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Kundenrezension

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Prozeß - Erbauliche Beklommenheit, 3. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Process (Reclams Universal-Bibliothek) (Taschenbuch)
Einen Roman namens "Der Proceß" von Franz Kafka hat es nie gegeben. Was es gibt, und was man in Ausgaben wie dieser als einen solchen verkauft bekommt, ist ein Konvolut von Notizheftzetteln, auf denen Franz Kafka die Teile eines Romanfragments namens "Der Proceß" niedergeschrieben hat - und welche der kränkliche und zu Lebzeiten völlig unbekannte Prager Autor seinem Nachlassverwalter eigentlich testamentarisch zum Verbrennen übereignet hatte. Doch Max Brod erkannte glücklicherweise das literarische Potential des Nachlasses seines Freundes. So veröffentlichte er im Jahre 1925 erstmals den "Proceß", ohne dabei jedoch kenntlich zu machen, dass die vordergründige Abgeschlossenheit des Romans tatsächlich eine Interpretation seinerseits - und keinesfalls vom Autor autorisiert war. Editionskritisch gesehen muss somit jede Ausgabe, welche den "Proceß" kommentarlos als kompletten Roman vorstellt, ohne etwa zu bemerken, dass allein die Kapitelreihenfolge zweifelhaft und offen für Uminterpretation ist, unter ein kritisches Licht gestellt werden. Die historisch-kritische Ausgabe mit der kompletten Faksimilierung der Originalhandschriften Kafkas ist in dieser Hinsicht natürlich ein Ideal, das natürlich weder erschwinglich noch besonders lesekomfortträchtig ist. Natürlich ist es in Anbetracht dessen legitim, für den "Hausgebrauch" Leseausgaben wie die hier vorliegende zu verwenden. Man sollte dabei jedoch im Hinterkopf behalten, dass "Der Proceß" ein äußerst dynamisches Kunstwerk ist, in dem Querverweise und Episodenhaftigkeit der Kapitel dazu einladen, auch mal gegen die von Brod vorgegebene Reihenfolge zu lesen und seinen eigenen Proceß-Roman daraus zu konstruieren. Denn dieser Text, dieser "Proceß", ist einer der schönsten, den wir haben, und das verdanken wir einzig Franz Kafka, und niemand anderem.
"Der Proceß" ist dabei zunächst einmal die Geschichte eines in seiner Einfachheit und Geradlinigkeit bewundernswerten Charakters, mit Namen Josef K., der (scheinbar) zum Spielball einer obskuren Gerichtsbarkeit wird, und phasenweise dieses Verhältnis gegenüber der vollkommen gestaltlos bleibenden Macht und dem inhaltlosen Gesetz umkehrt und herausfordert. Wie aus dem Nichts verhaftet und angeklagt, sieht sich der in geregelten Verhältnissen lebende Bankangestellte einer Verkettung sich gegenseitig an Skurrilität und Exzentrik überbietender Situationen und Charaktere gegenüber, die ihn nach und nach in seinen "Proceß" einführen und ihn durch diesen begleiten, ohne ihn jedoch ansatzweise mit Inhalt zu füllen. Es gibt eine Verhaftung, aber kein Gefängnis, eine Anklage, aber keinen Tatvorwurf, viele Gerichtssitzungen, aber keinen spürbaren Fortgang des Prozesses, bis diese abstruse und beklemmende, immer in der Schwebe hängende Situation zu einem Teil von Ks Leben word, welchen dieser sich bei genauer Betrachtung in durchaus positivem Sinne zu eigen macht. So geht er, nach einem Stadium der Verständnislosigkeit, vollkommen in dem Verfassen von Verteidigungsschriften und Verbalattacken gegen die Gerichtsbarkeit auf. Ob dies mit einem Schuldeingestädnnis gleichzusetzen ist, bleibt eine der interessantesten Fragen an den Roman. Doch K.s strikte Absage an jegliches Schuldeingeständniss bleibt Teil das entscheidende Element, das diese Figur prägt und veredelt. Um so frappierender erscheint in diesem Kontext das "Ende" des eigentlich nicht zu beendenden weil von der kontinuierlichen "Verschleppung" des gestaltlosen Prozesses und der dadurch entstehenden immer neuen Formen des Verlangens und Erfahrungsdranges der Hauptfigur lebenden Romans, der schließlich Fragment geblieben ist und dessen Kapiteleinteilung durch Max Brod bis heute Diskussionsstoff bietet.
Zwei (scheinbar) gegensätzliche Grundstimmungen prägen bei all dem Ton und Atmosphäre der Erzählung. Auf der einen Seite ist da die Beklommenheit, das Ausgeliefertsein Ks an diese obskure Gerichtsmaschinerie, die sich etwa in der Verhaftung mit dem wie selbstverständlich von statten gehenden Eindringen in Ks Privatsphäre oder in der die Angeklagten im wahrsten Sinne des Wortes niederdrückenden Luft in den Gerichtskanzleien manifestiert. Auch der vorwurfsvolle, die aus der Luft gegriffene Anklage in keinster Weise hinterfragende Onkel, der das Element des Schuldgefühls gegenüber der Familie ins Spiel bringt, wie auch die mahnenden Worte des Geistlichen im Dom (mit der weltberühmten Parabel "Vor dem Gesetz") tragen zu diesem bedrohlichen und düsteren Grundton des Romans bei, welcher an diesen Stellen dokumentarisch darlegt und dazu ebenso prophetisch vorausahnt, wie die hochkomplexen bürokratischen Gesellschaftsmaschinerien des 20. Jahrhunderts das Individuum mit Repression und Angst konfrontieren.
Aber Kafka wäre nicht Kafka, wenn er nicht im gesamten Roman Auswege für die beklommenen Seelen bereitstellen würde, welche sich vor allem aus den großen Freuden des Lebens speisen, welche bei Kafka so reichlich vorhanden sind und doch gern übersehen werden. Da wäre der Humor, welcher der Betrachtung dieser obskuren Szenerien stets beiwohnt. Warum essen die zwei Wächter, die K. verhaften, einfach so sein Frühstück auf? Warum finden sie sich, nach dem K. sich über ihr Verhalten beschwert, mit einem lackledernen Prügler in einer Rumpelkammer in Ks Büro wieder? Warum sind die Gerichtskanzleien auf dem Dachboden irgendeines übervölkerten Armenhauses am Stadtrand, und warum zeigt nur ein mit einer kindlichen Krakelschrift versehenes Blatt Papier den Weg "zu den Kanzleien" an. Man könnte ewig so weitermachen und lachen, lachen, bei aller verstörenden und befremdlichen Wirkung, die diese Elemente im Kontext der bedrohlich anmutenden Prozesssituation zweifelsohne haben, lugt immer wieder der verschlagen grinsende Kafka hinter diesen Worten hervor und sagt uns: Lacht, macht was draus! Ebenso die Erotik, immer wieder diese hocherotischen Elemente bei Kafka: Schummrige Abende bei Fräulein Bürstner, unser K. leckt ihr einfach mal den Hals...der Untersuchungsrichter blättert während seiner Prozesse in "Unterlagen", die sich ausnahmslos als Pornohefte erweisen...das Umhertragen von Frauen von A nach B...die Dienerin des Advokaten...es ist ein Durchlauf durch die verschiedensten Stadien der Erotik, wie sie uns im Alltag begleiten und schön verleugnet oder verschwiegen werden. Kafka legt sie offen, und stellt sie uns zur Verfügung, als Ausweg aus der Repression, als letzter Strohhalm des niedergedrückten Verlangens. Es ist ein skurriler wie bestechender Humor, es ist eine prickelnde Erotik, es ist einfach alles drin in diesem Roman.
Wer bei Kafka die Düsternis nicht erkennt, dem ist nicht zu helfen. Wer aber den Humor bislang noch nicht recht entdeckt hat, der sollte sich ihm gegenüber öffnen, und ihn finden, hier, in diesem Roman, in der erschreckendsten und beklemmendsten weil subtilsten Schilderung des Totalitarismus und der Repression, hier mitten drin pulsiert, verkörpert durch diesen Josef K., das volle Leben, die volle Energie und Lebensfreude, die prickelnde Erotik und der skurrile Humor, die Kafkas Werke so erbaulich, ja so unverzichtbar machen. Solche Literatur rettet Leben!
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