Kundenrezension

35 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Tat des Vergewaltigers verdammt nicht nur das Opfer und den Täter, sie verdammt die Welt, 29. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Der freie Wille [2 DVDs] (DVD)
Es gibt immer wieder Filme (zum Glück gibt es sie) bei denen man zugleich sagen muss: "Schau dir das unbedingt an, aber ich glaube, du wirst es nicht sehen wollen". Was so widersprüchlich wirkt, ergibt sich schnell durch die Eigenart des Gegenstandes:

"Der freie Wille" ist ein Film über Vergewaltigung, allerdings ignoriert er weitgehend die Opfer und stellt den Täter als Hauptperson in den Mittelpunkt. Zwangsläufig entwickelt der Betrachter Emotionen für und gegen diesen Täter, er hat Mitleid und Verständnis bei gleichzeitiger Abscheu und Verurteilung. Ebenso ergeht es dem ganzen Film: Er ruft Interesse und Empathie hervor und führt doch dazu, dass man sich abwendet und sich fragt, ob es gut ist, dass zu sehen.

Es bedarf sozusagen der Vereinbarung sich auf die Persektive des Films für die Dauer der Laufzeit (164 min.!!) einzulassen und erst nachträglich Fragen zu stellen.

Theo Stoer wird vorgestellt als cholerischer Mensch, der (bereits in den ersten 15 Minuten des Films) eine junge Frau brutal vergewaltigt, was in fast allen Einzelheiten zu sehen ist. Neun Jahre und vier Monate später sitzt er - äußerlich verändert - ruhig vor einem Gremium, dass seine Haftenlassung in eine Wohngemeinschaft beschließen soll.

Es folgen Szenen voller Sprachlosigkeit und leiden an der Normalität des Alltags, in denen dieser Theo versucht bürgerlich normal zu leben. Diese bürgerlich normale Welt ist allerdings nicht unbedingt menschenfreundlich und voll von versteckten sexuellen Signalen, wie z.B. zahlreichen erotisierenden Werbeplakaten.

Dann lernen wir Nettie kennen, die Tochter des Druckereibetreibers, der Theo angestellt hatte. Vater und Tochter verbindet offensichtlich eine schwierige Vergangenheit, die eine Trennung nicht leicht macht, aber dennoch löst Nettie sich - und ist ähnlich einsam wie Theo.

Beide finden über Zufälle zueinander und es scheint, dass die gegenseitige Liebe ein neues, gemeinsames Leben ermöglicht. Aber, so drückt es Theo einem WG-Kollegen gegenüber aus, "es kommt wieder was". der Zuschauer wird erneut Zeuge einer Vergewaltigung. Nicht so explizit wie beim ersten Mal, aber immer noch schlimm genug, um nicht hinschauen zu wollen. Es wird nicht die letzte Szene dieser Art sein.

Hat Theo den Kampf gegen seine Triebe verloren? Gab es da einen Willenskampf? Kann und will Nettie ihm und sich helfen?

Der Film skizziert nur Charaktere. Wir wissen über diese Menschen fast nichts und so gibt es auch keine Erklärungsansätze für ihr Handeln. Wir beobachten nur, werden Zeugen der Monströsität des Alltags und den Abgründen unserer "normalen" Welt.

Der Film ist mit Handkamera und fast farblosem Material gedreht, die Inszenierung ist schlicht, im Stile eines Dogma-Films und Jürgen Vogel (Theo), Sabine Timoteo (Nettie) und Manfred Zapatka (Netties Vater) liefern so Grandioses, eben weil sie von den Zwängen der Erklärungen und Eindeutigkeiten befreit sind. Und es bleibt, was diesen Film wie ein kalter Hauch durchzieht: Fremdheit.

Der Film sagt weder, dass jeder nur so handelt, weil es sein freier Wille ist, noch wird behauptet, alle Menschen seien determiniert und ihr Schicksal unausweichlich. Gerade weil der Film so viele Möglichkeiten dazwischen bietet, ist er so verstörend und beängstigend.

Man sollte "Der freie Wille" gesehen haben, aber wirklich dazu raten, sich dem Film auszusetzen, kann man nicht.
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