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Aktuell wie eh und je!,
10. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Franz Kafka Gesamtwerk - Neuausgabe: Der Verschollene: (Amerika) Roman (Taschenbuch)
Der junge und naive Karl Roßmann, von seinen Eltern gewissermaßen verstoßen und in die USA geschickt, tappt im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" von einer Enttäuschung in die nächste ...
Das Romanfragment behandelt typische Kafka-Themen: Vater-Sohn-Konflikt, Hilflosigkeit, Fremdheit, Einsamkeit, Isolation. Es bildet aber eine Ausnahme in der Hinsicht, dass hier am Schluss so etwas wie Hoffnung aufschimmert (laut Max Brod hatte Kafka sogar eine fast märchenhafte Wendung des Geschehens geplant). Allerdings, dies sei erwähnt, darf dieser "Hoffnungsschimmer" auch kräftig hinterfragt und gänzlich anders ausgelegt werden.
Besonders hervorzuheben ist die erzählerische Raffinesse, mit der Kafka seinen Protagonisten wie einen Flipperball durch das Geschehen taumeln lässt. Oft scheint der Plot - jedoch ohne jemals gänzlich aus dem Blick zu geraten - nur den Zweck zu haben, Aufhänger für minutiöse und mikroskopisch genaue Beschreibungen der amerikanischen Zustände und Verhältnisse (hinsichtlich Zwischenmenschlichem, Arbeits- und Lebensbedingungen usw.) zu sein. Fantastisch!
Was mir an dieser Erzählung - wie auch an so ziemlich allen anderen Werken Kafkas - besonders gefällt, ist die Tatsache, dass das Romanfragment eine existenzialistische Deutung zwar nicht aufzwingt, aber auf jeden Fall zulässt. Albert Camus und Sisyphos lassen freundlich grüßen.
Alles in allem über ein rein historisches Literaturinteresse hinaus auch heute noch lesenswert? Na aber!
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