Kundenrezension

45 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Sense and Sensibility" mit intelligenten und unterhaltsamen Neuerungen versehen, 14. Dezember 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Jane Austen's Sense & Sensibility (Sinn und Sinnlichkeit) (2 Disc Set) (DVD)
"Gefühl und Verstand" war für mich immer einer der Romane, der viele wichtige Handlungen nur grob beschreibt. Dadurch vermisste ich die Tiefe der Hauptpersonen. So wurde zum Beispiel die stetig wachsende Beziehung zwischen Elinor und Edward nur kurz erwähnt, ohne großen wörtlichen Schlagabtausch zwischen den beiden, den ich bei "Stolz und Vorurteil" so bezaubernd fand. Genauso verhält es sich bei Marianne und Colonel Brandon. Vielmehr beschreibt Jane Austen in ihrem Roman die hiesige Gesellschaft, in denen sich die beiden Frauen bewegen und das Leben auf dem Land.

Anders in der Kinoversion von 1995. Dort wurde der Versuch unternommen, die Beziehung zwischen Elinor und Edward herauszuarbeiten und der Zuschauer konnte sich vorstellen, warum sich die beiden ineinander verlieben. Etwas zu kurz geraten war aber für mich die plötzlich aufkeimende Liebe von Marianne zu Colonel Brandon. Sie kam zu plötzlich und ich hatte immer das Gefühl, dass sie ihn innerlich gebrochen nur aus Pflichtgefühl nimmt. Hier fehlte mir das offene Geständnis ihrer Liebe zu ihm.

In der Verfilmung von 2007 ist dies anders. Hier verhält sich Marianne nicht abweisend gegenüber Colonel Brandon, wie in der Kinoversion, sondern sie gibt sich offen und spielt z. B. die Klavierstücke, die er ihr gegeben hat. Während sie eines der Stücke spielt lächelt sie ihn an und freut sich offensichtlich, dass sie das anspruchsvolle Stück fehlerfrei spielen kann. Sie nimmt erst dann Abstand von ihm, als sie erfährt, dass er für sie als Heíratskanditat auserkoren wurde. Obwohl sie ihn nicht unsympathisch findet, möchte sie ihn nicht mehr daheim antreffen und geht ihm aus dem Weg. Sie ist der Überzeugung, dass er viel zu alt für sie ist. Und dann tritt auch schon Willoughby in ihr Leben, so dass sie keinen Gedanken mehr an Colonel Brandon verschwendet, weil sie überzeugt ist, dass er der richtige Mann für sie ist, mit dem sie glücklich werden würde. Ein fataler Fehler. Der Charakter des Willoughby wird hier viel unsympathischer angelegt als in der Kinoversion. Und das ist auch gut so, denn in der Kinoversion kam er mir dann doch zu gut herüber und ich hatte manchmal sogar Mitleid mit ihm, besonders in der Schluss-Sequenz, hoch zu Ross und mit tieftraurigen Blick der Hochzeit von Marianne zuschauend. Nein, einem Mann Mitleid zu zollen, der eine fünfzehnjährige verführt, die von ihm schwanger und verlassen wird, geht eigentlich nicht und das hat diese Version wunderbar umgangen, weil er bis zum Schluss nichts dazu lernt, außer vielleicht etwas Reue und er eher über sich selbst bekümmert ist, als zu begreifen, dass er Marianne zutiefst verletzt hat. Als dann Marianne begreift, dass Willoughby nicht der Mann ist für den sie ihn gehalten hat, nimmt Colonel Brandon wieder eine zentrale Rolle bei ihr ein. Sie fühlt sich zu ihm hingezogen und gesteht Elinor das sie ihn liebt. Das finde ich eine ganz bezaubernde und wichtige Szene, denn so ist der restliche Zweifel beim Zuschauer gänzlich erloschen, dass sie für ihn nur Dankbarkeit empfindet. Charity Wakefield spielt die Marianne erfrischend, offen und weniger leidenschaftlich, als Kate Winslet es tat. Ich finde sie ist auch mehr im Hier und Jetzt. Das hat mir sehr gut gefallen.

Kommen wir nun zu Elinor und Edward. Ich finde es wohltuend, dass der Schauspieler Dan Stevens den Edward nicht so trottelig dargestellt hat, wie es Hugh Grant getan hat. Er ist sogar recht redegewandt und sehr gutaussehend und der Zuschauer kann sich so bestens vorstellen, warum sich Elinor in ihn verliebt hat. Er zeigt hier auch seine traurige Seite und der ganze Frust, den er in sich trägt, entlädt sich in der "Holzhackszene" vollends. Das finde ich sehr gelungen, denn es zeigt einen Mann, der innerlich seine Kämpfe austragen muss und in Gesellschaft den beherrschten Mann mimen muss. Mir hat er viel besser gefallen, als Hugh Grant, der wie immer in seinen Filmen schusselig gespielt hat und vor Augenklimpern seine Angebetete wahrscheinlich nie richtig gesehen hat. Hattie Morahan hat der Gestalt Elinor ein neues Gesicht gegeben. Sie wirkt zwar vor anderen Personen auch sehr beherrscht, aber sie darf in Momenten, in denen sie alleine durch die raue Landschaft spaziert, dass sein was sie ist: Eine empfindsame Frau, die durch ihre unerfüllte Liebe sehr leidet und ihre Trauer niemanden zumuten möchte. Wunderbar.

Der Film ist etwas ernster angelegt, aber die Personen um Elinor und Marianne sind manchmal zu köstlich. So zum Beispiel die Schwester von Lucy Steele, die durch ihren Blick und ihr wasserfallartiges Geschwafel einen zu amüsieren vermag. Fanny ist herrlich böse und der kleine Henry würzt das ganze noch. Etwas schade fand ich, dass die Rolle des Mr. Palmers sehr dürftig angelegt wurde. Außer einem Augenverdrehen im Hinblick auf seine Frau Charlotte und einem zynischen Satz, war sonst von ihm nichts weiter zu sehen und zu hören. Aber ich glaube man darf die Rolle nicht so sehr mit der Kinoversion vergleichen, da Andrew Davies es bestimmt nicht darauf angelegt hat auf alle Charaktere einen gewissen Schwerpunkt zu legen. Er hat es vielmehr geschafft dieser Verfilmung ein komplett anderes Gesicht zu geben. Verglich ich in den ersten Minuten noch den Film mit der Kinoversion, so ertappte ich mich schnell dabei, dass ich keine Vergleiche mehr machte, weil der Film sich eigenständig entwickelte.

Die Schauplätze sind einzigartig. Gefiel mir zum Beispiel das Cottage in der 1995 Verfilmung schon sehr gut, wurde es durch diesen Film noch getoppt. Wildromantisch liegt es eingebettet, umgeben von Hügeln und dem wilden rauen Meer. Die kärglichen Räume spiegeln die Armut der Schwestern wieder und der Zuschauer spürt, dass es unter diesen Voraussetzungen kein leichtes Leben werden kann und wird. Die Filmmusik schmiegt sich wunderbar in diese Landschaft an und der Zuschauer kann förmlich den Wind und die Seeluft spüren und riechen.

Ich hätte nie gedacht, dass es eine Verfilmung schaffen könnte, auf gleicher Stufe wie "Stolz und Vorteil" von 1995 zu stehen. Diese Version von "Gefühl und Verstand" hat es durch seine wunderbaren Schauspieler, Schauplätze, Filmmusik, dass einzigartige Drehbuch und einem hochbegabten Regisseur geschafft, dass genau das geschehen ist. Ich bin begeistert. Ich hoffe Andrew Davies nimmt sich als nächstes den Stoff von "Mansfield Park" vor. Ich bin überzeugt, dass er den Jane Austen Roman virtuos und bewegend verfilmen würde, mit einer Heldin, die den Zuschauer zu fesseln vermag.

P. S. Die Synchronisation ist diesmal sehr gut gelungen und wie ich finde passen alle Stimmen zu den jeweiligen Schauspielern.
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 11.03.2009 12:33:31 GMT+01:00
margret hale meint:
Sie sprechen mir aus dem Herzen. Eine schöne Rezension. Auch ich hoffe, dass es endlich mal eine gelungene Version von Mansfield Park gibt. Aber auch eine 5-Sterne-Version von Emma wäre toll!
Ciao
margret hale

Veröffentlicht am 12.11.2009 02:11:24 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.06.2011 19:01:59 GMT+02:00
sunshining_ju meint:
Eine tolle Rezension, vielen Dank dafür! Sie sprechen genau das aus, was ich gedacht habe, nachdem ich die Serie gesehen habe! Ich hoffe im Übrigen auch, dass sich Andrew Davies "Mansfield Park" einmal vornimmt, denn die Versionen, die existieren (vor allem die neueste mit Billie Piper) sind alle nicht wirklich prickelnd.

Aber ich muss trotzdem zugeben, dass ich Hugh Laurie als Mr. Palmer in dieser Verfilmung doch etwas vermisse...

Veröffentlicht am 09.06.2011 18:59:25 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 09.06.2011 19:00:03 GMT+02:00]
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