Fashion Sale Hier klicken reduziertemalbuecher Cloud Drive Photos yuneec Learn More sommer2016 HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Summer Sale 16
Kundenrezension

7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vollstrecker des Schicksals, 1. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Kein Land für alte Männer (Taschenbuch)
McCarthys Werk "Kein Land für alte Männer" kann man aus vielen Perspektiven lesen.
Und das wurde ja bereits ausführlich getan.

Ich möchte mich auf einen bisher noch nicht behandelten Aspekt konzentrieren.
Dazu fokussiere ich zunächst auf Anton Chigurh als eine der Schlüsselfiguren.
In diesem eiskalten Killer könnte man auch eine Personifikation von Charon sehen,
dem Fährmann, der für eine Münze die Toten zum Totengott Hades begleitet.

Auch Anton Chigurh lässt einige seiner Opfer die Münze werfen. Wie in einem
Halslöserätsel dürfen sie zwischen Kopf oder Zahl wählen. Bevor er sein
Bolzengerät ansetzt und ihnen dann das Lebenslicht bildlich gesprochen mit
einem Hochdruck-Bolzen ausbläst. Dies ist ein Gerät aus den industriellen
Schlachthöfen, das dort den "großen Hammer" ersetzt hat mit dem man die Tiere
früher mit einem Schlag vor den Kopf tötete.

"Die Etrusker kannten den Gott Charun, eine Art von Würger, von einem
schrecklichen halbtierischen Äußeren und mit einem "großen Hammer" bewaffnet,
bald in der Schlacht mordend, bald die Verstorbenen in die Unterwelt geleitend
oder Wache an der Grabespforte haltend". (Wikipedia)

In dieser Lesart eröffnet sich mir eine mysthische Dimension der Geschichte,
die auf den Seiten 231 bis 237 ihre Schlüsselszene hat. Kurz vorher ist die
rein weltliche Handlung abgeschlossen. Chigurh hatte seinem Auftraggeber das
von Moss entwendete Drogen-Geld zurückgebracht. Und eigentlich ist die
Geschichte jetzt rund und abgeschlossen.

Aber nun geschieht etwas sehr absurdes: Chigurh tötet die unschuldige Freundin
von Moss. Bevor er das tut, führt er mit ihr ein völlig verrücktes
Überzeugungsgespräch an deren Ende sie einverstanden ist zu sterben:
"Ja, sagte sie schluchzend. Das versteh ich. Wirklich. Gut, sagte er.
Das ist gut. Dann erschoss er sie." Seite 237 rororo-Taschenbuchausgabe.

Chigurh deutet sich selbst als Vollstrecker höherer Schicksalsmächte '
er sagt zu Carla Jean "Es lag nicht in meiner Hand. Jeder Augenblick im
Leben bildet eine Abzweigung, und jeder verlangt eine Entscheidung.
Irgendwo haben Sie eine Wahl getroffen. Aus der sich alles bis hierher
ergeben hat. Da wird peinlich genau Buch geführt. Die Form ergibt sich.
Keine Linie lässt sich ausradieren. (....) Der Weg eines Menschen durch
die Welt ändert sich selten, und noch seltener ändert er sich abrupt.
Und die Form Ihres Weges war von Anfang an sichtbar." Seite 236, ebda.

Mit anderen Worten: "Du hast irgendwo die Entscheidung gefällt, die
nun Ursache ist für deinen Tod." Hier macht er aus seinem Opfer einen Täter.
Einen Selbstverursacher.

"Ich hab es kommen sehen, sagte die Mutter (Carla Jeans Mutter) Ich habe es
schon vor drei Jahren gesagt." (Seite 183) Sie bezieht sich dabei auf den
Mann Moss mit dem ihre Tochter seit drei Jahren verheiratet ist. Als sei er
die "Entscheidung" gewesen, die nun zu all den Komplikationen in ihren Leben
führt - nach dem Motto "Mit gegangen, mit gehangen."

Carla Jeans Entscheidung mit Moss zu gehen, ist auch eine Entscheidung
seinen Schicksalsweg zu teilen. Er kam in ihr Leben wie ein Schicksalsbote,
auf den sie gewartet hatte. Zu dem sie damals ja sagte. Muss sie jetzt ihr
"ja" wiederholen? Wer A sagt muss auch B sagen. Wenn man sich die "schicksalshafte
Textstelle" noch mal zu Gemüte führt, liest man auf Seite 122, wo Carla Jean
gerade dem Polizisten Ed Tom Bell erläutert wie sie Moss kennengelernt hat:
"(....) er hat mich angeschaut und gefragt: Wann machen Sie Schluss? Und das
war's auch schon. Ich (Carla Jean) hab nicht den geringsten Zweifel gehabt.
Damals nicht, heute nicht, überhaupt nie."

Kurios, dass Moss gleich zu Beginn die Frage nach dem Schluss stellt.
Aber das ist wohl eine Spitzfindigkeit.

Jedenfalls ist die Frage nach dem geteilten Schicksal eine der
großen unbeantworteten Fragen dieses Buches. Die dem Leser noch
in einem anderen Zusammenhang präsentiert wird. Als Gewissensfrage,
die Ed Tom Bell mit sich herumschleppt wie eine Stahlkugel.

In seiner Zeit als GI im Kampf gegen die Nazis hatte Bell seine sterbenden
Kameraden in einer tödlichen Situation zurückgelassen. Und für einen
anderen Aspekt dieser gleichen Situation auch noch einen Heldenauszeichnung
erhalten. Auch er war mitgegangen. Aber er ist den Schicksalsweg, der ihn
zusammen mit seinen Kameraden in den sicheren Tod geführt hätte, nicht
mitgegangen. Diese Entscheidung zermürbt sein ganzes Leben. Es ist als
"hätte er sich sein eigenes Leben gestohlen." Seite 255 Und lässt sich
mit dem was dann von einem noch übrig bleibt noch etwas eigenes machen?
Nein, sagt Ed Tom Bell auf Seite 255 Er hat "das beste draus gemacht,
aber es war trotzdem nicht meins. Ist es nie gewesen." Seite 255

Welche Entscheidungen sind die richtigen, welche die falschen? Und vor
allem: wer entscheidet über richtig und falsch, gut und böse? Chigurh,
der wie ein Geist auftaucht und verschwindet, richtet nicht jede Entscheidung.
Ed Tom Bell entgeht ihm nur knapp. Im Film der Coen-Brothers viel knapper
noch als im Buch.

Unterm Strich: was ist gut, was ist böse, was ist Schuld, was die richtige
und was ist die falsche Entscheidung das sind allesamt Fragen, die sich
nicht so einfach beantworten lassen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

Schreiben Sie als erste Person zu dieser Rezension einen Kommentar.

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
  [Abbrechen]


Details