Kundenrezension

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5.0 von 5 Sternen Glut in der Asche, 26. November 2008
Rezension bezieht sich auf: L.A. Woman (Audio CD)
"Well I'm an old blues man / (...) / I've been singing the blues ever since the world began" - mit diesen Zeilen aus Maggie M'Gill vom Vorgängeralbum "Morrison Hotel" formulierte Jim Morrison das Motto für "L.A. Woman": auf keinem anderen Doors-Album findet sich so viel Blues wie auf dem letzten mit Jim Morrison, und aus dem Adonis von 1967 war ein äußerlich und stimmlich um Jahrzehnte gealterter Säufer geworden, der aber seinen Frieden gefunden zu haben schien. Der Kreis schloss sich: wie schon für das Debütalbum entstanden die Aufnahmen in gut einer Woche (das Mischen kam extra), die Aufnahmen liefen über die Achtspur-Maschine aus den "Strange Days"-Sessions, und John Densmore benutzte sein Schlagzeug aus den Sessions für "The Doors".

Produzent Paul Rothchild hatte nach den Aufnahmen für Janis Joplins "Pearl" das Handtuch geworfen (aus unerfindlichen Gründen empfand er Riders on the Storm als "Cocktail Jazz"), und die Doors beschlossen, die Aufnahmen in ihrem Proberaum zu machen und das Album mit Toningenieur Bruce Botnick selbst zu produzieren, was die entspannte und gleichzeitig äußerst kreative Wohnzimmeratmosphäre des Albums erklärt.

Lediglich Love her madly und Crawling King Snake (aus dem Live-Programm der Doors) scheinen fertig gewesen zu sein; der Rest der Songs entstand überwiegend im Studio, z.B. indem die Doors wie schon früher Gedichte von Jim vertonten (Riders on the Storm entwickelte sich aus dem Rumalbern mit Ghost Riders in the Sky!). Um Robby zu entlasten und weil die Aufnahmen überwiegend live stattfinden sollten, wurde als zweiter Gitarrist Marc Benno engagiert, und am Bass holte man Jerry Scheff, den Bassisten aus Elvis' Band, was Jim als Elvis-Fan begeisterte.

Neben den beiden Singles Love her madly und Riders on the Storm (einem unverwüstlichen Doors-Klassiker) finden sich hier gleich drei reine Blues-Titel: das wütende Been down so long, das schläfrige Cars hiss by my Window und das bedrohliche Crawling King Snake. Auch der Rest des Albums verströmt eine bluesige und etwas unheilvolle Stimmung, wie nicht zuletzt der Titelsong zeigt. The Changeling ist eine starke Eröffnungsnummer, die mit der Zeit wächst.

Zeilen wie "I see that the bathroom is clear / I think that somebody's near / I'm sure that someone is following me /(...)/ I need a brand new friend - the end" (aus Hyacinth House) bekommen angesichts der Tatsache, dass Jim Morrison ein halbes Jahr nach den Aufnahmen in einer Badewanne in seiner Wohnung in Paris starb, den Beigeschmack einer düsteren Vorahnung (ungeachtet der Tatsache, dass der Text in einem recht harmlosen Zusammenhang entstand, wie im Booklet des "Doors Box Set" nachzulesen ist).

Ob es wohl noch ein Doors-Album gibt, bei dem gleich bei zwei Titeln - und dann noch bei zwei aufeinander folgenden - kein Keyboard zu hören ist (Been down so long und Cars hiss by my Window)? Ich vermute, dass es Ray ist, der bei Been down so long die Blues-Licks einspielt, die sehr an seine Rhythmusgitarre in Maggie M'Gill erinnern; ein Foto im Booklet zeigt ihn an der E-Gitarre.

Zum 40. Jahrestag von "The Doors" wurde auch dieses Album von Bruce Botnick neu abgemischt. Dabei hielt er sich im Großen und Ganzen an das Klangbild des Original-Mixes. Ein paar kleinere Änderungen nahm er vor: so sind das Schlagzeug fast durchgängig leicht nach rechts und der Bass leicht nach links gemischt; der Titelsong beginnt jetzt mit ein paar Tönen, die mich entfernt an eine Veralberung der englischen Nationalhymne erinnern, und Jims Gesang klingt hier klarer, ebenso wie bei The WASP. Ein paar Keyboard-Spuren, die bisher nur nacheinander zu hören waren, laufen jetzt parallel (z.B. bei Love her madly, das jetzt mit einem bisher unbekannten Schellenkranz aufwartet), dafür wurde bei The Changeling die dritte Gitarre weggelassen. Botnick konnte sich ein paar Stereo-Spielereien nicht verkneifen: die "Mr. Mojo rising"-Zeilen (in L.A. Woman) werden ebenso wie ein paar kurze Schlagzeug-Breaks übers Stereopanorama geschickt (s. Love her madly und The WASP); das Orgelsolo in Hyacinth House und die Gitarren- und die Orgel-Spur in L'America mäandern ebenfalls über den Stereokanal. Eine kleine Offenbarung ist die bisher unbekannte vierte Strophe in Cars hiss by my Window, die ohne ersichtlichen Grund aus der Originalversion rausgeschnitten wurde (dafür fehlt jetzt die Percussionspur). Der Remix des Albums bietet ein differenzierteres Klangbild und gibt einige unbekannte Details frei.

Die beiden Bonustracks sind das verträumte Orange County Suite (mit Jim am Klavier), das die Doors bereits '95 für ihr "Box Set" nachträglich aufbereitet hatten, und die von Ray gesungene und vermutlich nach Jims Abreise nach Paris und speziell für diesen Zweck aufgenommene B-Seite von Riders on the Storm, (You need Meat) Don't go no further, die die Besetzung der nächsten beiden Doors-Alben ohne Jim Morrison vorwegnahm. (Den Original-Mix findet man nach wie vor nur auf der Doppel-LP "Weird Scenes inside the Goldmine".) Schade, dass man bei dieser Gelegenheit nicht auch den Single-Edit von Riders on the Storm mit veröffentlicht hat; mich hätte interessiert, wo die Doors die Schnitte setzten (dasselbe gilt für den Single-Edit von Light my Fire von 1967).

Das Booklet der Jubiläumsausgabe enthält Erinnerungen von Bruce Botnick und Ben Fong-Torres sowie schöne Fotos aus den Sessions und alle Songtexte. Das Debütalbum der Doors mag ihr erfolgreichstes gewesen sein; "L.A. Woman" ist ein durchgehend starkes Album und hat für mich denselben Klassiker-Status.
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Rezensentin / Rezensent

Toby Tambourine
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   

Ort: Gießen

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