Kundenrezension

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Weit entfernt von alten Glanzzeiten, 10. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Tha Carter IV (Audio CD)
Noch keine 30 Jahre auf dem Buckel und dennoch schon 9 Solo-Platten veröffentlicht - Lil' Wayne kann auf eine durchaus beeindruckende Karriere zurückblicken. Kommerzieller Durchbruch war sicher "Tha Carter III" mit dem der Tattoo-Junkie aus New Orleans internationale Berühmtheit erlangte. Nach dem experimentellen "Rebirth" und dem Knast-Lebenszeichen "I Am Not A Human Being" folgt nun mit "Tha Carter IV" die Fortsetzung seiner Trilogie. Für ein erfolgreiches Gelingen lud Weezy neben seinen Labelmates auch seine Buddies T-Pain und Rick Ross ein, außerdem sind u.a. Jadakiss und John Legend zu hören.

"Tha Carter IV" kommt in der Standard-Ausgabe mit 15 Tracks daher, die Deluxe Version hat noch 3 Boni im Gepäck. Eröffnet wird die Platte mit einem recht eintönigen Intro, das nach fast dreiminütiger Laufzeit von einem sehr chilligen Song abgelöst wird. "Blunt Blowin" heißt angesprochener Titel, der mit behäbiger Melodie und tief wummerndem Bass die Grundlage für Wayne bietet, der etwas über Leben und Lifestyle berichtet, wie gewohnt mit der ein oder andere lustigen Zeile. Was jedoch danach folgt, kann man getrost als Welle der Monotonie bezeichnen. Dies fängt an mit "MegaMan", das vom Namen her eigentlich cool klingt und dazu prädestiniert ist, in eine pompöse Selbstverherrlichung auszuufern, doch im Endeffekt steht ein Bum-Bum-Beat mit etwas Synthie-Gedudel zu Buche, dazu die selben Drum Patterns, die wir in dieser Anfangsphase auf jedem Track zu hören bekommen. Die Single "6 Foot 7 Foot" stammt aus den Händen von Bangladesh, der ja schon für "A Milli" verantwortlich war. Was damals gut geklappt hat, soll wohl auch 2011 funktionieren und so klingt der Song wie ein Mix aus dem angesprochenen "A Milli" und "Women Lie, Men Lie" von Yo Gotti. Sprich: extrem harter, immer gleich hämmernder Beat, dazu eine durchweg brabbelnde Computer-Stimme im Background. Für die einen ein Banger, für die anderen das Grauen schlechthin. Unstrittig bleibt jedoch Wayne's Performance und die ist hier eine der besten von "Tha Carter IV". Wer es etwas relaxter mag, der ist bei "She Will" an der richtigen Adresse. Das melodische und ruhiger gehaltene Instrumental stellt eine angenehme Abwechslung dar, dazu passen die Stimmen von Wayne und Feature Drake perfekt.

"How To Hate" wurde bekanntlich auch als Single ausgekoppelt und ist daher schon einigen ein Begriff. Wem der Track noch nicht zu Ohren gekommen ist, der kann sich auf eine übertrieben schmalzige Nummer über die Abrechnung mit intriganten Flittchen einstellen. Nicht nur die Produktion ist hier kaum auszuhalten, auch T-Pain's Autotune-Gewinsel überschreitet jegliche Grenze von gutem Geschmack. Zur Mitte des Albums finden wir ein Interlude, eingespielt von Tech N9ne und Andre 3000 von OutKast. Eigentlich sind Interludes ja nicht der Rede wert, doch in diesem Falle muss es einfach genannt werden. Sowohl Tech als auch Dre legen auf dem ruffen Instrumental los wie die Feuerwehr und stellen mit ihren Performances fast den kompletten Rest von "Tha Carter IV" in den Schatten. Wenigstens scheint mit diesem Startschuss auch Wayne endlich ins Rollen zu kommen. "John" ist ein Down South Brett, wie es im Buche steht. Dicker Bass, schrille Synthies, dazu Gepose und Prolletentum in seiner reinsten Form, vorgetragen vom Birdman Jr. und Rick Ross. Auch "Abortion" präsentiert sich deutlich besser als die komplette erste Hälfte Albums, was neben Wayne den kräftigen Drums und Gospel-Gesang im Background zu verdanken ist. Leider ist das meiste Pulver nun jedoch schon wieder verschossen. "So Special" (feat. John Legend) und "It's Good" (feat. Jadakiss & Drake) langweilen erneut mit Schmalz und Eintönigkeit, auch das auf ernst getrimmte "President Carter" plätschert eher belanglos vor sich hin. Erwähnt sei noch das Outro, das zwar wieder komplett auf Lil' Wayne verzichtet, dafür aber mit gelungenen Ryhmes von Bun B, Nas und Busta Rhymes punkten kann. Lediglich Puff Daddy's einstiger Hoffnungsträger und neuer Cash Money Millionaire Shyne zeigt sich nach Jahren im Knast mit geschwächter Stimme - ein Schock für alte Fans!

Sofern man nicht gerade ein Lil' Wayne Fanatic ist und "Tha Carter IV" aus einer neutraleren Perspektive betrachtet, so muss leider festgehalten werden, dass dieses Album neben "500 Degreez" und "Rebirth" ganz klar zu den Schwachpunkten seiner Karriere zählt. Und das liegt weniger an Weezy selbst (auch wenn er wohl nie als großer Poet in die Geschichte des Rap eingehen wird), sondern an der mauen Beatauswahl, die jegliche Innovation vermissen lässt. Da hat selbst das stark diskutierte "Tha Carter III" die Nase vorn. Kurzum: Wer Lil' Wayne in den letzten 2-3 Jahren kennen und lieben gelernt hat und darüber hinaus die Singles mag, wird auch an "Tha Carter IV" seine Freude haben. Fans von früher hingegen, dürften auch weiterhin der glorreichen Hot Boys Ära nachtrauern.
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1-10 von 11 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 11.09.2011 17:09:47 GMT+02:00
H-DUB meint:
Sehr gute Bewertung!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.09.2011 17:21:51 GMT+02:00
JazzMatazz meint:
Als ersten Kommentar hätt ich eigtl. ne Schelte von erbosten Fans erwartet :D

Veröffentlicht am 11.09.2011 21:08:39 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 12.09.2011 14:15:55 GMT+02:00
Das A! meint:
Optimal beschrieben! Genau die Punktzahl, die ich auch geben würde. Nein - keine Schelte von Wayne-Fans sondern Unterstützung. Hatte echt gehofft, daß er uns positiv überraschen würde nach drei Jahren überwiegender Stagnation, aber nun...

A!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.09.2011 20:10:48 GMT+02:00
H-DUB meint:
Wer so einen Hype macht und dann Rick Ross "John" 1:1 als "Hit" übernimmt, der hat kein positives Feedback zu erwarten. Sehr flach!

Veröffentlicht am 13.09.2011 15:47:36 GMT+02:00
Tut mir leid, das ist einfach nur eine schlechte Bewertung! How To Hate ist keine Single!
Bitte keine falschen Informationen^^

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.09.2011 16:10:39 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.09.2011 16:37:16 GMT+02:00
JazzMatazz meint:
Ach Bärbel, ob Single oder nicht, der Song ist ätzend.
Aber wenn ich mir deine Rezensionen so anschaue, ist es eh sinnlos mit jemand zu diskutieren, der Pop-Chart Rap feiert als wäre es das Größte

PS: Findest du es nicht unnötig jeden anzupöbeln, der nicht deine Meinung teilt?

Veröffentlicht am 14.09.2011 21:43:56 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 14.09.2011 21:46:19 GMT+02:00
Jerome meint:
Endlich traut sich mal jemand eine Rezi zu schreiben "ohne" 5 Sterne bewertung! Mich wundert nur das du geschrieben hast das die Stimme von Drake perfekt auf den Track passt, sowas positives über Drake habe ich bei dir vorher noch nicht gelesen! ;)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.09.2011 09:52:50 GMT+02:00
JazzMatazz meint:
Um ehrlich zu sein hats mich selbst überrascht, da ich seine Musik und Rapstyle absolut lahm finde :D
Aber auf diesem Instrumental kann man eben auch mit wenig Skills nicht viel verkehrt machen ;)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.09.2011 21:25:40 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.09.2011 21:28:06 GMT+02:00
Flowbama meint:
saubere Rezension! Insbesondere: "dazu die selben Drum Patterns, die wir in dieser Anfangsphase auf jedem Track zu hören bekommen" seh ich genauso. Die ersten paar Beats haben maximal Mixtape-Qualität.

Veröffentlicht am 19.09.2011 19:15:09 GMT+02:00
Das A! meint:
Ich denke ja manchmal, daß man die Scheibe okay finden könnte, wenn es ein schlichtes Weezy-Album wäre, etwa wie das deutlich bessere "I am not a human being", das mehr oder weniger nebenbei erschien. Dann könnte man noch 3 Sterne geben und sagen: is okay, kann man hören. Ärgerlich ist, daß man von einem Carter-Album eben mehr erwarten kann (demnach nur 2 Sterne). Denn mit Carter II und Carter III hat er sich selbst hohe Maßstäbe gesetzt und davon ist diese Tracksammlung sehr weit entfernt.
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