Kundenrezension

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zwar schon älter, aber....., 19. Dezember 2006
= Spaßfaktor:3.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Suikoden 2 (Videospiel)
Und weiter geht die Reise durch die Rollenspielwelt meiner vergangenen Videospieltage, so schnell sind meine diesbezüglichen Reserven nicht aufgebraucht, habe ich alter Rollenspiel-Opi Euch auf diesem Gebiet doch noch einiges zu erzählen. Auch dieses Mal habe ich mir ein RPG (Role Play Game) ausgesucht, welches meiner Ansicht nach nicht ganz so leicht vorzustellen ist, da es über einige nennenswerte Vorzüge verfügt, aber (unter anderem auch aufgrund seines Alters) einige Videospiel-Anhänger womöglich trotzdem nicht besonders vom Hocker reißen wird. Die Rede ist von Suikoden II, welches ich Anfang 2001 in meine Rollenspielsammlung aufnahm. In der Hoffnung, dass ich Euch im weiteren Verlauf dieses Berichts die Vor- und Nachteile dieses nicht alltäglichen Videospiels verdeutlichen kann, lege ich auch sofort los.

Version

Wer mit dem Genre der Videospiel-RPGs vertraut ist oder meine vorherigen Berichte aufmerksam gelesen haben sollte, dürfte mitbekommen haben, dass circa 80 Prozent der Rollenspiele aus Fernost den europäischen Markt leider gar nicht erreichen.

In Europa und insbesondere leider auch in Deutschland ist die Videospiel-Anhängerschaft (immer noch) vergleichsweise jung, ganz im Gegenteil zu Japan, wo fast flächendeckend alle Generationen in dieser Hinsicht vertreten sind. Wird hierzulande aufgrund der genannten Zielgruppe deutlich mehr Wert auf Baller-, Prügel- und Rennspiele gelegt, ist es in Japan gerade das Genre der Rollenspiele, welches die breiten Massen zu faszinieren imstande ist. Kurzum, gelangt ein RPG aus Fernost bzw. Übersee zumindest als amerikanische Version (denn mein Japanisch ist nicht ganz so klasse) auf den Markt, bin ich schon erfreut. Handelt es sich dann auch noch um eine europäische PAL-Version, die sich dann auch ohne spezielle Umbauten auf Eurer Playstation spielen lässt, horche ich erst recht auf. Und sollte dann tatsächlich eine Übersetzung ins Deutsche vorhanden sein, bin ich vor Begeisterung kaum noch zu halten. Vorausgesetzt natürlich, dass das Spiel an sich nicht allzu sehr vergurkt wurde. Und genau die von mir gewünschten Grundvoraussetzungen sind hier bei Suikoden der Fall. Zumindest die Version, über welche ich Euch nun berichten werde, ist eine deutsche PAL-Version, daher bin ich natürlich diesbezüglich schon einmal nahezu rundum zufrieden. An dieser Stelle möchte ich aber fairerweise auch nicht ganz unerwähnt lassen, dass die Übersetzung hier bei Suikoden II oft missglückt ist bzw. von der Wortwahl her nicht immer so passend zur jeweiligen Atmosphäre gewählt ist, aber was soll's, man kann nicht alles haben. Jedenfalls denjenigen von Euch, die sich in der englischen Sprache nicht ganz beheimatet fühlen, lege ich diese deutsche Version nahe.

Extra

Dieser zweite Teil schließt an den ersten Teil Suikodens an, gerade Fans von Suikoden werden hocherfreut darüber sein, viele alte Bekannte auch hier in Suikoden II vorfinden zu können. Als Clou könnt Ihr tatsächlich einen alten Speicherstand aus dem Vorgängerteil hier bei Suikoden II laden (vorausgesetzt Ihr habt den ersten Teil auch brav durchgespielt) und im weiteren Verlauf darüber staunen, dass sich die Geschichte dann in der Tat leicht anders entwickelt. Ich empfehle (zumindest habe ich dies so gemacht), beim ersten Mal Suikoden II "ganz normal" durchzuspielen und beim zweiten Mal eben auf jene eben geschilderte Weise. Das wollte ich doch nicht ganz unerwähnt lassen, ein sicherlich bemerkenswertes Extra, wie ich finde.

Geschichte

Sollte ich Euch nicht allzu sehr mit dem Preis geschockt haben und Ihr immer noch zumindest etwas Interesse an diesem Rollenspiel haben, erzähle ich Euch nun gerne, worum es eigentlich in Suikoden II geht. Nach einem schön anzuschauenden Intro seht Ihr zwei junge Soldaten als Hauptfiguren, die sich einem brutalen Überraschungsangriff auf ihr Militärcamp gegenübersehen. Tatsächlich wurden sie von ihrem Heerführer verraten, niemand sollte jenen verheerenden Angriff überleben, denn ein Krieg soll dadurch provoziert werden. Doch den beiden Protagonisten gelingt es glücklicherweise zu entkommen, sie stürzen sich von einer Klippe in einen reißenden Fluss, dessen starke Strömung sie aus ihrer prekären Lage befreit, die Flucht gelingt. Einer von den beiden entpuppt sich als unser Held, welcher in der Folgezeit an Land gespült und von zwei alten Bekannten des ersten Teils (Flik und Viktor) gefunden wird. Kurz darauf erfahrt Ihr, dass ein Krieg zwischen dem Highland-Königreich, einem (nunmehr) Militärstaat und dem Land Jowston ausgebrochen ist. Der Führer des Militärstaats ist mittlerweile völlig durchgeknallt, um es einmal salopp auszudrücken. Er metzelt alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt, egal ob Männlein oder Weiblein, jener Prinz frönt seiner blutrünstigen und sadistischen Ader in erheblichem Maße, fast niemand ist im weiten Land vor seinen Greueltaten sicher. Diesem Treiben muss natürlich auf dem schnellsten Wege Einhalt geboten werden und "natürlich" ist genau dies Eure Mission. Daher macht Ihr Euch auf eine sehr lange und beschwerliche Reise, in der Hoffnung, möglichst viele Mitstreiter zu finden. Und tatsächlich trefft Ihr im weiteren Verlauf auf einige alte und neue Bekannte...

Ich kann Euch sagen, dass diese Geschichte hochinteressant ist, was ja generell den Kernpunkt bei einem Rollenspiel ausmachen sollte. Sowohl mit dem Helden und den daraufhin sich dazugesellenden Figuren bzw. Mitstreitern konnte ich mich größtenteils sehr gut identifizieren. Des weiteren bietet die Geschichte von Suikoden II nicht nur eine spannende Handlung, sondern beinhaltet zudem auch viele überraschende Wendungen. Dass eben jene Handlung mich tatsächlich fesselte und schnell in ihren Bann zog, lag daran, dass ich das Spiel innerhalb von etwa drei Wochen dann auch brav durchgezockt hatte. Ein klares Plus hier also.

Spielablauf

Ungefähr genauso wichtig ist natürlich der Ablauf der Rahmenhandlung und auch hier kann ich Erfreuliches berichten. Insgesamt könnt Ihr bis zu sage und schreibe 108 Charaktere entdecken. Dies war auch schon eine große Stärke des ersten Teils, was auch hier ein eindeutiges Plus darstellt. Allerdings müsst Ihr ordentlich Zeit investieren, wollt Ihr wirklich alle Charaktere aufspüren. Noch schwieriger ist es bei einigen Personen, diese zum Beitritt in Eure Gruppe bewegen zu können. Manche Figuren schließen sich Euch automatisch an, andere erst, wenn Ihr diesen einen speziellen Gefallen getan habt. Oft erschließen sich Euch dann Mini-Spiele als Nebenaufgaben, welche für eine willkommene Abwechslung sorgen. Hat sich Euch ein Charakter dann angeschlossen, heißt dies nicht unbedingt, dass Ihr diesen auch im Kampf anwählen könnt. Nein, es kommt eine weitere außergewöhnliche Komponente hinzu. Eure gesamte Truppe ist nämlich in einem großen Schloss beheimatet, dieses stellt praktisch Eure Basis dar. Und viele Helden verbleiben eben einfach im Schloss, sind eher häuslicher Natur und helfen mehr beim Renovieren bzw. Ausbau des Schlosses weiter. Jedenfalls könnt Ihr Euch bei Bedarf in den Räumlichkeiten dieses Schlosses mit der immer größer werdenden Anzahl an Bewohnern totquatschen. Zudem entwickelt sich auch im Erfolgsfalle das Schloss an sich auch weiter, insgesamt bis zum Level 4 ist ein Ausbau möglich. Fairerweise möchte ich aber auch hier sagen, dass dies nicht jedermanns Geschmack ist, zumindest als interessantes, nett gestaltetes Beiwerk möchte ich das gesamte Geschehen im Schloss schon bezeichnen.

Doch natürlich sind Eure Hauptaktivitäten nicht häuslicher Natur, selbstverständlich steht das Kämpfen im Vordergrund. Und auch hier weiß Suikoden II durchaus positiv zu überraschen. Es gibt verschiedene Arten des Kampfes, auf die ich aber nicht im Detail eingehen möchte, um Euch nicht zu sehr zu langweilen. Einerseits kämpft Ihr in rollenspielgewohnter Manier gegen plötzlich auftauchende Gegner bzw. Monster, die Ihr dann in rundenbasierenden Kämpfen niedermetzelt. Je nach Fähig- bzw. Fertigkeiten der Charaktere kommt Ihr mehr oder weniger schnell dran und könnt dann Eure physischen oder magischen Attacken oder Verteidigungsaktionen ausführen. Jene "Normalen" Kämpfe gestaltet Ihr als 6er-Trupp, den Ihr vorher mit einzelnen Helden entsprechend als Euren Kampftrupp ausgewählt habt. Drei davon stehen in erster Reihe, die etwas sensibleren Naturen wie Bogenschützen, Magier und Heiler natürlich etwas gesicherter in der zweiten Angriffslinie. Ab und zu kommt es aber auch zu Duellen mit einem Feind, die aber relativ einfach strukturiert sind und nach dem Papier-Schere-Stein-Prinzip ablaufen. Und schließlich gilt es noch kleine Schlachten zu führen, in denen Ihr eine Armee befehligt und Eure Truppen möglichst strategisch klug verschiebt. Eure Waffen müsst Ihr übrigens bei den weit verstreuten Schmieden aufrüsten, das geht ordentlich ins Geld, aber wofür kämpft Ihr eigentlich denn auch?? Ach so, wegen der Ehre, hätte ich doch fast glatt vergessen, ja sicher. Ihr seid schließlich bei Suikoden eigentlich primär damit beschäftigt, neue Pappkameraden zu rekrutieren, wichtige Gegenstände aufzuspüren und natürlich fiese Subjekte aus dem Weg zu räumen. Alles in allem seht Ihr, dass sowohl das Treiben im Schloss als auch das Geschehen in den zahlreichen Kämpfen sich sehr abwechslungsreich gestaltet, was demzufolge auch als ein klares Plus dieses RPGs gelten sollte.

Steuerung

Hier kann ich mich sehr kurz fassen, denn die Steuerung der zahlreichen Helden als auch der Truppen in den vereinzelten Schlachten geht Euch nach einer kurzen Eingewöhnungsphase sehr leicht von der Hand. So war es zumindest bei mir. Die Menüführung ist zudem auch nicht allzu sehr verwirrend und sollte keinen echten Stolperstein für Euch darstellen. Auch Anfänger sollten sich meines Erachtens in diesem Punkt ziemlich schnell zurechtfinden können. Die Steuerung ist somit meiner Meinung nach hier generell gut und logisch durchdacht.

Grafik

Jaja, die gute alte Grafik in Rollenspielen, ein zweischneidiges Schwert und eigentlich immer ein heftiger Diskussionspunkt, zumindest, was die Gewichtung der grafischen Darstellung betrifft. Ich bin jemand, der die Geschichte, die Identifikation mit den einzelnen Figuren, den Spielablauf und überhaupt die Spielatmosphäre an sich bei Rollenspielen stärker gewichtet als die Qualität der dargebotenen Grafik. Doch natürlich wünsche ich mir eine TOP-Grafik, das ist keine Frage, doch oft bzw. gerade bei Rollenspielen ist diese des Öfteren eher mäßig. Den echten RPG-Fans wird dies egal sein, potentielle Einsteiger in dieses Genre lassen sich aber leider immer wieder von der oftmals nur durchschnittlichen Grafik abschrecken. Zugegebenermaßen ist auch hier bei Suikoden II die Grafik eher bescheiden, allenfalls durchschnittlicher Natur. Und ganz sicher kann diese nicht im entferntesten mit der opulenten Grafik der berühmten Final Fantasy Teile oder etwas Vergleichbarem mithalten, keine Frage. Das Intro ist hier bei Suikoden II schön, die Figuren auch nicht kleine Knuddelwesen und auch die Gesichter sind detailliert gezeichnet, das hat mir schon gefallen. Ansonsten watschelt Ihr in einer unspektakulären 2D-Perspektive von schräg oben durch die Gegend, zumindest die Übersicht verliert Ihr nie. Grafikpatzer sind jedenfalls so gut wie gar nicht zu entdecken, doch in Begeisterungsstürme werdet Ihr bestimmt nicht verfallen, dafür ist die ganze Optik eben etwas bieder. Alles in allem würde ich die Grafik als durchschnittlich bezeichnet, sie wirkt größtenteils doch schon etwas veraltet.

Musik

Auch was die Auswahl der Musikstücke oder der Soundeffekte angeht, ist sicherlich vieles Geschmackssache. Eigentlich sind die Melodien ja ganz okay, allerdings erwarte ich gerade bei Rollenspielen da deutlich mehr als hier bei Suikoden II. Denn gerade exzellente RPGs zeichnen sich immer wieder durch mitreißende Soundtracks, oftmals durch richtige Ohrwürmer aus, die einen oft schon fast melancholisch werden lassen. So ist es hier bei diesem RPG allerdings nicht. Ähnlich wie die Grafik ist die Musik sicher nicht vergurkt, aber besonders hervorzuheben ist das präsentierte Gedudel allerdings auch nicht. Daher von mir auch in punkto Musikauswahl nur eine durchschnittliche Bewertung.

Schwierigkeitsgrad

Diesen würde ich schon als einsteigerfreundlich bezeichnen, denn ein besonderer Rätselfaktor ist nicht vorhanden und die Gegnerintelligenz ist zumeist auch nicht extrem stark. Zumindest erfahrenere Rollenspieler sollten nur sehr selten die Reset-Taste aufgrund eines Game Over drücken müssen, mir selber passiert so etwas natürlich sowieso nie. Okay, fast nie. Ab und zu hätte ich mir allerdings nach längeren Passagen doch einen Speicherpunkt gewünscht, denn solltet Ihr nach einer oft sich anschließenden Schlacht verlieren, würdet Ihr manchmal eine knappe Stunde oder mehr zurückkatapultiert. Denn ab und an taucht schon ein kniffliger Kampf auf, so ist das nicht. Generell denke ich aber, dass ein mittlerer Schwierigkeitsgrad bei Suikoden II vorliegt, mit Tendenz eher zum Anfänger als zum Profi.

Fazit

Suikoden II ist ein Rollenspielvergnügen der etwas anderen Art. Daher ist es sicher auch nicht jedermanns Sache, auch nicht unbedingt etwas für RPG-Fans. Denn die von mir unter anderem genannten Vorteile könnte sich für den ein oder anderen Rollenspieler von Euch eher als Nachteil darstellen. Denn das stundenlange Bemühen um das Rekrutieren einzelner Figuren in Eure Armee und die damit verbundenen zahlreichen Nebenmissionen gefällt womöglich nicht jedem. Auch das Aufsuchen der insgesamt 108 Charaktere und der umfangreiche Aufbau des Schlosses verbunden mit oft vorkommendem Klatsch & Tratsch mag wahrscheinlich auch nicht jeder RPG-Freak. Mir hat dies aber überwiegend gut gefallen, keine Frage, und außerdem ist es ja keine Pflicht, alle Charaktere aufzuspüren und zum Beitritt zu überreden, dies bleibt Euch ja (zumindest in vielen Fällen) selbst überlassen. Zumeist siegte bei mir aber die Neugier, wie jener gerade angetroffene Charakter sich wohl in meiner Truppe entwickeln würde. Die Geschichte ist wirklich hochinteressant und der Kampfablauf sehr abwechslungsreich. Sowohl grafische Darstellung als auch musikalische Untermalung genügen allerdings nur durchschnittlichen Ansprüchen. Hingegen erfreulich ist, dass Suikoden II tatsächlich als deutschsprachige PAL-Version hierzulande erschienen ist (wenn auch die Übersetzung manchmal peinlich schräg, oft unfreiwillig komisch ist). Demgegenüber steht allerdings auch ein in der Tat (sehr) stolzer Preis. Solltet Ihr tatsächlich etwas Interesse an diesem Rollenspiel bekommen haben, müsst Ihr Euch allerdings die von mir genannten Vor- und Nachteile gut einprägen und eine sorgfältige Abwägung vornehmen. Aus meiner Sicht hat es für eine Empfehlung jedenfalls locker gereicht, eine TOP-Wertung ist aber aus den genannten Gründen ganz sicher nicht drin. Spielspaß: 75%.
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