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Kundenrezension

27 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Plädoyer für den Wolf in Wort und Bild, 4. Februar 2005
Rezension bezieht sich auf: Wölfe in Deutschland (Gebundene Ausgabe)
Groß ist die Aufregung in Sachsen und ganz Deutschland, als am 30. April 2002 der Schäfermeister Frank Neumann auf einer Weide am Rande des Örtchens Mühlrose fünfzehn Schafe mit durchgebissener Kehle findet. Drei weitere sind so schwer verletzt, dass sie getötet werden müssen, von neun anderen fehlt jede Spur. Für das Bundesforstamt steht nach Untersuchung der Bisswunden eines fest: Sie stammen von Wölfen! Wölfe in der Oberlausitz?
Sofort prangen von der „BILD" bis zum „Spiegel" hysterische Überschriften: „Ein ganzes Dorf in Angst", „Lausitz zittert vor den Wölfen", „Grausiges Schweigen der Lämmer", ...
Es gibt aber auch besonnene Journalisten, die gemeinsam mit dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) eine Wolfs-Doku für die populäre Sendereihe „Expeditionen ins Tierreich" entstehen lassen. Über dieses idealistische Unterfangen berichtet das vorliegende Buch, ebenso wie über den unermüdlichen Einsatz zweier „Wolfsfrauen", die ihre Arbeit und Freizeit fast gänzlich dem Überleben der Spezies Canis lupus in Sachsen verschrieben haben. Es sind dies die Biologinnen Gesa Kluth und Ilka Reinhardt.
Nach dem Vorfall mit den 27 toten bzw. verschwundenen Schafen scheint die Waage zu Lasten der Wölfe zu kippen. Es kommt sogar noch schlimmer, als durch weitere sechs gerissene Tiere die Zahl der toten Schafe auf 33 steigt. Gesa Kluth wird vom Landwirtschaftsministerium als Expertin einberufen, um mit den Schäfern zu reden, Lösungskonzepte zu erarbeiten. Ein Managementplan kommt auf den Tisch.
Gesa hat mit allerlei Unbill zu kämpfen. Dubiose Bürgerinitiativen fordern „Wölfe zurück nach Sibirien!" bzw. wird der Abschuss der Muskauer Wölfe beantragt. Hinzu kommt, dass im Laufe der nächsten zwei Jahre die meisten Welpen sterben oder einfach verschwinden. Zu allem Überdruss paart sich Wolf mit Hund, ein Hybridrudel ist die Folge, welches in einen Naturpark verfrachtet wird, um einer weiteren „Verhundung" der eingewanderten Wolfspopulation entgegenzusteuern. Gesa und Ilka betreiben Feldforschung, halten Infoveranstaltungen und Camps ab, stehen den Medien bereits und müssen mit den Schäfern Strategien entwickeln. Gesa Kluths Maxime: Wölfe können nur dann nachhaltig geschützt werden, wenn die Menschen vor Ort sie tolerieren.
Gesa Kluth erklärt der Öffentlichkeit, dass Wölfe keine „blutrünstigen Mörder", sondern einfach nur Wildtiere sind, die gemäß ihrem biologischen Inventar leben und jagen. In freier Wildbahn laufen Beutetiere weg, sobald sie Beutegreifer bemerken. Wer nicht fliehen kann, dient Wolf und Co. als Nahrung. Wölfe jagen schnell und effektiv. Daher kann es vorkommen, dass sie viel Beute auf einmal schlagen (wie im Fall der Schafe von Mühlrose); schließlich haben Wildtiere keine geregelten Mahlzeiten und wissen nie, wann wieder die Chance besteht, satt zu werden. „Ein ungeschütztes Schaf ist einfach ein zu verlockendes Angebot, das kein Raubtier ausschlägt", sagt Kluth. Und: Hatte die Jagdmethode Erfolg, wird sie von den Wölfen wiederholt. Deshalb lässt Gesa die Schäfer Elektrozäune errichten und Leinen mit bunten Lappen um die Schafweide spannen. Seit Jahrhunderten ist bekannt, dass Wölfe diese wehenden Stofffetzen fürchten und nur äußerst selten „durch die Lappen gehen" (ein Sprichwort von der unrühmlichen Treibjagd auf Wölfe herrührend). Im April kommt auf Initiative der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe willkommene Verstärkung durch die Pyrenäenberghunde „Falko" und „Dux" hinzu. Was es mit diesen Herdenschutzhunden Besonderes auf sich hat, gibt das Buch preis. Ebenso, worin der Vorteil von Tieren dieser Rassen gegenüber Hirtenhunden liegt.
Was „Wölfe in Deutschland" sicher nicht sein will, ist eine wissenschaftliche Abhandlung. Das illustriert schon die Tatsache, dass im Buch etwas „gemogelt" wurde, was die Bildauswahl betrifft: Viele der wunderbaren Aufnahmen zeigen nordamerikanische, nicht osteuropäische Wölfe. Das sei Autorin Beatrix Stoepel verziehen. Denn sie hat ein Plädoyer der Toleranz für den Wolf gehalten, dem in unserer Kultur tief sitzenden Klischee von der Bestie ein wichtiges Stückchen entgegengesteuert - und hervorgehoben, dass Canis lupus eine wertvolle Bereicherung des Ökosystems und nicht eine Bedrohung für den Menschen darstellt.
Wenn Sie nun eine Parteilichkeit des Rezensenten zu Isegrims Gunsten wittern, trügt Sie ihre Nase nicht; ja, der Rezensent wünscht sich sogar, dass viele seiner Artgenossinnen und Artgenossen ebenfalls klar Partei für den Wolf ergreifen. Nur gemeinsam kann das negative Zerrbild dieser hoch interessanten, sozialen Spezies gerade gerückt und ihr Fortbestehen gesichert werden. Denn eines nicht zu fernen Tages werden Wolfsfamilien auch in Österreich wieder Quartier beziehen. Und was ist besser, als anderswo begangene Fehler nicht zu wiederholen. Heißen wir die wölfischen Ankömmlinge willkommen ... !
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