Kundenrezension

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr gutes Spiel mit sehr starken Schwächen, 13. Januar 2007
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Star Wars - Knights of the Old Republic 2: The Sith Lords (Videospiel)
Für "Knights of the old Republic II - The Sith Lords" (kurz KotOR2) zeichnet diesmal Obsidian Entertainment verantwortlich, das diesen Titel in Zusammenarbeit mit LucasArts entwickelt hat. Und um eines gleich vorwegzunehmen: KotOR2 ist ein sehr gutes Spiel, dass wie der Vorgänger förmlich die Hände wie Sekundenkleber an den Controller klebt. Dennoch setzt nach dem Durchspielen ein unbestimmtes Gefühl fehlender Befriedigung ein. Wie kommt das?

Technisch basiert KotOR2 stark auf dem nur ein Jahr älteren Originaltitel Knights of the Old Republic. Steuerung und Spielablauf sind gleichgeblieben: das Spiel basiert auf dem d20-Regelwerk, man wählt aus drei (Jedi-)Klassen und erstellt einen Charakter, den man mit bis zu zwei von zehn möglichen computergesteuerten Mitstreitern durch unterschiedliche Welten, Dialoge und taktikbasierte Kämpfe steuert.

Es gibt einige kosmetische Änderungen an den Menüschirmen und Speicherständen. Spieltechnisch kam einiges hinzu: Labortische erlauben die Erstellung von Heilmitteln, Granaten und ähnlichem. An Werkbänken lassen sich nun Erweiterungen für Waffen, Rüstungen und Lichtschwerter bauen. Letztere können nun auch durch Energiezellen, Linsen und so weiter aufgerüstet werden. Es sind neue Gegenstände, Talente und Machtfähigkeiten hinzugekommen, ferner kann man im späteren Verlauf des Spiels eine von sechs Prestigeklassen wählen. Gruppenmitglieder reagieren nun auf das Spielerverhalten, entsprechend gewinnt oder verliert man Einfluss, gegebenenfalls folgen sie dem Hauptcharakter zur hellen oder dunklen Seite und lassen sich sogar in Machtfertigkeiten ausbilden.

Die Handlung setzt fünf Jahre nach den Ereignissen des Vorgängers (den man nicht gespielt haben muss) an und damit immer noch viertausend Jahre vor den Star Wars-Filmen: nachdem T3-M4 die schwer beschädigte, antriebslos durch den Raum treibende Ebon Hawk auf Vordermann gebracht hat (was gleichzeitig als Tutorial für Neueinsteiger dient), sitzt der Spielercharakter, machtunempfänglich, ausgestoßen und trotzdem letzter bekannter Jedi, auf einer Minenkolonie fest, deren Besatzung durch eine Anzahl unerklärlicher Unglücke ums Leben gekommen ist. Die Sith interessiert das wenig, und die Kopfgeldjäger, die das enorme Preisgeld auf seinen Kopf eintreiben wollen, ebenfalls nicht. Der Bösewicht des Vorgängers ist untergetaucht, je nach vom Spieler gewähltem Pfad (KotOR2 greift nicht auf ältere Spielstände zurück; stattdessen muss der Spieler entsprechende Angaben früh im Spiel durch mehr oder weniger subtil versteckte Dialogauswahlen machen) ist die Ausgangslage zu Beginn leicht unterschiedlich. Jedenfalls ist der Jedi-Orden de facto aufgelöst, die Meister verschwunden und die Republik steht immer noch beziehungsweise schon wieder am Rande des Abgrunds.

Bei dem folgenden Unterfangen, die eigene Vergangenheit rund um die mandalorianischen Kriege sowie den Verlust der Macht zu entschlüsseln und das Schicksal der Jedi zu ergründen, gerät der Spielercharakter dabei in einen Strudel aus Machtmystizismus, Sithethik und Jedimoral, während er sich in Drogenhandel einmischt, Masterpläne galaktischen Ausmaßes aufdeckt und die eigene, dunkle Vergangenheit preisgibt.

KotOR2 wirft in einem Ausmaß mit philosophischen, Matrix-esquen Sprüchen um sich, wie es selbst das Gesamtwerk Nietzsches nicht schafft. Leider bleiben auch zahlreiche unbeantwortete Fragen. Das Warten auf einen enthüllenden Moment ähnlich dem des Vorgängers wird nicht belohnt, stattdessen gibt es einen Ausblick, was von KotOR3 zu erwarten sein könnte. Es gibt viele - fast schon zu viele - Schnittstellen zum ersten Teil: außer dem bereits erwähnten T3-M4 und einigen mit der Zeit veränderten Schauplätzen trifft man noch auf zahlreiche andere alte Bekannte und sieht viele Dinge, die in KotOR nur erwähnt werden.

Leider strotzt KotOR2 vor Programmfehlern. Den Entwicklern ist es nicht gelungen, die abnorme Anzahl an Handlungsmöglichkeiten, Lösungswegen und Ereignisreihenfolgen zu bändigen. Das führt dazu, dass man Charakteren wiederbegegnet, die man schon getötet und mit Informationen hantiert, die man noch gar nicht erhalten hat. Zudem kann das Spiel an mehreren Stellen unvorhersehbar unbeendbar werden, etwa indem der Spieler zu einem falschen Zeitpunkt eine Konsole zerstört, die später noch gebraucht wird. Manche Quests kann man erledigen, bevor man den entsprechenden Auftrag überhaupt erhält - das Spiel merkt das allerdings nicht und erteilt später einen unlösbar gewordenen Auftrag.

Die Wegfindungsalgorithmen sind noch schlechter als im Vorgänger: Gegner bleiben regelmäßig hängen oder finden kein Ziel, weil sie hinter einem winzig kleinen Hindernis stehen. An mehreren Stellen können unendlich Macht- und Erfahrungspunkte sowie Geld gewonnen werden.

Paradoxerweise ist KotOR2 trotz identischem Spielprinzip und nur moderaten Neuerungen sehr weit vom Vorgänger entfernt. Um es deutlich zu sagen: es ist kein zweiter Teil mit neuer Handlung, bei dem sonst alles beim alten geblieben ist. Dies liegt vor allem daran, wie die außerordentlich dunkle, pessimistische und depressive Handlung über die Selbsterkenntnis des Spielercharakters präsentiert wird. Bei näherer Betrachtung stellt man nämlich fest, dass Obsidian praktisch alles anders gemacht hat, was man hätte anders machen können:

Bei KotOR wird das Geschehen stets vom Informationsstandpunkt des Hauptcharakters aus geschildert (was den wesentlichen Reiz der Handlung erst ermöglicht). In KotOR2 verfügt dieser bereits über alles Wissen und die Spannung der Handlung entwickelt sich daraus, all das dem Spieler vor der Konsole zu enthüllen und zu interpretieren.

Ähnlich verhält es sich bei der Spielkontrolle: in KotOR steuert man den Hauptcharakter, Zwischensequenzen illustrieren dessen Erlebnisse. In KotOR2 übernimmt man öfters auch die Rolle von Nebencharakteren, Zwischensequenzen informieren den Spieler über Vorgänge, die der Spielercharakter häufig schon weiß oder viel später erfährt.

Dreh- und Angelpunkt der Handlungsinitiative ist bei KotOR der Spielercharakter. Er ist der eigentliche Held, ohne den nichts geht. Bei KotOR2 hingegen bestimmt ein NPC-Charakter, wo's langgeht.

Baut man in KotOR systematisch eine Gruppe um den Hauptcharakter auf, die diesen bis zum Ende begleitet, so verliert man in KotOR2 besagte Gruppe praktisch genau dann, wenn man sie zusammengesammelt hat ' so einem dies überhaupt gelingt.

Obsidian Entertainment hat sich offensichtlich bemüht, einen guten Nachfolger zu produzieren, der auf eigenen Füßen steht, und entsprechend gute Anlagen trägt das Spiel in sich. Ihm wurde in der Entwicklung wie so oft aber nicht die Zeit eingeräumt, ein sehr gutes Spiel zu werden. Was kreative Entscheidungen angeht, ist viel von dem, was im Vorgänger goldrichtig gemacht wurde, anders gelöst worden - ob das nun gut oder schlecht ist, darüber kann man streiten. Unleugbar sind jedoch die unübersehbaren technischen Probleme und die dilettantisch durchgeführten inhaltlichen Kürzungen. Wem solche Fehler den Spielspaß vergällen, der sollte KotOR2 links liegen lassen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

Schreiben Sie als erste Person zu dieser Rezension einen Kommentar.

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 


Details

Artikel

4.1 von 5 Sternen (25 Kundenrezensionen)
5 Sterne:
 (12)
4 Sterne:
 (8)
3 Sterne:
 (2)
2 Sterne:
 (1)
1 Sterne:
 (2)
 
 
 
Gebraucht & neu ab: EUR 14,00
Auf meinen Wunschzettel
Rezensentin / Rezensent


Top-Rezensenten Rang: 1.590.892