Kundenrezension

50 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Offen, ehrlich und doch hart, 23. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Als ich unsichtbar war: Die Welt aus der Sicht eines Jungen, der 11 Jahre als hirntot galt (Taschenbuch)
Mein Umriss:

Durch eine rätselhafte Krankheit war Martin Pistorius im Alter von 12 Jahren ins Wachkoma gefallen. Von den Pflegekräften im Tagespflegeheim als leere, gefühllose Hülle betrachtet, ist er jedoch geistig hellwach. Aber er kann sich nicht bemerkbar machen. Sein Körper ist vollständig gelähmt. Somit muss er vieles über sich ergehen lassen. Mitunter auch Misshandlungen von frustrierten Pflegekräften, die keinerlei Rücksicht auf sein Wohlbefinden nehmen. Er wird zu heiß gebadet, wird mit ekligem Essen, das auch zu heiß ist gefüttert. Erbricht er sich vor Ekel, so wird darauf keine Rücksicht genommen. Nein, er wird weiter gefüttert. Auch sexueller Missbrauch ist in einem Pflegeheim auf dem Land an der Tagesordnung, wo er hingebracht wird, wenn seine Eltern Urlaub brauchen.
Bis zu dem Tag, als Virna im Tagespflegeheim auf ihn aufmerksam wird. Von ihr fühlt er sich gut behandelt. Sie geht rücksichtsvoll mit seinen schmerzhaft verformten Gliedmaßen um, macht vorsichtige Gymnastikübungen mit ihm und massiert seine verkrampften Muskeln. Und sie sieht in ihm einen lebenden Menschen.
Sie will ihm helfen und bittet seine Eltern, mit ihm einen Test seiner kommunikativen Fähigkeiten zu machen. Dort wird festgestellt, dass er zwar körperlich zu keiner Leistung in der Lage ist, aber sein Gehirn in einem sehr wachen und aufnahmefähigen Zustand ist.
Somit tun seine Eltern alles dafür, dass er in Zukunft wenigstens auf irgendeine Art und Weise kommunizieren kann. Seine Sprache und seine Beweglichkeit werden wohl nie wieder zurück kehren. Aber er soll sich mitteilen können. Martin macht so große Fortschritte mit seiner Kommunikation per Laptop und Buchstabiertafel, dass er sogar seinen Hochschulabschluß macht und in ein Forschungsprojekt zum Thema Kommunikation von und mit Behinderten aufgenommen wird und dort als vollwertiges Mitglied unter den Kollegen angenommen wird.
Innerhalb kürzester Zeit kann er sich per Laptop und Buchstabiertafel unterhalten, hält diverse Vorträge und versetzt sein Umfeld immer wieder in Staunen.
Auch seine körperlichen Fähigkeiten bessern sich im Laufe der Zeit, sodass er kleine Dinge selbst erledigen kann, wenn ihm jemand bei den Vorbereitungen dazu behilflich ist.
Über seine Schwester lernt er Joanna kennen und lieben. Er heiratet sie sechs Jahre nach seinem Erwachen aus dem Koma und heiratet sie. Seinen Lebensunterhalt verdient er inzwischen als erfolgreicher Webdesigner.

Mein Eindruck:

Denke nie dass Menschen im Koma leere Hüllen sind.
Noch ist nicht wirklich erforscht, was Menschen erleben und von ihrem Umfeld mitbekommen, wenn sie im Koma oder im Wachkoma liegen. Aber Martin Pistorius erzählt, wie es ihm erging und was er in dieser Zeit erlebte. Keineswegs geistig weggetreten mußte er zahlreiche Demütigungen über sich ergehen lassen, ohne sich zur Wehr setzen zu können.
Hätten die Pflegekräfte gewusst, was er mit seinem wachen Verstand mitbekommt, dann kann man davon ausgehen, dass sie sich so manche Schikane mehrfach überlegt hätten.
Martin Pistorius beschreibt seinen Zustand im Wachkoma mit nüchterner Klarheit, auch seine Ängste, seine negativen und positiven Gefühle während dieser Zeit stellt er realistisch nachvollziehbar dar. Seine Liebe zu Joanna, als sie langsam erwacht und immer stärker wird und an der er so lange zweifelte, beschreibt er sehr intensiv. So intensiv wie es wohl nur ein Mensch kann, der nie mit einer solchen Liebe gerechnet hat.
Die Geschichte von Martin Pistorius regt zum Nachdenken an und lässt hoffen, dass sie auch von Menschen gelesen wird, die Leuten wie ihm eher ignorant oder süffisant grinsend gegenüber stehen. Sei es aus Unsicherheit oder reiner Dummheit.
Die Geschichte eines Jungen Mannes, dessen Leben beinahe mit 11 Jahren geendet hätte, wären da nicht die richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle gestanden.

Mein Fazit:

Die Geschichte eines jungen Mannes, der früh aus dem Leben gerissen wurde und es trotzdem wieder zurück geschafft hat. Ein Buch, das man gelesen haben muss.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 17.12.2013 02:28:47 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 17.12.2013 02:29:40 GMT+01:00
Echo 1954 meint:
Es gibt inzwischen die Möglichkeit, mit Locked-In-, auf Deutsch: Wachkoma-Patienten, zu kommunizieren. Und zwar mittels Elektroden, die die Hirnströme ableiten. Es gibt auch schon Bücher von solchen Patienten. Wenn sie liebevoll behandelt werden, geht es ihnen gut.
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