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69 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Rezension bezieht sich auf: Kritik der reinen Vernunft (Sondereinband)
Wer sich ernsthaft mit Philosophie beschäftigen will, kommt an Immanuel Kant nicht vorbei.Wenn uns heute Philosophie und Naturwissenschaft als vereinbare Disziplinen erscheinen können, dann ist dies auch ein Verdienst des Königsberger Philosophen. Die "Kritik der reinen Vernunft" (1781) ist das Hauptwerk des Begründers einer durch analytisches Denken geprägten Erkenntnistheorie. Ganz verschiedene Strömungen der deutschen Philosphie etwa die Linien Fichte -> Schelling/Hegel oder Schopenhauer -> Nietzsche wären ohne Kant nicht denkbar. Die oben genannten Philosophen haben sich zum Großteil bereits früh mit Kant beschäftigt und dies als DAS singuläre Ereignis ihrer Biographie betrachtet. Schopenhauer zum Beispiel verlangt apodiktisch, dass man zuerst Kant studieren soll, bevor man sich mit seinem Werk beschäftigt. Ich habe die Kritik der reinen Vernunft während der Schulzeit gelesen und danach die Welt mit anderen Augen gesehen. Zur Lektüre (956 Seiten!) sollte man sich zwei bis drei Monate Zeit nehmen. Schopenhauer empfiehlt übrigens desweiteren, möglichst KEINE Sekundärliteratur zu konsultieren, sondern Kant UNMITTELBAR zu begegnen. Das handliche Reclam-Buch wird Sie dann zwei bis drei Monate begleiten; sein atemberaubender Inhalt - das Staunen über die Selbsttäuschung dessen, was Sie bisher als Ihre Wirklichkeit betrachten - wird Sie womöglich Jahrzehnte nicht mehr loslassen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen Kommentare
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag:
04.01.2012 10:29:24 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.01.2012 10:29:57 GMT+01:00
S. Harder meint:
Die "Linie" Kant -> Deutscher Idealismus (Hegel, Fichte, Schelling) finde ich als "Linie" einigermaßen nachvollziehbar. Denn das eine baut tatsächlich auf dem anderen auf, modifiziert es zwar und gibt ihm seine eigene Note, hat es aber zum Ausgangspunkt, vom dem aus es seine eigenen Überlegungen gestaltet.
Die "Linie" Kant -> Schopenhauer -> Nietzsche bereitet mir da eher etwas Kopfzerbrechen. Nietzsche war letztlich nicht wirklich sehr von Kant oder Schopenhauer beeinflusst oder hat deren Gedanken vertieft oder weiter ausgearbeitet. Kant ist allemal inspirierend und es lohnt sich, ihn zu lesen, aber ich sehe in dieser Linie keine Fortentwicklung vom kantischen Denken als Ausgangsmaterial hinweg. In Schopenhauers "Welt als Wille und Vorstellung" wird Kant ganz klar zur Grundlage der Überlegungen genommen, wobei aber letztlich Wesentliches von Schopenhauers individueller Sicht miteinfloss. Der spätere Nietzsche hat mit Schopenhauer eigentlich gar nichts mehr zu schaffen. Lediglich in den "Unzeitgemäßen Betrachtungen" hat Schopenhauer in den philosophischen Überlegungen einen hohen Stellenwert. Aber das typische nietzscheanische Denken konstituierte sich erst später - ganz bestimmt nicht in den "Unzeitgemäße Betrachtungen".
Veröffentlicht am
16.09.2012 02:36:25 GMT+02:00
Sigetik meint:
Würde gern den letzten Absatz des Vorposters unterstützen. Nietzsche sprach oft davon, dass Kant einen auf "dialektische Schleichwege" führen wolle etc., seine Philosophie ist sicherlich auch ohne Kant denkbar.
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