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Kundenrezension

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Reise durch ein entfremdetes Land, 9. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Highway 61 Revisited (Audio CD)
Bob Dylans erstes reines Rock-Album, und diesmal ging es wirklich voll zur Sache. Die Musik stösst zum Kern des Rock' Roll vor: geradlinig, hart, roh, ohne unnötige Schörkel. Für mich das beste Rockalbum aller Zeiten. Außerdem halte ich es für ein Konzept Album: Es ist eine Reise auf dem Highway 61, der von Chicago nach New Orleans führt, man könnte ein Road-Movie danach drehen.
"Like A Rolling Stone" handelt nur vordergründig von einem Mann der ein Mädchen runtermacht. Es geht vielmehr um die unerbitterliche Infragestellung, besser gesagt Zerstörung des bürgerlichen, braven Lebens, es geht um das Leben auf der Straße, weg von der Sicherheit der Eltern und der gesellschaftlichen Ordnung. Man kann ruhig annehmen, daß Dylan damit auch sich selber gemeint hat, die Miss Lonely, der Rolling Stone with no direction home, das ist durchaus auch Dylan selbst. Die Art und Weise wie er und seine Band das Lied rausspucken ist grandios und bis heute unerreicht.
Der "Tombstone Blues" ist ein schneller, schaftkantiger Blues mit tollem Gitarrenspiel von Michael Bloomfield. Der Text ist sehr surrealistisch und es wäre sinnlos, da Zeile für Zeile einen Sinn herauslesen zu wollen. Es geht wohl eher um ein Gefühl. Um das Gefühl des Entfremdetseins und der Ausgeliefertheit. Weiter gehts in einem Postzug, "It Takes A Lot to Laugh...", wieder ein Blues, diesmal mit verminderter Geschwindigkeit. Klassische Bluesbilder. Danach steigt der Protagonist in einen Buick 6 um, der sich schnell und schlingernd auf die Fahrt macht. Ziemlich wirrer Nonsens Text, aber wie immer musikalisch gut gebracht. Man hat sich damals gefragt, wer wohl der Mr. Jones in "Ballad Of A Thim Man" sein könnte, doch damit ist keine bestimmte Person gemeint, sondern all die Ignoranten, die nicht verstehen wollen, was sich in der Gesellschaft gerade verändert, gemeint sind wohl auch die Journalisten und alten Folkies, die Dylans Wandlung zur elektrischen Musik nicht verstehen konnten. "Du kommst in das Zimmer, mit deinem Bleistift in der Hand. Du siehst jemanden nackt und fragst, "wer ist dieser Mann". Ja, auch hier Entfremdung, Kafka in Musik gegossen. In "Queen Jane"
stellt der Sänger eine Menge Fragen an eine Frau, die unter schwiergen Bedingungen leidet, ob es nicht doch besser wäre, zu ihm zu kommen. Schwer zu sagen, ob er damit Joan Baez gemeint hat. Ein Lied, das ich wirklich mag, wegen seiner betörenden Musik und des eindringlichen Gesangs. In "Highway 61" stellt Dylan verschiedene Szenen dar, die alle auf dieser Straße enden.Der Highway wohl als Symbol der westlichen Gesellschaft. Es beginnt biblisch mit Abraham, der seinen Sohn töten soll, nach anfänglichem Weigern stimmt er schließlich zu. Eine Versinnbildlichung der Ausweglosigkeit der menschlichen Natur, des Ausgeliefertseins an höhere Mächte. Es würde zu weit führen, jetzt jede Strophe zu erklären zu versuchen. Musikalisch ein rasantes Rock oder Bluesstück mit Polizeisirene. "Tom Thumbs Blues" ist wohl eindeutig ein Drogenlied. Du stehst verloren im Regen, siehst alles negativ, hast nicht mehr die Kraft, dir einen Schuß zu versetzen, doch die schöne Melinda verspricht Trost und lädt dich zu sich nach Hause ein. Mit Burgunder hat es angefangen, nun ist er bei schärferen Sachen gelandet, Zeit für ihn nach New York abzuhauen. Eine Geschichte wie von Bukowski oder Kerouac. Endlich ist der Sänger in New Orleans gelandet, wo's nicht nur den Karneval "Mardi Gras", mit all seinen bunten, verrückten Gestalten gibt, sondern auch ein Wachsmuseum im French Quater (ich bin da mal gewesen), in dem einige der Figuren stehen, die Dylan da in "Desolation Row" vorbeiziehen läßt. Ein zehnstrophiger Reigen irrer Ereignisse mit Gestalten aus Geschichte, Literatur und Film, die kurz auf die Bühne ins Scheinwerferlicht treten und wieder verschwinden. Alle führen sie sinnlose Handlungen durch, wie beim Karneval eben. Die Absurdität menschlichen Handelns, die Welt als Irrenhaus. In der vorletzten Strophe dann die Verheißung vom Paradies, lachende Calypsosänger und Meerjungfrauen, aber vorher sticht noch die Titanic in See. Das Ganze entpuppt sich dann als Brief, in dem der Autor die Namen vertauscht hat und ihnen neue Gesichter gegeben hat. Dylan begleitet sich auf der Akustischen und eine zweite Gitarre spielt eine einschmeichelnde Gegenmelodie dazu. Das Lied zieht in seinen Bann, es lebt von seinen Sprachbildern, der betörenden Musik, dem beschwörenden Gesang. Einer der besten Dylan Songs überhaupt.
Highway 61 ist eine musikalische Reise durch Amerkika und die 60iger Jahre, umnebelt von Drogen, begleitet von Ophelia und dem Phantom der Oper, mit Einstein am Beifahrersitz und Quasimodo als Fahrer und im Rückspiegel das Flackern von Polizeisignalen.
Ich halte diese Platte für ein bedeutendes Kunstwerk des 20. Jahrhunderts. So wie ein Roman von Faulkner, ein Gemälde von Picasso, eine Symphonie von Schostakowitsch.
Na ja. The sun's not yellow, it's chicken.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 12.12.2011 16:15:10 GMT+01:00
drukyul meint:
Der Refrain ist legendär: "How does it feel? To be own you own? With no direction home? Like a complete unknown? Like a rolling stone?
To be own you own? ? - To be on your own?!!!

Wie fühlt es sich an ganz allein zu sein ?
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Ort: Schörfling

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