summersale2015 Hier klicken mrp_family studentsignup Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More beautysale UrlaubundReise Shop Kindle Shop Kindle Sparpaket SummerSale
Kundenrezension

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Was dich erhöht, was dein Gefühl von Kraft und Macht und Herrschaft vermehrt, zum Teufel, das ist die Wahrheit" (325f.)., 1. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Doktor Faustus: Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn erzählt von einem Freunde. Roman (Literatur) (Taschenbuch)
"Doktor Faustus" erzählt die Geschichte eines Paktes, eines Paktes zwischen dem genial veranlagten Komponisten Adrian Leverkühn und dem Teufel, der es ihm erlaubt, im quasi orgiastischen Zustand ein Meisterwerk nach dem anderen zu kreieren. Der zu zahlende Preis ist hoch: "Du darfst nicht lieben" (334). Erzähler des Romans ist der Humanist und Freund Leverkühns seit Kindestagen Serenus Zeitblom, ein bodenständiger Lehrer der Altphilologie. Doch Zeitblom thematisiert nicht nur die Tragödie seines Freundes zwischen den Jahren 1885 und 1940, sondern ebenso die Tragödie seiner Zeit, der Zeit der Niederschrift seines Berichts, welche am 23.5.1943 beginnt. In Einschüben kommentiert Zeitblom die zeitpolitische Situation und ergeht sich in düsteren Vorahnungen: "Es ist aus mit Deutschland, wird aus mit ihm sein, ein unnennbarer Zusammenbruch, ökonomisch, politisch, moralisch und geistig, kurz allumfassend, zeichnet sich ab, - ich will es nicht gewünscht haben, was droht, denn es ist die Verzweiflung, ist der Wahnsinn" (234).

Ist der Roman schlussendlich nur eine Metapher? Steht Leverkühn, das künstlich-geistige Genie, stellvertretend für das deutsche Volk, welches sich, gelockt durch das Versprechen von Größe und Ruhm, dem Satan aus Braunau am Inn anvertraut hat? Der Text bietet hierfür einige Anhaltspunkte, so zum Beispiel Leverkühns Bericht über seine erste Begegnung mit einer Dienerin des Teufels in Gestalt einer Prostituierten, den Zeitblom, sofern wir seinen Worten glauben schenken dürfen, nach dem Tod Leverkühns in dessen Nachlass vorfand: "Neben mir stellt sich dabei eine Bräunliche [...] Esmeralda, die streichelt mir mit dem Arm die Wange" (192). Die Betonung liegt hier wohl auf "Bräunliche".

Brillanter Höhepunkt des Romans ist Leverkühns Gespräch mit dem Leibhaftigen höchstselbst, in dem der Pakt geschlossen wird, dem ein philosophisches Duell auf höchstem Niveau vorangeht. Auch diesen Teil seines Berichtes hat Zeitblom nach eigenen Angaben dem Nachlass des Freundes entnommen. Zunächst die Existenz seines diabolischen Gegenübers leugnend, kontert dieser: "Du siehst mich, also bin ich dir. Lohnt es zu fragen, ob ich wirklich bin? Ist wirklich nicht, was wirkt, und Wahrheit nicht Erleben und Gefühl? Was dich erhöht, was dein Gefühl von Kraft und Macht und Herrschaft vermehrt, zum Teufel, das ist die Wahrheit" (325f.). Stärke und Macht gleich Wahrheit; dieses Credo hat auch der Bräunliche aus der österreichischen Provinz gepredigt.

Doch tut man dem Roman unrecht, würde man ihn nur auf diese Parallelen hin betrachten. Thomas Mann hat die deutsche Sprache auf ein Niveau gehoben, welches bis dato nie erreicht wurde und wohl auch nie mehr erreicht werden wird. Allein seine Darlegungen der Leverkühnschen Kompositionsart, angelehnt an die Zwölftonmusik Arnold Schönbergs, sind atemberaubend. Man hat zeitweise wirklich das Gefühl, die beschriebene Musik, das Ineinandergleiten der Töne, hören zu können.

Unerreicht bleibt auch Manns Fähigkeit, die Charaktere seiner Romane gleichsam nachfühlbar und miterlebbar zu charakterisieren, so dass beim Lesen greifbare Bilder in der Vorstellung des Lesers entstehen. Vorbildlich gelungen ist dies bei Nepomuk, Leverkühns von allen geliebter Neffe, "ein Elfenprinzchen" mit seiner "zierlichen Vollendung der kleinen Gestalt mit den schlanken, wohlgeformten Beinchen; der unbeschreibliche Liebreiz des länglich ausladenden, von blondem Haar in unschuldiger Wirrnis bedecktem Köpfchens, dessen Gesichtszüge, so kindlich sie waren, etwas Ausgeprägt-Fertiges und Gütiges hatten, sogar der unsäglich holde und reine, zugleich tiefe und neckische Aufschlag der langbewimperten Augen von klarstem Blau" (608f.). So zum Leben erweckt, ergreift das tragische Schicksal des Kindes, welches Zeitblom vom ersten Kapitel an andeutet, umso mehr.

Und am Ende der Aufzeichnungen, mehr als fünf Jahre nach dem Tod Leverkühns, steht auch das Ende all dessen, wofür unser humanistischer Bildungsbürger in seinem Leben gestanden hat. Nicht so sehr der Zusammenbruch des Nazi-Regimes, welchen er eher begrüßt, sondern der absolute moralische Ruin, der für immer mit der deutschen Nation verbunden bleiben wird: "Man nenne es finstere Möglichkeiten der Menschennatur überhaupt, die hier zu Tage kommen, - deutsche Menschen, Zehntausende, Hunderttausende, sind es nun einmal, die verübt haben, wovor die Menschheit schaudert, und was nur immer auf deutsch gelebt hat, steht da als ein Abscheu und als Beispiel des Bösen" (635).

Fazit: Roman und Zeitdokument. Thomas Mann schrieb "Doktor Faustus" im amerikanischen Exil zwischen den Jahren 1943 und 1947. Ergebnis war und ist nichts weniger als ein Meisterwerk der deutschen Literatur.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 

Kommentare


Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 02.12.2007 16:39:28 GMT+01:00
weiser111 meint:
Was Du da über Manns opus maximum schreibst, klingt ja ganz so, als sollte ich's doch noch lesen... Auch wenn ich den Winter eigentlich mit was anderem verbringen wollte -- danke für den Tipp!

Veröffentlicht am 03.12.2007 00:23:51 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 03.09.2008 10:43:32 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.12.2007 14:11:04 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.12.2007 14:11:36 GMT+01:00
Danke für das Feedback!

Sicherlich enthält der Roman Elemente von Marlowes und Goethes Faust. Ein Genie, welches bereit ist, alles zu tun, um die Grenzen der menschlichen Schöpfungskraft zu durchbrechen, um Genial-Übermenschliches zu schaffen. Für mich betont Mann hier eine typisch deutsche Eigenschaft, oder zumindestens das, was lange Zeit als typisch deutsch betrachtet wurde: Die Deutschen als ein Volk der dichtenden und denkenden Künstler, die nach immer mehr streben, so dass schließlich ein gesamtes Volk bereit war, einen verhängnisvollen Teufelspakt abzuschließen.

Die Verbindung zu "The Tempest" sehe ich nicht. Prospero ist ja weder Faust, noch Teufel, sondern steht irgendwo dazwischen. Prospero wird von vielen Kritikern eher als Verkörperung des westlichen Imperialismuses angesehen, welcher sein Wertekonstrukt mit allen Mitteln den "Wilden" aufzwingen will.

MfG

M. Dienstbier

PS: Lieber kpoac, legen sie gerade eine kreative Schaffenspause ein, oder warum haben Sie jetzt seit fast drei Wochen keine neuen Rezen mehr veröffentlicht? Ich warte gespannt auf Ihre kommenden Beiträge.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.12.2007 17:51:38 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 03.09.2008 10:43:53 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 04.12.2007 22:52:29 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 03.09.2008 10:44:02 GMT+02:00]
‹ Zurück 1 Weiter ›