Kundenrezension

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5.0 von 5 Sternen Disillusion - Gloria, 22. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Gloria (Audio CD)
Die ewige Kontroverse zwischen musikalischem Stillstand und künstlerischer Weiterentwicklung erscheint, betrachtet man es nüchtern, ein Streitpunkt wie auch Standpunkt zu bleiben, Ausdruck persönlicher Geschmäcker, musikalischer Gewohnheit und sicher auch künstlerisch-selbstdarstellerischen Kalküls. Innovation scheint nur allzu gerne in Formen gegossen, als ein Ausdruck progressiver Schaffenskunst verbalisiert und letzten Endes zweckentfremdet zu werden. So gesehen wundert es kaum, dass das neue Werk der Metaller von Disillusion, mag man es zurückhaltend ausdrücken, mit geringer Begeisterung von der Hörerschaft aufgenommen und sogar regelrecht zerrissen wird, lässt sich doch die Schablone „Weiterentwicklung“ in all ihren doch starren Ausprägungen nicht so ohne Weiteres auf „Gloria“ anwenden. Nein, Disillusion haben nicht dort angesetzt wo „Back To The Times Of Splendor“ den musikalischen Zenith eines einzigartigen Stilmix erreicht hatte und nur schwerlich durch eine lineare Weiterentwicklung zu schlagen gewesen wäre: So lässt sich auf „Gloria“ nicht ein einziger Titel ausmachen, der die magische Zehn-Minuten-Grenze überschreiten würde, die produktionstechnischen Spuren wurden auf ein Minimum zurückgenommen und die einst warme und ausufernde Atmosphäre eines vernebelten Tages am See scheint der kühlen Atmosphäre einer industriellen Progression gewichen zu sein – auf den ersten Blick wohlgemerkt, denn der Disillusionklang erscheint nach einer gewissen „Einarbeitungsphase“ vielschichtiger denn je zuvor. Anstelle einer grenzenlosen Naturromantik erscheinen die Lieder auf „Gloria“ im Lichte einer aufgehenden Sonne hinter dichtem Großstadtnebel, schweben über grünen Flecken im rötlichen Grau und bieten dem geneigten Hörer das ambivalente Bild einer Begegnung zwischen Technik und Natur. Verzweifelt und doch ruhig erheben sich melancholische Gesangslinien, untermalt mit dezenten Chören und hypnotisierenden Soundspielereien, über sterilen Gitarrenriffs, die hin und wieder auch filigran die Grundlage einer einnehmend beruhigenden als auch trostlosen Atmosphäre bilden. Disillusion wildern munter in verschiedenen Genres, verweben Dark Rock Anleihen, industrialartiges Stakkatoriffing, ambient-ähnliche Soundcollagen und progressive Elemente zu einer einzigartigen Mischung. Vermag man die Produktion im ersten Moment zu kritisieren, so zeigt sich auch diese nach und nach als eigenständiges Stilelement, gibt weder den Gitarrenwänden noch dem beschwörenden Gesang eine primäre Rolle und integriert auch die ungemein dichte Kulisse an ungewöhnlichen Soundexperimenten gekonnt in das Gesamtbild und ist keineswegs so steril, wie es den Anschein erweckt, sondern vielmehr der ausgeglichenen Ambivalenz im neuen Soundgewandt. Waren bei BTTTOS einige Passagen noch hektisch, wirkten ungestüm und unausgeglichen, so bewegt sich „Gloria“ schwerelos zwischen beiden Polen, insofern ein Vergleich der beiden Werke überhaupt angebracht ist, denn: Disillusion haben hier tatsächlich das seltene Kunststück geschafft sich soweit von ihren bisherigen Stücken zu entfernen, ohne jemals den Eindruck zu erwecken dies sei bloßer Selbstzweck und weniger Ausdruck künstlerischer Notwendigkeit. Einzig und allein der Stampfer „Don’t go any further“ wirkt trotz guter Ideen an manchen Stellen etwas plump und erscheint mir der einzige wirklich kritisierenswürdige Titel auf „Gloria“. Trotz der relativ kurzen Spielzeit der einzelnen Titel schafft es das Album jedoch spielend einen atmosphärischen Gesamtzusammenhang zu kreieren, der einen erst wieder loslässt wenn der letzte Takt des wunderschön leichten und doch melancholischen Titels „Untiefen“ verklungen ist.

„Disillusion“ haben hier etwas geschaffen, an dem sich die Geister scheiden werden. Aber mit etwas Geduld und musikalischer Offenheit eröffnet einem „Gloria“ eine ganz spezielle Welt und vermag es in den Bann zu ziehen, wie kaum eine andere Veröffentlichung der letzten Monate und vielleicht sogar Jahre. Aber das wird sich zeigen, denn das Album braucht Zeit, viel Zeit, kann dann aber durch Progressivität und frische Ideen jenseits der ausufernden Songs, endlosen Gitarrensoli mehr als nur begeistern.
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