Kundenrezension

14 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schöne Gesamtausgabe der eher unnötigen Alben, 3. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: The Perfect Elvis Presley Soundtrack Collection (Audio CD)
Elvis Presley war zweifellos ein herausragender Sänger und Entertainer, auch ungeachtet des Mythos und der kommerziellen Ikonisierung, die ihn insbesondere nach seinem Tod zu einer lukrativen, überlebensgroßen Legende gemacht hat; die aber mehr und mehr droht das Wesentliche, nämlich die Musik, zweitrangig werden zu lassen. Abgesehen von den 10-20 ganz großen Hits, die auf unzähligen Best ofs geradezu exzesshaft immer und immer wieder zusammengerührt veröffentlicht werden und anscheinend nur noch zur akustischen Am-Leben-Erhaltung der profitablen Artikel-aller-Art-Marke "Elvis - The King" herhalten müssen, ist Elvis Presley für die meisten Menschen nur ein tausendmal gesehenes Gesicht, eine markante Silhouette; eine Lifestyle-Aussage, wie eben auch Che Guevara oder Albert Einstein (und ich fürchte es gibt inzwischen etliche, die nicht einmal wissen, dass Elvis deutlich mehr weltweite Nr.1 Hits hatte als die beiden anderen zusammen).

Und doch war Elvis Presley weit mehr als "Hound dog", "Love me tender", "In the Ghetto" oder "Suspicious minds". Die gut 50 Alben, die er zwischen 1956 und 1977 veröffentlichte, lassen sich grob in drei Karriere-Phasen einteilen: Da sind die frühen, klar definierten Rock'n'Roll-Alben bis etwa 1960/61. Und zum andern, die finalen Jahre ab 1968, stilistisch sehr anders, mit großen Band-Besetzungen, in der aufwendige Pop/Rock/Balladen-Alben entstanden und in denen er die größte Bühnenpräsenz hatte. Welche dieser beiden Perioden in Presleys Schaffen die bessere war, lässt sich nicht allgemeingültig beantworten, bedeutend und prägend waren beide. Dazwischen aber, da dürfte gemeinhin Einigkeit herrschen, lag gewiss die schwächste Phase in Presleys Lebenswerk. Die sogenannte "Film-Phase", in der er gar keine Konzerte gab und Filme wie am Fließband drehte. Und zu den Filmen ebenso die Soundtrack-Alben aufnahm.

An sich eine völlig normale Arbeitsweise in der Popmusik der 60er Jahre; auch die Beatles drehten Filme und erledigten die Musik dazu natürlich selbst ("Help!" und "A hard days night" waren beispielsweise Alben, die vollständig in Filmen gleichen Titels zu hören waren), nur stand da die Musik im Mittelpunkt und die Songs wurden nicht um ein Drehbuch herum geschrieben! Cliff Richard arbeitete auch unter Zuhilfenahme des Vehikels Film, doch auch er nicht annähernd so ausufernd wie Elvis Presley.
Etwa 30 Filme drehte Elvis von 1957 bis 1968 und lieferte dazu 17 komplette Soundtrack-Alben ab (zwischen 1962 und 1969 veröffentlichte er, abgesehen von einem Gospel-Album, überhaupt kein "normales" Studio-Album, was nicht der Appendix irgendeines Films war); zu einigen wurden auch nur EP's herausgebracht (sogenannte Mini-Alben mit meist 6 Titeln), die in die hier veröffentlichte Box teils zu einer CD zusammengefasst, teils mit Bonusstücken zum vollwertigen Alben aufgepumpt ebenfalls mit integriert wurden; zuletzt gab es zu den Filmen aufgrund des kaum mehr wahrnehmbaren Erfolges (Kinobesucher wie Plattenverkäufe) dann meist gar kein Album mehr.

Die Filme waren weitgehend leichte Kost und die Alben, bis auf ein paar Ausnahmen, ebenfalls meist reichlich unnötig. Ging man anfangs noch recht ambitioniert zu werke, verkam auch die musikalische Ausstaffierung mehr und mehr zum routinierten Herstellen von Meterware. Allzu oft kippten die Songs ins schlagerhafte und waren belangloser Füllstoff, Klangtapete für naive, bunte Leinwand-Bilder. Doch eben nicht alle! Auf jedem dieser Alben, findet man (mal ein paar mehr, oft sicher nur wenige) echte Songperlen.
Diese 20 Alben zum Einzelpreis von 7-8 oder mehr Euro zu kaufen, setzte leidenschaftliches Fantum und prinzipielle Begeisterungsfähigkeit, vielleicht auch Schmerzunempfindlichkeit, für einfach alles voraus, was irgendwie mit Elvis zu tun hat. Ansonsten wäre davon abzuraten und deutlich auf die Jahre davor und danach zu verweisen. Zumal etwa die Hälfte der hier komplett versammelten 20 Film-Alben seit Jahren vergriffen und kaum unter 25 Euro pro CD zu bekommen waren.

Vor allem darum, trotz der Gebrechlichkeit in der künstlerischen Substanz der meisten Alben in dieser Box, überzeugte Höchstwertung. Denn beim Stückpreis von nur etwa 1,60 pro Album (zum Zeitpunkt des Verfassens der Rezension kostetet die Box 31,99) lohnt die Entdeckung allemal! Weil eben doch einige, oft auch völlig untypische Songs auf jeder dieser Scheiben zu finden sind, die einem nicht entgehen sollten - Grundsätzliche Begeisterung für die Musik Elvis Presleys natürlich vorausgesetzt.

Trotz des äußerst geringen Preises, ist die Gestaltung der Box wertig und liebevoll. Die Alben stecken in stabilen Card-Sleeves im originalen LP-Design und werden ergänzt durch ein etwa 40seitiges Booklet mit allen relevanten Informationen zu jedem der Alben; alles zusammen in einem festen Karton mit abnehmbaren Deckel - gestalterisch und haptisch also identisch mit der im August 2012 veröffentlichten Box "20 Original Albums", die eine lose Auswahl von 20 regulären Studio- und Live-Alben beinhaltete. Konzeptionell mach diese neue "The Perfect Elvis Presley Soundtrack Collection" deutlich mehr Sinn, weil sie alle Alben eines Themas vereint. Die zwei noch nach dieser hier abgebildeten Periode erschienenen und in vielen Diskografien als Soundtrack deklarierten Alben, waren zum einen ein Live-Album zum TV-Special ("Elvis: NBC-Special", 1968), womit Presley ein sagenhaftes Comeback einleutete; und ein im Grunde reguläres Studio-Album ("That's the way it is", 1970) zu dem zeitgleich ein ebenso benannter Doku-Film erschien, in dem das Album natürlich eine zentrale Rolle spielt. Soundtracks zu Kinofilmen, wie alle hier in der Box, waren sie nicht und fehlen also zurecht.
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-9 von 9 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 04.01.2014 17:40:45 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.01.2014 18:02:05 GMT+01:00
schmidi meint:
Naja, "10-20 Elvis Hits" ist wohl sehr untertrieben (siehe 30 No.1 Hits, ohne viele Top 10 bzw. Top 20)! Passender wäre die Aussage, dass jeder westliche Bürger der älter als dreißig Jahre alt ist, 10-20 Elvis Songs kennt - wobei sich die Titel je nach Person natürlich unterscheiden werden.
Und wie immer ist Musik und die dazugehörige Meinung natürlich Geschmackssache, erst recht die Aussage "Unnötig" Unnötig!
Immerhin sind hier Alben wie 'Blue Hawaii' vertreten, das bis 1979 (Pink Floyd - The Wall) die erfolgreichste LP überhaupt war. "Roustabout" war auf der Höhe der 'Beatlemania' in den USA No.1 Anfang 1965! Unnötig??
" Acapulco", "Viva Las Vegas" etc. möchte ich (und viele andere) nicht missen.
Ansonsten wäre dies eine recht gute Rezension geworden. Selbstverständlich meine Meinung.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.01.2014 14:55:34 GMT+01:00
deke meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.01.2014 16:39:58 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 05.01.2014 16:40:53 GMT+01:00
Eine Spur mehr sachlicher Höflichkeit stünde Ihren Zeilen gut, verehrte(r) deke.
Abgesehen davon, scheinen Sie meinen Artikel nicht recht gelesen zu haben. Von pauschalem Beurteilen oder gar Verurteilen, kann keine Rede sein. Und notabene, zu Presleys Lebenswerk gehören alle Veröffentlichungen, seien sie nun besser oder schlechter.
Ich spreche Ihnen doch gar nicht ab, sich an den Soundtracks zu erfreuen - und Sie sollten auch nicht übersehen, dass ich diese Box ja nicht ohne Grund mit der Höchstwertung bewertet habe - und, ja natürlich, finden sich darunter reichlich musikalische Schätze. Dennoch bin ich nun wahrlich nicht der Einzige, der diese Soundtrack-Phase wohl begründet als die schwächste Phase seines Schaffens empfindet.

Und nur Interesse halber: Bis wann sehen Sie denn die Zeit, in der Presley ganz schnörkellosen Rock'n'Roll gemacht hat? Das lässt sich natürlich nicht an einem konkreten Datum festmachen, die Übergänge waren fließend, sicher.

Beste Grüße

Christian Günther

Veröffentlicht am 08.01.2014 01:55:40 GMT+01:00
Winnetou meint:
Herzlichen Dank für die so ausführliche Rezension. W.S.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.01.2014 11:52:51 GMT+01:00
deke meint:
Sie sind der Meinung ich bin sachlich unhöflich. Na gut. Wie Sie meinen. Da gibt es weis Gott schlimmere Entgleisungen im Netz. Ich kritisiere nicht Ihre Höchstbewertung, obwohl die zu kritisieren noch berechtigt wäre. Die Box strotzt nur so von Fehlern. Aber da Preis/Leistung im guten Einklang sind, Schwamm drüber. Die Firma hat sich schon schlimmere Verbrechen Elvis Werk gegenüber geleistet. Und der langjährige Fan und Sammler bedient sich eh nicht auf dem Massenmarkt. Ihre Rezi strotzt nur so von Fehlern, bedingt durch Wissen, das Ihnen offensichtlich fehlt. Schwamm drüber ;). Die große Rockn Roll Ära endete übrigens bereits in den Fifties. Reine, wie von Ihnen behauptet, Rockn Roll Alben gab es von Elvis ab 1960 nicht mehr. Das letzte Album, das Elvis mit neuem Rockn Roll Aufnahmen füllte, stammt von 1959. Die letzte Session im Frühjahr 1958, ehe es mit dem Schiff nach Deutschland ging, wo El seinen Dienst für Uncle Sam antrat. Erst 1960 nahm Elvis wieder neues Material für seine LP "Elvis Is Back" auf. Und das ist weit weg vom guten alten Rockn Roll der 50er. Gefüllt mit Pop, Blues und einigen Rockigen Stücken, aber kein reiner Rockn Roll.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.01.2014 16:42:51 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 30.01.2014 16:43:16 GMT+01:00
Naja eigentlich waren die Sessions im Frühjahr 58 alles andere als R`n`R - obwohl Elvis diesen dort auch zu Gehör brachte.

Alles in allem war die dort aufgenommene Musik, abgesehen von "I Need Your Love Tonight" wohl eher der Stilrichtung Pop zuzuordnen. Was keine Wertung sein soll. Aber z.B. "A Fool Such As..." ist in meinen Augen nicht wirklich R`n`R.

Desweiteren sind die meisten Soundtracks der 60èr tatsächlich relativ schwach. Das gilt leider nicht nur für das Songmaterial (auch hier gibts zum Glück etliche Ausnahmen, aber dennoch ....") sondern auch die Produktion.

Klanglich sind viele der Soundtrack Lp's - ganz anders als Elvis in absolut jeder Hinsicht fantastische Nashville Aufnahmen der frühen 60èr - spätestens ab "... World Fair" schwach bis grottig. "Easy Come, Easy Go" z.B. klingt unfassbar schlecht. Da man Musik in der Regel mit den Ohren hört spielt dieser Fakt ebenfalls eine gewichtige Rolle.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.02.2014 17:56:27 GMT+01:00
martin meint:
Presley hat doch auch vor 1961 schon große Erfolge mit Titeln wie "Love me Tender" oder "Are You Lonesome Tonight" die gewiss nicht in die Sparte schnörkelloser Rock`n Roll gehören.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.02.2014 15:57:10 GMT+01:00
er hat sich bei sun records ja ursprünglich auch als balladensänger vorgestellt.
bei seinen ersten aufnahmen handelt es sich um balladen, nur wurden diese damals nicht veröffentlicht.
das bedeutet aber nicht das elvis nur balladen mochte und rock`n`roll und blues als notwendiges übel empfand, seine eigene plattensammlung spricht jedenfalls dagegen.

insgesamt war der - ursprüngliche - r`n`r eben eine aufregende aber auch recht kurzlebige sache. es war sicherlich notwendig sich stillitisch zu verändern. elvis selbst hat sich wohl auch kaum als reinrassigen rocker geseheen, sondern wohl einfach als sänger und entertainer. jedenfalls lassen seine aussagen er würde einfach etwas anderes machen/singen wenn der r`n`r trend vorbei ist, diesen schluss zu.

und daran ist ja auch nix verwerfliches wie ich finde.

an der qualität vieler filmsongs leider schon.

grundsätzlich habe ich aber eher ein problem damit das elvis auf seinem höhepunkt als sänger und entertainer kaum etwas anderes aufgenommen hat als songs die seinem talent hohn sprachen. das ist die eigentliche tragik.

Veröffentlicht am 12.03.2014 11:12:44 GMT+01:00
Josef Taenzer meint:
Sehr gut geschriebene, informative Rezension!!!
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