Kundenrezension

93 von 100 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Oft geistreich und amüsant, aber manchmal auch etwas konstruiert, 27. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Kunst des klugen Handelns: 52 Irrwege, die Sie besser anderen überlassen (Gebundene Ausgabe)
Während es im erfolgreichen Vorgänger um Denkfehler ging, geht es nun im aktuellen Buch um Handlungsfehler. Herr Dobelli gibt im Vorwort zu, dass man beide nicht wirklich trennen kann, so dass man das neue Buch durchaus als Fortsetzung vom Vorgänger ansehen kann. Inhaltlich könnte man die Kernthese von Dobelli wie folgt beschreiben: Wir brauchen keine zusätzliche Schlauheit, sondern nur weniger Dummheit. Der Weg des Verzichts, das Weglassen, das Reduzieren ist das, was meist den Erfolg bringt.

Oft sind es schon die Uberschriften, die den Leser direkt vom Inhaltsverzeichnis in das jeweilige Kapitel ziehen. Bei mir war das z.B. bei solchen Überschriften der Fall wie: "Warum sie Hilters Pullover nie tragen würden" oder "Warum sie ihr eigener Ketzer sein sollten." Naja, Klappern gehört zum Handwerk. Manchmal hält das Kapitel nämlich nicht ganz, was die interessante Überschrift verspricht. (aus meiner Sicht) Jedes der 52 Kapitel ist wie folgt aufgebaut: Zuerst kommt ein ganzseitiges Bild zum Kapitelthema, das schon zeigen soll, worum es geht, dann eine oft recht ungewöhnliche Überschrift (siehe oben), dann nochmal ein Untertitel, der die Überschrift näher erläutert. Es folgt der eigentliche Text, etwa jeweils 3 Seiten lang und am Schluss meist ein Fazit, dass die Grundaussage nochmal kurz zusammenfasst. Durch diesen Aufbau ist das Buch wirklich gut lesbar, manchmal aufgrund der Kürze der Kapitel vielleicht etwas zu oberflächlich.

Wie sich also so ein Kapitel liest, sei an einem Beispiel mal exemplarisch dargestellt. Die Überschrift heisst: "Warum sie ihre Schiffe verbrennen sollten". Wer damit nicht viel anfangen kann, bekommt gleich noch weitere Hinweise. Der Untertitel heisst nämlich: "Die Unfähigkeit, Türen zu schliessen", und im Bild sieht man einen Mann, der von Tür zu Tür rennt. Soll also heissen, dass man sich nicht alle Optionen offenhalten, sondern sich auf wenige festlegen sollte. Ach so, was es mit den Schiffen auf sich hat, die man selbst verbrennen soll? Der Autor führt hierzu den Konqisitor Cortes an, der im 16. Jhr mit einer Handvoll Leuten ganz Mexico eroberte. Wie er das schaffte? Indem er seine Schiffe verbrannte, sich damit jeden Fluchtweg abschnitt, und dann nur noch eine Option übrig blieb: Siegen oder untergehen.

Es gibt Kapitel, die von der Aussage total überzeugen, und den Aha-Effekt auslösen. Bei mir war das z.B. bei einem Kapitel über Motivationsverdrängung so. Da geht es also darum, dass bestimmte materielle Anreize schädlich sind, weil sie genau das Gegenteil bewirken von dem, was beabsichtigt war. Beispiel Kinderkrippe. Bei den Eltern, die ihre Kinder zu spät abholten, zum Ärger der Erzieherinnen natürlich, wurde eine Art Strafgebühr erhoben. Ergebnis: die Zahl der zu spät kommenden Eltern nahm nicht ab, sondern zu. Erklärung: Die Gebühr transformierte das Verhältnis zwischen Eltern und Krippe von einem zwischenmenschlichen, zu einem monetären. Das Zuspätkommen wird legitim, schliesslich bezahlt man ja dafür.

Manche Kapitel konnten mich aber nicht überzeugen, die Aussage wirkte konstruiert. In einem ging es etwa darum, dass es meist besser ist, auf zusätzliche Informationen zu verzichten. Der Autor nennt als Beispiel die Buchung eines Hotels im Internet. Eines gefiel ihm auf Anhieb. Dann wälzte er sich aber noch durch Dutzende Bewertungen von anderen Hotels, um dann doch wieder auf das erste zurück zu kommen. Der Autor schliesst daraus, dass eine Lawine zusätzlicher Infos nicht zu besseren Entscheidungen führt. Das mag in diesem, und manch anderen Fall sicher stimmen. Aber man kann m.E. nicht generalisieren. Um beim Beispiel Hotelbuchung zu bleiben: Wer hat es nicht schon selbst erlebt, dass er erst nach langer Suche das Traumhotel fand, und dann froh war, die Zeit investiert zu haben.

Fazit: Die Stärken des Buches sind auch gleichzeitig ein wenig seine Schwächen. Die Kapitel sind ziemlich kurz, die Aussagen recht komprimiert. Dadurch ist es gut lesbar, vielleicht aber auch ein wenig oberflächlich. Die 52 Kapitel werden dem Leser nicht alle gefallen, dies ist wohl auch von den persönlichen Vorlieben abhängig. Auf jeden Fall sind aber genug Denkanstösse dabei, so dass sich die Lektüre für jeden lohnen sollte.
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Kommentare


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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 19.12.2013 22:38:25 GMT+01:00
Albert Schlag meint:
Tolle Rezession. Sehr ausführlich. Danke
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