7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Feel it! - Read it!,
13. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Feel it!: So viel Intuition verträgt Ihr Unternehmen (Gebundene Ausgabe)
Feel it - Read it!
Andreas Zeuch erklärt in seinem Buch "Feel it! So viel Intuition verträgt ihr Unternehmen", warum die Intuition in der Wirtschaft von wesentlicher Bedeutung ist. Der Grundgedanke des Autoren ist, dass es irrational ist, das Irrationale, das Nicht-Beschreibbare, das Nicht-in-Zahlen-Ausdrückbare, das oft auch nicht eindeutig Erklärbare, sprich das Intuitive aus dem Wirtschaftsleben auszublenden.
Er baut eine schlüssige und in sich stimmige Argumentation rund um diesen Grundgedanken auf. Er verdeutlicht sein Verständnis mit eindringlichen Beispielen und untermauert seine Argumentation mit wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Beim Lesen der ersten Hälfte des Buches drängte sich mir die Frage auf, warum die Intuition - so wie Andreas Zeuch es vorschlägt - nicht eine breitere Anwendung im wirtschaftlichen Handeln und in der Ausbildung erfährt. Die Antwort auf diese Frage gibt der Autor im Laufe des Buches indirekt selbst. Er macht den professionellen Umgang mit Intuition von zwei wesentlichen Aspekten abhängig.
Der individuelle Mensch als (auch) intuitives Wesen
Zum einen braucht es für den professionellen Umgang mit Intuition ein Individuum, das sich seiner nicht-rationalen Teile bewusst ist und achtsam mit den oft irrationalen Elementen seiner Weltsicht umgeht. Sprich es braucht einen neugierigen, lernbereiten, "durchlässigen" Menschen, der sich sowohl als Gestalter seiner Welt als auch von der Welt gestaltet versteht. Um es mit den Worten des Autoren auszudrücken: "Wer wirklich denkt, erkundet auch gedankliches Neuland. Wer wirklich denkt, bestellt nicht seinen eigenen geistigen Schrebergarten. Wer wirklich denkt und dem Denken Ehre macht, denkt auch über sein eigenes Denken nach. Wir sind nur dann rationale Denker, wenn wir unsere eigenen mentalen Modelle reflektieren. (S. 140)"
Damit stellt der Autor den selbst denkenden, den selbständigen und eigen-artigen Menschen in das Zentrum seiner Überlegungen. Was bleibt ihm auch anderes übrig, wenn sein Thema die Intuition ist? Das Problem dabei ist nur, dass diese Form von Wissen mit dem heutigen Verständnis nicht gelehrt oder gelernt werden kann. Diese Form von Wissen ist nicht vermittelbar, es kann nur - im wahrsten Sinne des Wortes - er-fahren(!) werden. Es kann auch nicht standardisiert werden und dem zu Folge auch nicht geprüft, geschweige denn zertifiziert werden. Es entzieht sich der neoliberalen Vorstellung von Wert - es lässt sich einfach nicht zählen. Wir wissen nicht, was dabei herauskommt - nahezu ein ketzerischer Gedanke in unserer Zeit.
Die kulturellen Voraussetzungen für intuitives Wirtschaften
Weiters braucht es eine neue "Kultur des Wirtschaftens", das den intuitiven Anteil am Individuum selbst, an der Kommunikation und an der Entscheidung akzeptiert. Diese neue Kultur schafft einen Raum, in dem professionell und im Sinne des Unternehmenszwecks die Intuition der in dem Unternehmen handelnden Individuen in das gemeinsame wirtschaftliche Handeln einfließen kann. Als Basis für diesen "Kulturwandel" schlägt Andreas Zeuch auf Seite 198 folgende grundlegende Prinzipien
Anfängergeist - das Gegenteil zur Spezialisierung
Selbstorganisation - das Gegenteil zu Hierarchie
Fehlerfreundlichkeit - das Gegenteil zur Standardisierung
Möglichkeitsräume - das Gegenteil zu Planung und Steuerung
Vertrauen - das Gegenteil zum Primat der extrinsischen Motivation
vor.
Diese Zuwendung zum Menschen und die "neue Kultur des Wirtschaftens" sind Grundvoraussetzung für ein intuitives Wirtschaften und erklären auch, warum professionelle Intuition noch keine breitere Anwendung in unserem Wirtschaftsleben gefunden hat. Diese Gedanken widersprechen dem, was bislang in den meisten Unternehmen gelebt und an fast allen Unternehmen gelehrt wird. Dabei denkt der Autor nur das konsequent zu Ende, was vielerorts als Unbehagen wahrgenommen und beschrieben wird. Er nennt das beim Namen, an dem wir als Gesellschaft und als Individuen unter dem heutigen Verständnis von Wirtschaft leiden.
Er bietet einen Ausgang an, der auf den ersten Blick einen schmerzhaften Paradigmenwechsel darstellt. Aber ist er wirklich so schmerzhaft. Ich verstehe das Buch als berechtigte Forderung, uns auch in der Wirtschaft als mehrdimensionale Menschen und als individuelle Persönlichkeiten zu verstehen, wahrzunehmen und uns entsprechend zu begegnen, sprich zusammenzuarbeiten. Warum sollen auch in der Wirtschaft, die immer mehr von der Kreativität, vom Unternehmergeist, von der Kommunikationsfähigkeit, von der Motivation und von der Selbständigkeit der Akteure abhängig ist, andere "Gesetze" herrschen als im zwischenmenschlichen Bereich des Alltagslebens. So verstanden wäre es weniger ein schmerzhafter Paradigmenwechsel als eine "Normalisierung", wenn nicht "Gesundung" des Wirtschaftsleben, mit dem handelnden, kooperierenden und wert-schaffenden Individuum im Zentrum!
Langer Rede, kurzer Sinn - einfach ein lesenwertes, inspirierendes Buch - Read it!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?