Kundenrezension

21 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Chancen einfach liegen lassen, 28. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Party On The Moor (The 40th Anniversary Concert) (Audio CD)
Zunächst, keine Frage, wieder ein sehr gutes Konzert von Runrig. Zuerst die Dinge, die etwas enttäuschend sind, aber natürlich keinen Abzug rechtfertigen, weil es sich um Entscheidungen der Band handelt, die man nicht anders als akzeptieren sollte. Warum All-Time-Favourites bzw. Meilensteine wie "In Scandinavia" (Es war ja sogar eine passende Frauenstimme "zur Hand".) oder "In Search Of Angels" fehlen, weiß man nicht, die Jungs spielten astronomisch lange, aber so etwas wie "City Of Lights" wäre auch verzichtbar. Nun gut. Bruce Guthro verneint in den Liner Notes, dass es ihn nerve, immer wieder die alten Schinken zu spielen, ein Retrospektive-Konzert zu machen, wo er doch jemand sei, der für den Moment oder die Zukunft lebe. Warum erwähnt er das, wenn es doch kein Thema für ihn sei. Schon beim Hamburger Konzert im vergangenen Sommer wirkte vor allem Guthro überraschend müde bis uninspiriert - Kein Wunder, seit 7 Jahren nichts Neues, da ist jedes Konzert rückwärtsgewandt. Dem hätte man abhelfen können, da in der Zwischenzeit drei Soloprojekte entwickelt wurden (Guthro, Hurren, Band From Rockall) - Warum also nicht die Gelegenheit nutzen und drei Songs daraus zu präsentieren, wenn es der Band schon nicht gelungen ist, "zur Feier des Tages" einen (!) neuen Song zu schreiben. Brian Hurren durfte nicht einmal sein "Something's Got To Give" singen. Anstelle dessen holt man Donnie Munroe auf die Bühne und lässt ihn singen - was, sorry, einen qualitativen Bruch am Ende von CD 2 darstellt, bei einem solchen Projekt reicht "Mühe geben" eben nicht aus, und bei allen Emotionen, ein Rock-Konzert ist keine Seifenoper. Das mag die Die-Hard-Fans erzürnen, wie damals der Einstand von Bruce Guthro - höre ich mir die Alben aber an, was ich oft tue, dann hat Guthro für mich Runrig von einer lokalen Folklore-Combo zu Schwergewichten entwickelt. Andere Bands zelebrieren ihren Back-Katalog kreativer, z.B. mit Akustik-Versionen oder Medleys aus bekannten Nummern etc. So aber reicht das Konzert kaum an "Year Of The Flood" oder "Day Of Days" heran, nur die Länge ist gigantisch. Es kommt einem vor, wie "Die Feiern da ne Party und du bist nicht dabei", will sagen, die Atmosphäre springt nicht über, kein Schauer, der einem über den Rücken läuft, was bei den Vorgänger-Live-Scheiben noch der Fall war. Guthro hat ja Recht, man entwickelt sich weiter, Runrig in den letzten Jahren aber leider nicht. Das alles, bitte schön, führt nicht zum Abzug, denn schlecht wird das Album dadurch natürlich nicht.
ABER: Wer kam auf die Idee, so etwas wie Sony zu beauftragen, dieses Event zu produzieren? Ein gewisser Kristian Gislason war "Live Sound Engineer" (eben, ein Ingenieur!) und durfte das auch noch in Dänemark (?!) abmixen - hoffentlich bekommt der keinen Job mehr. (Besonders unter Qualitätskofphörern) Es zischeln einem die Becken und manchmal der Gesang so durch die Ohren, dass es keine Freude mehr ist, und die wundervolle Gitarre ist oft so in den Hintergrund gemischt, dass die Songs blass erscheinen, was sie nicht sind - Konzertgänger wissen, wie Malcolm Jones die Songs tragen und aufpeppen kann. Ein solch unausgewogener Sound muss heutzutage nicht mehr sein, auch ohne Overdubs nicht. (Runrig-Fans gehören nicht zu der 128-kbps-mp3-Generation, der Soundqualität einfach abgeht.)
Eigentlich müsste noch ein zweiter Punkt weg, denn: Wie kann man ein solches Ereignis so spartanisch ausstatten (oder kommt Sony in Kürze mit einer "Super Deluxe Premium Edition"?). Der Tray ist äußerst interessant, das war's aber auch schon. Abgesehen davon, dass man darauf verzichtet, Peter Wishart den Titeln zuzuordnen, bei denen er mitwirkt, sind Infos etc. Mangelware, nicht schlecht aber die (euphorischen) Selbstaussagen der Bandmitglieder. Es handelt sich aber um ein Anniversary-Album, also: Bandhistorie mit Bildern (so üppig sind Runrig-Compilations bisher ohnehin nicht ausgestattet gewesen), Photos vom Ereignis (und nicht vier unkenntliche Thumbnails auf dem Back Cover, die man nicht einmal mit Lupe entziffern kann), Originalherkunft der Songs und was man zu einem solchen Anlass nicht alles noch machen kann, auch für nen Zehner mehr von mir aus, aber eben abgehoben von einem schlichten Live-Mitschnitt. Übrigens: Wie man es verhindert, dass einem nicht die Titelspielzeit aus Versehen unter die Track-Nummer rutscht, weiß jeder 7.-Klässler - Kurzum: Lieblose Aufmachung und ärgerliche Soundqualität - Leider keine 5 Sterne. Schade, schade schade - ist es doch das vielleicht letzte Lebenszeichen der Band.

Update v. 29.03.2014:
Nach mehrmaligem Hören muss ich meine Beurteilung des Gesangsteils von Donnie revidieren, "An Ubhal ..." ist, speziell zu Beginn, nicht optimal, aber ein Qualitätsbruch ist es dann doch nicht. Dass die Gitarre zu oft zu sehr in den Hintergrund gemischt worden ist, ärgert mich noch immer, gerade bei Songs, die von Hause aus eher gitarrenlastig sind. Das mit den zischelnden Becken, na gut, daran kann man sich gewöhnen oder eben nicht Kofphörer hören. Die Aufmachung von Cover/ Booklet kann mich leider nach wie vor nicht begeistern. Also: Konzept, Idee und Auftritt volle Punkte, Produktion (Sony!) aber eher nicht.
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1-7 von 7 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 28.03.2014 09:52:01 GMT+01:00
Was mir an der Rezi gefällt: es ist viel Zuneigung zur Band zu spüren, so in etwa wie ein enttäuschter Liebhaber;-) Das kann man alles so sehen + ich finde auch, das RUNRIG bei aller Liebe zum bestehenden Material, wieder was Neues wagen! sollten. Aber wer in so einer Liga spielt hat es eben auch schwer, es allen Recht zu machen. Ich begleite die Band auch schon über Jahrzehnte + finde die Menschen + Musiker weiterhin einfach klasse. So gesehen macht das vorliegende Album mir einfach Spaß. Die Spielfreude ist zu hören. Aber wie gesagt, mit einer anderen Brille kann ich die genannten Punkte nachvollziehen. (bis auf die Donnie Kritik - ohne ihn wäre Runrig nie soweit gekommen + ich fand es gut, ihn bei so einer Feier mit auf die Bühne zu holen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.03.2014 13:09:57 GMT+01:00
Ja, es fällt schon auf, daß da ein enttäuschter, aber waschechter Fan spricht. Aber leider kann ich deine Meinung in einigen Punkten nicht ganz teilen. Der Sound ist m.E. völlig okay, halt roher und durchaus weniger sauber als auf YOTF und DOD, aber sooo schlecht meiner Meinung jetzt auch wieder nicht. Die Gitarre hat allerdings normalerweise mehr Dampf, das stimmt auf jeden Fall!

Weiterentwicklung ist in Bezug auf Runrig immer so 'ne Sache. Nach der Wendung zum rockigeren Sound (sehr zu begrüßen!) auf "Stamping Ground" hat sich da ja nicht mehr viel getan, und ich glaub' auch nicht, daß kreativ da noch allzu viel Neues, Aufregendes kommen wird. Runrig zelebrieren halt sich selber und ihre erfolgreiche Vergangenheit, damit habe ich mittlerweile meinen Frieden gemacht. Und da freut mich die Ausgrabung von Seltenem wie z.B. "City of Lights" durchaus. Es war halt ne Nostalgie-Party, das Material von Everything You See war ja aber auf den vorangegangen Touren durchaus adäquat repräsentiert.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.03.2014 13:39:20 GMT+01:00
In einigen Punkten gebe ich dem Rezensenten recht, in andern dann auch nicht. Ich finde City of Lights beispielsweise super, von daher völlig in Ordnung dass es auf der Platte vertreten ist. Die Band hatte sicher ihre Gründe diesen Song zu spielen und andere eben nicht. Selbst bei dieser langen Spielzeit ist es wohl nicht möglich alle Fans gleich glücklich zu machen.

Auch die Kritik am Auftritt Donnies ist für mich nicht wirklich nachvollziehbar. Warum sollte er an diesem Abend nicht dabei sein? Und Qualitativer Einbruch ist dann doch ziemlich übertrieben. Donnie war doch ein sehr, sehr großer Teil der Truppe und der Songs, da ist ein Auftritt zum 40igsten doch schwer in Ordnung. So wird die Donniefanbase auch bedient.

Bei der Produktion stimme ich in Teilen zu, da war sicherlich mehr drin, gerade bei der Blu-ray ist noch Luft nach oben. Den Audiomitschnitt habe ich bisher nur über Napster gehört und fand ihn eigentlich in Ordnung. Den Plattenfirmen wird es herzlich egal sein was den Loudness War betrifft, Mp3 Player sind dann doch Generationsübergreifend, das sieht man auch auf dem Konzertmitschnitt sehr gut. Runrig und deren Musik berühren jung und alt gleichsam und verbinden diese an den Konzertabenden stark miteinander.

Einigkeit mit dem Rezensenten herscht natürlich dahingehend dass die ein oder andere neue Nummer schön und auch passend gewesen wäre. Das ganze riecht wirklich ein wenig nach Abschied nehmen, der Kreativität der einzelnen Bandmitglieder kann das fehlen neuer Songs ja nicht geschuldet sein, wie der Rezensent ja sehr richtig erwähnt, genügend Nebenprojekte sind vorhanden.

Vielleicht kommt ja aber doch noch was, ich geb die Hoffnung nicht auf

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.03.2014 15:26:57 GMT+01:00
FreakyMan meint:
Natürlich hast du völlig Recht, viele Fans - viele "Brillen, und es wird viele geben, die dieses Album ungeheuer mögen - und mit Recht. Ich finde es gut, wie unaufgeregt eine Rezension kommentiert wird, aber die familiäre Atmosphäre unter Runrig-Liebhabern macht eben auch sehr viel der Aura aus.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.03.2014 15:31:23 GMT+01:00
FreakyMan meint:
Vielen Dank für deinen sehr angenehmen Kommentar. Tja, Donnie, vielleicht bin ich deshalb so enttäuscht, weil ich ihn so guter Erinnerung, auch bei Live-Auftritten, hatte.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.03.2014 16:42:37 GMT+01:00
Für mich war der Weggang Donnies echt schwer, das war aber unbegründet, die Entwicklung der Band im Anschluss war klasse. Es hat mich aber,wie gesagt, sehr gefreut ihn wieder mal zu hören. Auch ich hab da echt ne Menge schöne Erinnerungen :)

Veröffentlicht am 14.04.2014 12:28:22 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 14.04.2014 12:36:31 GMT+02:00
ZITAT:
1.) "Konzertgänger wissen, wie Malcolm Jones die Songs tragen und aufpeppen kann. Ein solch unausgewogener Sound muss heutzutage nicht mehr sein, auch ohne Overdubs nicht. Runrig-Fans gehören nicht zu der 128-kbps-mp3-Generation, der Soundqualität einfach abgeht."

2.) "Kurzum: Lieblose Aufmachung und ärgerliche Soundqualität - Leider keine 5 Sterne. Schade, schade schade - ist es doch das vielleicht letzte Lebenszeichen der Band."

Da steckt ja in Ihrer Rezension viel Wahrheit aber auch Diskussionsbedarf !

Ich habe dieses Album bisher nicht. Überlege aber, es mir zu kaufen. Ich bin eher kein Fan, sondern Liebhaber seit "Day Of Days". Für mich eines der schönsten Konzerte im Allgemeinen. Außerdem bin ich fast ausschließlich der "Guthro-Zeit" zugetan. Ich kann also nicht mit allen Studio-Veröffentlichungen von Runrig etwas anfangen. Kenne aber Runrig selbst auch schon seit gefühlten 30 Jahren. Aber wie gesagt... Nicht immer mein Ding...

Ich honoriere zwar die alten Gründungsmusiker, aber das "neuere" so ab 1999 gefällt mir von Runrig einfach besser. Mein persönliches Highlight der Band ist "The Stamping Ground". Davon ist mir persönlich viel zu wenig auf diesem Jubiläumsalbum. Aber das wäre für jetzt mich grundsätzlich kein Problem, wenn der Rest der Songs die Bandbreite der Band weitgehend abdeckt.

Kurze Zwischenfrage: In Scandinavia ? Ein Alltime - Hit. ? Nun ja. Eine der besseren Songs auf dem letzten Album... Mehr eigentlich nicht...

Aber jetzt konkret:

Zu 1.) Sehe ich genauso ! Von dem letzten Konzertbesuch war ich sehr begeistert. Ist schon etwas über 3 Jahre her, war aber derart klasse, dass ich die Aussage zur Gitarrenarbeit absolut teile. Wäre schade, wenn man so was einfach schlecht abmischt. Das haben Runrig nicht verdient.

Zu 2.) Dass das Cover so spartanisch ausfällt, ist ebenso nicht so schön. Zu solch einem Anlass gehört mehr...

Will aber nicht meckern... Denn immerhin gibt es für recht wenig Geld drei (!) CD's !

Nur überlege ich, mir jetzt nach dieser Rezension (auf die 1 oder 2 Sterne-Schreiber gebe ich hier in diesem Fall nichts...) das Album überhaupt zu kaufen.

Vielleicht doch besser auf ein neues Studioalbum warten ? Denn ich glaube sicher nicht, dass dieses Anniversary-Konzert "das letzte Lebenszeichen" sein wird.

Oder lieber "Day Of Days" weiterhin hören (!) und sehen...
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Ort: Berlin

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