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Rezension bezieht sich auf: Am Ende der Welt (Gebundene Ausgabe)
Hoch im Norden, an der sibirischen Seite der Beringstraße, wo Bednarz vor wenigen Jahren nach den Spuren der Vorfahren der nordamerikanischen Indianer gesucht hatte, entstand die Idee einer Drehreise an das südliche Ende des amerikanischen Kontinents, das die spanischen Eroberer ‚fin del mundo' nannten. Von dieser Reise nach Patagonien und Feuerland waren zum Jahreswechsel zwei sehenswerte Filme im deutschen Fernsehen zu bewundern. Passend dazu ist das vorliegende knapp 300 Seiten lange Buch entstanden, das man getrost - auch ohne vorangegangenen Filmgenuß - als gelungen bezeichnen kann.Die 19 Kapitel des Buches mit seinem geschmackvollen Umschlag enthalten die wohlformulierte Beschreibung einer abenteuerlichen Reise durch zwei Gegenden an der Spitze Südamerikas, deren Namen nicht nur Globetrotter (mit Bruce Chatwins Reiseklassiker im Gepäck) zum Träumen bringen. Patagonien mit seinen weiten Pampa - Landschaften, darin umherstreifenden Guanako - Gruppen, seinem Labyrinth aus Fjorden, Inseln und Kanälen, beeindruckenden Gebirgsformationen, schroffen Küsten und feuchtkalten Regenwäldern. Feuerland, südlich der Magellanstraße gelegen, zwischen Chile und Argentinien nicht nur in der Mitte des Beagle - Kanals aufgeteilt, mit dem allen Seefahrern bekannten auf einer Insel gelegenen südlichsten Punkt der nichtarktischen Welt, dem sturmumtosten Kap Hoorn. Doch Bednarz Buch erschöpft sich nicht darin, die trotz zahlreicher Abholzungen und - in Folge menschlichen Besitzdenkens - unvermeidlicher Stacheldrahtzäune immer noch weitgehend unberührte Natur mit ihrer faszinierenden Flora und Fauna zu beschreiben. Es gewährt dank der unschätzbaren Übersetzungshilfe einer Deutsch - Chilenin während zahlreicher Gespräche interessante Einblicke in das Leben, die Wirtschaftssituation und Befindlichkeit der Menschen vor Ort. Wo sonst erfährt man schon, daß die Männer der Insel Chiloe bei einem Monatsverdienst von € 200 zu den besten Gauchos und Schafscherern Südamerikas gehören. Ein besonderes Anliegen ist dem erfahrenen Journalisten die deprimierende Situation der Indianer nach mehr als vier Jahrhunderten der Ausrottung, Enteignung und systematischen Benachteiligung. So befragt er die Gründerin von Robin Wood, die für die Erhaltung der einzigartigen Urwälder kämpft, oder die Indianerin, mit deren Tod eine weitere indigene Sprache ausstirbt. Er bereist die Insel Dawson, auf der zu Zeiten des Pinochet Regimes ein Konzentrationslager zur Verfolgung mißliebiger politischer Gegener stand, spricht mit Chilenen über ihre Gefühlen zu diesem dunklen Kapitel chilenischer Geschichte, läßt Mönche zu Wort kommen, deren missionarische Arbeit mit dem - von weißer Seite nachhaltig betriebenen - Aussterben der Indianer hinfällig geworden ist. Fazit: Eine gelungene Mischung aus mitreißender Reisebeschreibung, unterhaltsam eingeflochtener Historiendarstellung und nachdenklich machender Politdokumentation. Lobend hervorzuheben sind drei Karten, die es dem Leser im Gegensatz zu vielen anderen Reisebüchern mühelos ermöglichen, die Reise auch geographisch mitzuverfolgen. Eigentlich gibt es zu dem Buch nur noch eine Steigerungsmöglichkeit, die eigene Reise an das ‚Ende der Welt'. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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EUR 19,90
Rezensentin / Rezensent
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