Potential verschenkt, weil sie zu viele Kompromisse eingeht. Zwar wird äußerlich großer Wert auf Genauigkeit gelegt: die Ähnlichkeit von Greg Kinnear und Katie Holmes mit ihren Rollenvorbildern ist bemerkenswert, und auch in Gestik und Mimik hat man das Gefühl, das echte Kennedy-Paar vor sich zu haben. Und doch werden die Charaktere nicht so richtig lebendig, was teilweise an den Schauspielern, hauptsächlich aber am Drehbuch liegt.

1.
Oft wirft man historischen Verfilmungen aus den USA ja vor, um der lieben Dramaturgie willen die realen Personen völlig verzerrt darzustellen. Hier ist eher das Gegenteil der Fall. Es wirkt so, als habe während der Dreharbeiten irgendein Anwalt des Kennedy-Clans neben dem Regisseur gestanden und ihn zurückgepfiffen, sobald der sich mal aus dem Nichtschwimmerbecken ins tiefe Wasser vorwagte. Das Verwegenste, was die Serie thematisiert, sind der Medikamenten-Missbrauch und die Affären. Aber auch das wird alles brav und familientauglich erzählt - der Präsident geht zwar fremd, aber der Arme kann halt nicht anders, und es tut ihm ja auch immer wieder leid, und Jacky erträgt alles mit Fassung und Würde und vergibt ihm gerade noch rechtzeitig, bevor in Dallas der Schuss fällt. Bezeichnenderweise erteilt sie ihre Absolution mit den Worten "Es war nicht immer leicht, aber es war auch niemals langweilig." - hätte man nicht wenigsten auf das Präteritum in dem Satz verzichten können, um dem Ganzen ein wenig vom Pathos einer dunklen Vorahnung zu nehmen?
Besonders Jacqueline Kennedy kommt in der Serie ausgesprochen gut davon - und bleibt deshalb ein blasser Charakter, der sich nie vom konservativen Klischee der "idealen Ehefrau" an der Seite eines starken Mannes lösen kann. Entweder sind die Autoren hier selbst auf das vom Weißen Haus bereitgestellte Kunstbild hereingefallen, oder sie haben sich nicht getraut, eine nationale Ikone zu entzaubern. Gelegenheit hätte es durchaus gegeben: so war z.B. die Heirat mit dem griechischen Reeder Onassis im Jahr 1968 ein handfester Skandal - erstens, weil katholische Frauen sowieso kein zweites Mal zu heiraten hatten, zweitens, weil dies kurz nach der Ermordung von Bobby Kennedy geschah, und drittens, weil die allseits vergötterte Jacky es wagte, nur wegen des schnöden Mammons einen 23 Jahre älteren Ausländer zu heiraten. Allein schon dieses ausführlicher zu thematisieren, hätte der Serie ein wenig Pfeffer gegeben - aber das war offensichtlich nicht gewünscht.

Bis auf die Ausnahme Joseph Kennedy geht die Serie mit den dargestellten Personen sehr bieder und sehr politisch korrekt um. Das ist natürlich auch schwer anders zu bewerkstelligen, wenn man sich mit so bekannten Figuren beschäftigt, von denen zudem bis vor kurzem noch viele gelebt haben. Wer einmal sehen will, was alles möglich ist, wenn sich Drehbuchautoren richtig austoben können und auch das nötige Talent mitbringen, dem seien die Serien "John Adams" und natürlich "The West Wing" empfohlen. Paul Giamatti als zweiter Präsident John Adams und Martin Sheen als fiktiver Präsident Jed Bartlet wirken deshalb so lebensecht und plastisch, weil ihnen die Autoren nach Herzenslust auch negative Charakterzüge verpassen dürfen. Der eine ein ewig grummelnder Miesepeter, der sich ständig von der Welt falsch verstanden fühlt, der andere ein intellektueller Snob, der, wenn's drauf ankommt, an seinen Mitarbeitern seine schlechte Laune auslässt, und beide trotzdem absolute Sympathieträger - da erahnt man, was bei den Kennedys möglich gewesen wäre.

2.
Die Leistungen der Schauspieler sind von unterschiedlicher Qualität. Am meisten hat mich Barry Pepper als Robert Kennedy überzeugt, was eine echte Überraschung war. Dass Tom Wilkinson einer der besten Filmschauspieler unserer Zeit ist, weiß man schon länger. Allerdings kann einem bei aller Hochachtung vor seiner Leistung nicht verborgen bleiben, dass er in den letzten Jahren irgendwie in ein immer wiederkehrendes Rollenprofil reingeschrieben worden ist. Früher fand ich seine Rollenauswahl erfrischender, da waren auch mal verrückte Dinger wie "The Full Monty" oder "Shakespeare in Love" dabei oder leise Töne wie "In the Bedroom".
Greg Kinnear hat mich in der Mehrheit überzeugt, aber in manchen Szenen hätte ich mir sein Spiel intensiver gewünscht. Vielleicht hätte der Regisseur hier und da auch einfach noch einen Take mehr verlangen sollen. Besonders fiel mir das in der Folge mit der Kubakrise auf - zu keinem Zeitpunkt war die Welt der Vernichtung so nahe wie im Oktober 1962, aber den handelnden Personen ist das kaum anzumerken. Natürlich kann sich ein Präsident nicht wie Espenlaub zitternd im Oval Office unterm Tisch verkriechen. Aber eine gewisse Anspannung im Gesicht und in der Körperhaltung hätte ich mir schon gewünscht. Als in der entscheidenden Szene Bobby am Telefon hängt und darauf wartet, ob die Russen auf die Angebote eingehen oder ob es zum Atomkrieg kommen wird, verfolgt Greg Kinnear das Ganze mit einem entspannten Gesichtsausdruck, als würde Barry Pepper den Börsenbericht einholen. Im Vergleich dazu leidet man mit Tom Wilkinson fast physisch mit, als er in der ersten Folge am Telefon Nachricht erhält, dass sein Sohn im Kriegseinsatz schwer verletzt gerettet wurde. Das sind eben die kleinen Unterschiede, weshalb der eine Schauspieler gut ist und der andere Weltklasse.

Am schwächsten finde ich Katie Holmes als Jacky Kennedy; dies wohlgemerkt unter der ausdrücklichen Einschränkung, dass das Drehbuch ihr aus oben genannten Gründen offenbar wenig Spielraum gab, ihrer Figur Profil zu verleihen. Und trotzdem - etwas mehr darf es schon sein. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob sie eigentlich mehr als nur einen Gesichtsausdruck beherrscht - eben dieses bekannte Katie-Holmes-Lächeln: große Rehaugen, rechter Mundwinkel hochgezogen. Um noch einmal auf die Kubakrise zurückzukommen: Meine Eltern erzählen mir immer wieder, wie damals die ganze Welt voller Angst geradezu an den Radiogeräten und an den Fernsehern klebte. Man wusste damals buchstäblich nicht, ob man das Ende des Tages noch erlebt, und zwei Wochen lang musste man in jeder Sekunde fürchten, dass das Damokles-Schwert einer Atomexplosion auf einen niedersausen könnte. Man konnte nichts anderes denken und fühlen als immer nur die Furcht vor dem eigenen Tod. Nichts davon spiegelt sich im Gesicht von Katie Holmes wieder, die zwischendurch ihrem Mann mal wieder seine Affären vergibt und am Ende dessen Pressekonferenz so ausdruckslos verfolgt wie den Wetterbericht - und ihrer Tochter den coolen Spruch mitgibt, Papi hätte gerade die Welt gerettet.

3.
Die Serie ist mit acht Folgen à 45 Minuten im Grunde zu kurz. Auch wenn die Präsidentschaft von Kennedy keine vier Jahre dauerte, so ereigneten sich doch in jener Zeit dermaßen viele Dinge, dass es schwierig ist, all das in so kurzer Sendezeit unterzubringen. Es ist ein großes Problem, das vieles nur angerissen wird. Man hätte locker 20 Folgen daraus machen oder die Sendezeit auf 90 Minuten pro Folge ausdehnen können. Besonders enttäuschend ist der Teil, der sich mit der Ermordung JFKs befasst: man sieht zwar viele bedeutungsschwangere Bilder und eine Umarmung nach der anderen, aber fast nichts an geschichtlicher Substanz. Lee Harvey Oswald taucht irgendwo aus dem Nichts auf und knallt den Präsidenten über den Haufen - aus welchem Grund auch immer. Dann erfährt man kurz, dass er von Jack Ruby gelyncht wurde, und das war's auch schon. Dazwischen Tränen und Umarmungen und Familienpathos und Beileidsbekundungen, ohne dass einen das so wirklich berühren würde.
Andere Brennpunkte der Kennedy-Präsidentschaft fallen vollständig oder fast vollständig unter den Tisch. So wird der Bau der Berliner Mauer in dreieinhalb Sätzen abgearbeitet und der Besuch im Sommer 1963 in West-Berlin wird gar nicht erwähnt. Das beste Beispiel für das verschenkte Potential ist Kennedys Treffen mit Chruschtschow 1960 auf der Wiener Abrüstungskonferenz. Ein Klasse-Autor wie "West Wing"-Schöpfer Aaron Sorkin hätte aus so einer Steilvorlage vermutlich eine bis ins kleinste Detail durchdachte eigene Folge gemacht. Hier gibt es einen kurzen Flashback, und das war's. Zudem hat man die Szene schlecht gewählt: wir lernen Chruschtschow bei seinem kurzen Auftritt als harten Knochen kennen, der mit unbewegter Miene markige Sprüche raushaut. Da fragt sich der etwas verwirrte Zuschauer dann schon, woher JFK in der nachfolgenden Kubakrise seine Gewissheit zieht, der Generalsekretär sei eher ein kompromissbereiter Verständigungspolitiker, der sich im Kreml die Falken vom Leib halten müsse.

Die meisten Dinge, die ich hier genannt habe, waren recht negativ. Ich möchte aber nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht. Ich habe die "Die Kennedys" durchaus mit Vergnügen und auch zügig durchgeschaut. Da ich oben so ein wenig über die Familientauglichkeit hergezogen bin, möchte ich der Fairness halber ausdrücklich lobend erwähnen, dass mit Gewaltszenen sehr dezent und wenig voyeuristisch umgegangen wird (was von einem "24"-Regisseur nicht unbedingt zu erwarten ist). Man darf halt nur nicht zu hohe Maßstäbe anlegen. Gerade im Vergleich zu den erwähnten Serien "John Adams" und "The West Wing" wirkt es so, als hätten sich die "Kennedys"-Autoren hauptsächlich mit Wikipedia-Artikeln vorbereitet. Die Serie ist da ein wenig wie die Titelsequenz: Eine wehende US-Flagge, die übliche leicht militärisch anmutende Titelmusik - halt das, was man so erwarten kann. Insgesamt etwas brav und überraschungsfrei, aber trotzdem nett anzuschauen.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 24.10.2015 12:48:19 GMT+02:00
A.J. meint:
Kann ich nur unterschreiben. Insgesamt bleibt die Serie sehr zahm und schöpft ihr Potenzial nicht aus. Ich habe mich auch gefragt, wo die anderen Geschwister bleiben, immerhin waren in der Kennedy-Familie viele weitere interessante Charaktere vertreten.
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Ort: Baden-Württemberg

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