Kundenrezension

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen same procedure as every year..., 20. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Affären à la Carte (DVD)
Als Danièle Thompsons Film "Affären à la carte" ("Le code a changé") im Rahmen der Berlinale 2009 vorgestellt wurde, wurde er leider vollkommen unpassenderweise als "die neue Erfolgskomödie nach den Ch'tis" beworben, was verständlicherweise bei einem Großteil des Publikums vollkommen falsche Erwartungen weckte und deshalb dazu führte, daß der Film eher verhalten aufgenommen wurde.
Das ist schade, denn "Affären à la carte" ist zwar keine Schenkelklopferkomödie, dafür aber ein wunderbar leiser, typisch französischer Ensemblefilm über eine Pariser Freundesclique.

Jedes Jahr pünktlich zur "Fête de la musique" treffen sich die erfolgreiche Pariser Anwältin ML (Karin Viard) und ihr arbeitsloser Ehe- und Hausmann Piotr (Dany Boon) mit Freunden und Bekannten.
Man begrüßt sich mit Küsschen und Blumen, plaudert nett bei einem guten Essen und gutem Wein und versichert einander beim Abschied, was für ein schöner und gelungener Abend es doch war.
Unter der gepflegt-unverbindlichen Oberfläche jedoch brodeln Gefühle und Animositäten unterschiedlichster Art:
So trifft ML unverhofft auf einen ehemaligen Geliebten, den sie nicht -und schon gar nicht unter derartigen Umständen- wiedersehen wollte, Piotr auf seine bereits fast vergessene Jugendliebe (Emmanuelle Seigner) und der Onkologe Alain (Patrick Bruel) auf eine langjährige Patientin, die ihre Krebserkrankung und somit auch die Bekanntschaft mit Alain lieber verheimlichen will.
Zu allem Überfluss taucht auch noch unverhofft MLs Vater auf, zu dem nicht nur sie, sondern vor allem auch ihre jüngere Schwester Juliette ein äußerst angespanntes Verhältnis hat und der ausgerechnet mit Juliettes neuem Freund viele Gemeinsamkeiten entdeckt und spontan Freundschaft schließt.
Dennoch wahren alle die Contenance bis zum Abschied.

Ein Jahr später:
Es ist wieder der 21. Juni und die Runde vom letzten Jahr trifft sich erneut.
Vieles hat sich geändert; ein schwerer Unfall, eine unverhoffte Schwangerschaft und auflodernde, verloren gegangene und wiederentdeckte Gefühle haben die Karten des Schicksals neu gemischt.
Nach außen hin ein 21. Juni wie der vergangene, jeder zuvor und wahrscheinlich jeder noch kommende, aber jeder der Protagonisten hat sich weiterentwickelt und für ein Paar hat es inzwischen sogar ein ganz klassisches Happy-End gegeben.
Wer dieses Paar ist, erfährt die Gastgeberin ML (und mit ihr die Zuschauer) erst ganz am Schluss.

Ein wunderbar ruhiger und zugleich entlarvender Film über die Masken, die man selbst unter "Freunden" nicht fallen lassen mag und über die Anstrengungen, die man macht, um nach außen hin den schönen Schein des eigenen Daseins zu wahren.
Die vorteilhaft gereifte Emmanuelle Seigner als Piotrs Jugendliebe Sarah fasst es im Film sehr treffend zusammen:
"Es ist doch immer dasselbe, wir lügen alle - wir tun alle so, als ginge es uns gut, ist es nicht so?"

Ich fand es schade, daß der Film so schnell zu Ende war; zu gerne hätte ich erfahren, was aus den Protagonisten wohl ein weiteres Jahr später geworden ist...

Schön gelungen ist der Ansatz, für die Geschichte tatsächlich zwei einzelne, ein Jahr auseinanderliegende Tage herauszugreifen und damit weniger die Entwicklung der Protagonisten als solche, sondern vielmehr deren Ausgangspunkt und das Ergebnis zu zeigen.
Dennoch erfährt man zwischen den Zeilen auch viel darüber, was in dem dazwischenliegenden Jahr passiert ist.
Neben der hervorragenden Darstellerriege, in der erfreulicherweise auch der Chansonnier Patrick Bruel mal wieder auf der Leinwand zu sehen ist und der Komiker Dany Boon einmal angenehm zurückhaltend spielt, kann der Film auch mit intelligenten Dialogen, sehr schön ausgewählter Musik und einer perfekt ausbalancierten Mischung aus leiser Heiterkeit, Gefühl und Dramatik punkten.

Wer zum Beispiel "Kleine wahre Lügen" ("Les petits mouchoirs") mochte, dem wird auch dieser Film gefallen.
Von mir eine klare Empfehlung für alle Freunde des europäischen Erzählkinos.
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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 21.06.2012 15:39:35 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.06.2012 15:43:46 GMT+02:00
Belle meint:
Es gibt wenige Rezensionen in dieser Länge, die ich bis zur Gänze lese. Nicht aus mangelndem Respekt, sondern meist der fehlenden Zeit geschuldet. Oder, weil mir der Stil nicht so liegt. Ich halte es in diesen Fällen meist mit Querlesen.
Aber bei Ihren bleibe ich, wie gesagt, immer wieder dran. Will ich zuende lesen.

Aufgrund Ihrer Zeilen überlege ich, den Film demnächst nochmal anzusehen/reinzuschauen, was Sie beschreiben, habe ich so nicht in Erinnerung - vielleicht kann ich ihn nochmal mit anderen Augen ansehen? Offen gesagt, hatte ich nämlich so meine Schwierigkeiten damit. Er war mir zum einen zu Dialoglastig - was mich sonst nicht unbedingt stört - doch es kam hinzu, daß mir die Figuren, bis auf eine, nicht sonderlich sympathisch waren. Besonders ihr verworrenes Beziehungsgeflecht, wie sehr sie sich u.a. das Leben schwer machen; ich fand keinen Zugang dazu.
Aber - manches Buch, so mancher Film hat einen 2.Blick verdient. Nicht immer ist man aufnahmefähig, oder in Stimmung; und das ist ja auch das Schöne. Ein Buch kann und sollte man auch mal zur Seite legen, und ein anderes beginnen. Einen Film kann man sich jederzeit ausleihen, oder, wenn man ihn besitzt - nochmal reinschauen; vielleicht erheitert, oder unterhält er im 2.Anlauf?
Man sollte diesen Versuch gelegentlich wagen. Oder?

Noch etwas zum Schluß, liebe Film- und Buchfreundin, eigentlich wollte ich mich für Ihre Ermunterung, selbst mehr Rezensionen zu schreiben, bedanken. (ich werde darüber nachdenken; eventuell kann ich es ja hier und da umsetzen)
Ich muß gestehen, ich habe Ihren Kommentar zu Guilleaumes Buch, "Im Schatten meines Vaters" h e u t e erst gelesen. Sooorry.
Nun, wenn auch verspätet, und nicht an der "richtigen Stelle" (bitte, die anderen Amazonen und Amazonier mögen es mir verzeihen) , vielen lieben Dank - für Ihre Zeilen - in beidem Sinne.
Ihre Belle

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.06.2012 17:54:12 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.06.2012 21:31:43 GMT+02:00
Berlinoise meint:
Liebe Belle,
schön, Sie mal wieder zu lesen!
Zunächst mal vielen Dank für Ihre netten Worte.
Ja, die Geschmäcker sind (zum Glück!) verschieden, bei mir gibt es auch immer mal wieder Filme, die mir empfohlen werden oder die generell einen guten Ruf haben und mit denen ich mich dennoch gar nicht anfreunden kann.
Ob es sich für Sie lohnen könnte, dem Film noch eine Chance zu geben, vermag ich daher nicht zu beurteilen; oftmals sieht man einen Film beim zweiten Mal ja tatsächlich mit völlig anderen Augen, aber wenn Ihnen schon fast alle Protagonisten nicht sympathisch waren (wer war denn die eine Ausnahme?), ist es möglicherweise wirklich einfach nicht "Ihr" Film.
Andererseits: bei 2,18 Euro für eine gebrauchte DVD oder eventuell auch in einer Leihvideothek kann man ja eigentlich nicht viel falsch machen.
Daß es gerade bei Ensemblefilmen oftmals etwas länger dauert, mit den vielen Protagonisten warmzuwerden, dürfte meiner Meinung nach ein wenig genretypisch sein.
Der von mir in der Rezension erwähnte Vergleichsfilm "Kleine wahre Lügen" ist ja deutlich länger und kann sich daher mehr Zeit nehmen, einem die einzelnen Personen näherzubringen, eventuell könnte Ihnen der besser gefallen?
Ansonsten könnte ich Ihnen zum Thema "französischer Ensemblefilm" noch "Fragiles" oder "25° im Winter" empfehlen, beide mit dem von mir sehr geschätzten Jacques Gamblin.
"Célibataires" dürften Sie als Depardieu-Fan ja kennen?
Eher wenig sympathisch fand ich hier eigentlich nur am Anfang ML und die Gynäkologin, was im Verlauf der Handlung aber schließlich doch etwas abgemildert wurde.
Falls Sie es nochmal mit dem Film versuchen wollen, geben Sie doch mal Rückmeldung, ob es sich für Sie gelohnt hat!
Bis dahin liebe Grüße aus Berlin, Tanja

P.S.,
nette Amazonen dürfen mich übrigens auch gerne duzen :-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.06.2012 14:38:49 GMT+02:00
christine meint:
"Die vorteilhaft gereifte Emmanuelle Seigner"? Als Rolle im Film oder als Darstellerin? Irgendwie hat mich "Bitter Moon" teilweise eher belustigt als schockiert. Und war sie nicht in einem anderen Polanski der Teufel selbst? Grübel. LG, Christine

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.06.2012 15:21:48 GMT+02:00
Berlinoise meint:
Ha, da hast Du mich erwischt und prompt einen blinden Fleck getroffen, mit Emmanuelle Seigner kenne ich "Frantic" und dann klafft da bei mir eine fast 20 Jahre lange Lücke bis zu "La môme" (wo sie in ihrer kleinen Rolle unter der Maske ja kaum zu erkennen war), "Schmetterling und Taucherglocke" und eben "Affären á la carte".
Nicht einmal den von dir erwähnten "Bitter Moon" kenne ich, evt sollte ich da tatsächlich mal nacharbeiten.
Das "vorteilhaft gereift" hatte ich tatsächllich auf Seigner bezogen, gut 20 Jahre nach "Frantic" ist sie schon erkennbar (und offenbar nicht oder zumindest gut und dezent geliftet) entsprechend älter geworden, hat dabei aber meiner Meinung nach an Ausstrahlung und Attraktivität gewonnen, was hier auch sehr schön ihrer Rolle entspricht.
Du hast aber Recht, meine Formulierung ist da etwas unglücklich gewählt, evt fällt mir da noch was Besseres ein.
LG, Tanja
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