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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen düstere utopie oder bittere realität?, 13. April 2007
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Fear of a Blank Planet (Audio CD)
nachtrag vom 25.04.2007:
okay, dieses ewige genörgle über die härteren gitarrenparts auf den neueren pt-alben ist ja nichts neues. vllt sollten sich die leute, die absolut nichts mit metal(l)haltigen riffs anfangen können, einmal klar machen, dass die band sich dazu entschieden hat, diese musikalische richtung einzuschlagen, bevor in unzähligen rezensionen steven wilson immer wieder ans herz gelegt wird, doch bitte auf alles harte in der musik zu verzichten. musik ist kunst - und über seine eigene kunst entscheidet nun immer noch der künstler selber. und wenn pt auf der stufe von "stupid dream" oder "in absentia" stehen geblieben wäre, wäre die band mittlerweile vllt tot. pt steht für veränderung und eigenständige musik auf hohem niveau - dafür liebe ich diese band. und was mir bei den letzten drei veröffentlichungen den größten kick gegeben hat, waren ohne zweifel die "knüppelharten metalelemente" - gerade die kombination aus zerbrechlicher melancholie und wilder aggression stellt für mich einen besonderen reiz dieser musik dar.
mir ist klar, dass die geschmäcker verschieden sind und bei weitem nicht jedem FoaBP gefällt. aber mich verärgert es dann doch, wenn persönliche meinungen im hinblick auf musikalische qualität oder kompositorische kreativität des albums als allgemeingültige paradigmen dargestellt werden (Jeder kann solche dinge nur subjektiv beurteilen, oder etwas nicht?). wem die musikalische marschrichtung von pt nicht gefällt, der soll sich doch bitte anderen bands zuwenden oder die alten pink floyd-platten aus dem schrank holen.
schließlich will und muss ich noch eine lanze für gavin harrison brechen, der hier als "mr. drumcomputer" oder "metronomhacker" verteufelt wird. wer ihm monotone, uninspirierte spielweise vorwirft, hat sich meiner meinung nach keine 30 sekunden mit seinem bisheringen lebenswerk beschäftigt. der mann ist vollblutschlagzeuger und -musiker durch und durch. davon kann man sich auf seiner homepage (www.drumset.demon.co.uk) mehr als genug überzeugen. mir ist jedenfalls angesichts der langen liste von studioaufnahmen, touren und sonstigen musikalischen projekten, in denen gavin involviert war und ist, die kinnlade runtergeklappt. technisch so versierte schlagzeuger mit einer vergleichbaren bandbreite an beherrschten stilistiken findet man selten - und im studio ist sowieso jeder schlagzeuger (ausgenommen vllt bei live-aufnahmen) ein "metronomhacker".

zum konzept des albums wurde hier ja bereits viel geschrieben. ich denke nicht, dass der größte teil der jugendlichen heutzutage tabletten gegen psychische störungen nimmt, so viele hardcore pornos gesehen hat, dass diese mittlerweile langweilig geworden sind, und zugedröhnt mit einer knarre durchs einkaufszentrum marschiert. für mich stellt dieser teil des konzepts eher eine düstere utopie in naher zukunft dar.
jedoch ist die hofnungslosigkeit aufgrund fehlernder perspektiven durchaus ein aktuelles problem in unserer gesellschaft. man denke nur an die vielen jugendlichen ohne schulabschluss, den mangel an lehrstellen, die teilweise rauhe und kalte atmosphere an schulen, außenseiter, die ausgegrenzt werden und keine freundschaften aufbauen können,... hier stimme ich herrn wilson voll und ganz zu, und ich sehe es auch als eine aufgabe der gesellschaft, diese dinge besser in den griff zu bekommen.
aber zurück zur musik. durch seine kompakte länge vermittelt das album eine ungeahnte komplexität, ich habe jedenfalls nicht das gefühl, dass irgendeine passage überflüssig oder überdehnt ausgefallen wäre. die musik vermittelt hoffnungslosigkeit in ihren verschiedenen ausprägungen: wut, aggression, depression, trauer, lethargie. das ganze album hindurch begleiten wir einen jugendlichen, der ohne perspektiven ein ziel- und sinnloses leben führt, sich diesem sachverhalt aber voll bewusst ist. die lyrics gehen eine perfekte symbiose mit der musikalischen aussage des albums ein.
der titeltrack stellt inhaltlich eine zusammenfassung des albums dar. zu anfang erklingt nur eine akustische gitarre. nach und nach steigen die anderen instrumente ein, bis das lied volle fahrt aufnimmt. ein gelungener, rockiger opener.
my ashes ist eine ruhige ballade, die mit gitarre, klavier und gesang beginnt und sich im verlauf des lieds langsam steigert. der jugendliche wird sich bewusst, dass er sein leben in den sand gesetzt hat und innerlich vereinsamt. im refrain kommen erinnerungen an glücklichere kindertage auf.
anesthetize bildet das herzstück von fear of a blank planet. das lied lässt sich in drei teile untergliedern. zu anfang ist das lied sehr sphärisch, das schlagzeug begleitet überwiegend auf den toms. dann nimmt das lied langsam fahrt auf, der rhythmus wird straight. es folgt ein längerer instrumentalteil, bis ein heftiges riff einsetzt und den zweiten teil des lieds einläutet, für mich einer der grandiosesten momente, die ich von porcupine tree kenne. besser kann man durch tabletten bedingte lethargie und aggression nicht in musik und text umsetzen. einerseits sieht man den jugendlichen zugedröhnt vor dem fernseher, zu tode gelangweilt, aber zu unmotiviert, um den sender zu wechseln. andererseits läuft der jugendliche mit einer pistole ziellos durch ein einkaufszentrum und kämpft mit sich, seinen aggressionen nicht zu erliegen. wütende riffs voller aggression brechen über den hörer hinein. nach der härtesten passage, die ich von pt kenne, erklingt nocheinmal der mächtige refrain, bevor das lied im letzten teil langsam und irgendwie tröstend ausklingt.
mit sentimental wird man nach diesem ritt der emotionen wieder sanft aufgefangen, ein ruhiger song, der thematisch die angst vor dem erwachsenwerden behandelt.
way out of here beginnt wieder sehr sphärisch, bevor schlagzeug und bass einsetzen und der emotionale refrain erklingt. es wird das bild eines sehr introviertierten menschen gezeichnet, der probleme hat mit anderen in kontakt zu treten, wahrscheinlich weil er von einer geliebten person einmal sehr verletzt wurde. es zeigen sich deutliche eskapistische tendenzen. gegen ende des liedes setzt ein heftiges riff ein, gavin harrison darf in ausgedehnter form seine künste am schlagzeug zeigen, bevor der song langsam ausklingt.
plötzlich setzt eine mächtige synthiewand ein und wir befinden uns bereits mitten im letzten lied "sleep together". es dominieren industrial- und synthieklänge. spätestens wenn bass und schlagzeug einsetzen, sollte man seine stereoanlage lauter gedreht haben, denn den treibende rhythmus kombiniert mit den teilweise fies-schiefen synthiestreichern gab es bei porcupine tree in dieser form noch nicht. im mittelteil dominiert eine ruhigere passage, die sich langsam zum großen finale auftürmt. der liebesakt wird hierbei mit der flucht aus dem eigenen verkorksten leben gleichgesetzt. es bleibt offen, ob die geschichte unseres jugendlichen mit suizid endet oder "let's leave forever" einfach nur den endgültigen ausbruch aus dem eigenen tristen alltag darstellt.

so intensiv gab es porcupine tree jedenfalls noch nicht zu hören!
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