Kundenrezension

85 von 100 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Schuld in unseren Sternen?, 20. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Schicksal ist ein mieser Verräter (Gebundene Ausgabe)
Meine Vorbehalte gegen ein Buch mit dieser hochsensiblen Thematik ließ ich mir durch das Zitat der Hauptperson des fiktiven Romanes, der 16-jährigen Hazel "Krebsbücher sind doof" zerstreuen. Ich schloss daraus, dass ein Kult-Autor wie John Greene über alle strapazierten Klischees der Erzählungen von sterbenden Kinder und Jugendlichen hinaus, einen literarisch neuen Weg findet.

Auch wenn ich an dem Buch (gebremsten) Gefallen fand, hat der Autor tatsächlich auch nur an den immer korrekt funktionierenden Schnüren der Akteure gezogen, um eine kalkulierte Wirkung bei den jungen Lesern zu beabsichtigen. Kein neuer Ansatz, leider! Woher der Hype? Woher die Leserbegeisterung? Für mich stellen gerade die zahlreichen überschwänglichen, geradezu euphorischen Rezensionen den Beweis dafür dar, dass emotionale Hilflosigkeit zu übertriebenem Lob führen muss. Wer will schon bei Ablehnung (übrigens zu Unrecht) als Gefühlskrüppel denunziert werden?

Auch OHNE eine lebensbedrohende Krebserkrankung wäre eine vergleichbare Erzählung möglich gewesen, doch der Mensch scheint vermeintlich philosophische Tiefe, Metaphern und Aphorismen nur dann als authentisch und glaubwürdig zu akzeptieren, wenn sie von Menschen "an Grenzen", physisch oder psychisch, ausgesprochen werden. Warum muss die Tragik einer tödlichen Erkrankung gepaart werden mit einer Erkenntnistiefe, die ich niemanden absprechen möchte, die ich aber in der Fülle, wie sie in diesem Roman auftritt, als unglaubwürdig heroisch und unecht empfinde.

Jung sterben zu müssen, die eigenen Kinder überleben zu müssen, adelt nicht - es ist IMMER unfair und Menschen haben jedes Recht der Welt, es genauso zu sagen - ohne erhabene Phrasen, wie "Erst Leid lässt uns Glück wahrnehmen" oder ähnliche. Dieser Hype, dieses SUCHEN nach einem Sinn, wo keiner ist; wir wollen unsere Kinder, egal ob gesund oder krank trösten - selbst da, wo es keinen Trost gibt und unsere Kinder wollen diesen Trost irgendwo FINDEN.

Einige Passagen sind ergreifend, nachdenkenswert oder schlichtweg traurig, aber als Leser sollte man sich darüber klar sein, dass John Green professionell genug arbeitet, um jedes einzelne Gefühl bewusst plaziert hat und geschickt die großen Schlüsselwörter zum Gefühlstor, wie Krebs, Kinder, Sterben und Tod, verwaiste Eltern, Herzenswunsch, ja sogar Anne Frank mit ihrer WAHREN todtraurigen Biografie musste dafür herhalten, auslegt. Also doch nur ein "Schei.. Krebsbuch"?

Da altersunabhängig jeder Leser sich seine ganz persönliche Wahrheit aus Romanen dieses Genres zieht, stellt es mit Sicherheit einen Lesegewinn dar! Die intelligente Story, die Zitathäufungen und Denkanstösse sind überdies wichtig für die Entwicklung der wichtigen Neugier (nicht auf den Tod, sondern vor allem auf Leben). Sich emotional zu orientieren kann nicht falsch sein, und viele von uns sehen ja auch gerne mal tränenreiche Filme, um aus voller Seele mitleiden zu können. Innerhalb dieses "grünen Bereichs" ist alles gut, nur vor Überbewertung der geschmeidig präsentierten Lebensweisheiten und Aphorismen sei gewarnt.
(T)
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Von 1 Kunden verfolgt

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1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 31.08.2013 19:26:58 GMT+02:00
schnurzepiepl meint:
Ich hab' das Buch auf Englisch gelesen, deswegen traue ich mich nicht, darüber selbst einen Text zu verfassen.
Muss ich auch nicht: Ihre trifft den Nagel auf den Kopf!
Ich war nach der Lektüre regelrecht verärgert, nicht wegen des Realitätsgehaltes, sondern eben weil genau zu spüren war, wie der Roman als Tearjerker eher programmiert als geschrieben wurde. Kinder, Krebs, Krankheit, Tod, Schicksal, das Ganze dann gewürzt mit einer Kaskade von -zugegeben- geistreichen Dialogen. Bei der Nummer mit Anne Frank war es dann einfach zu viel und zu durchsichtig.
Ich hätte nur zwei Sterne vergeben.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.12.2013 19:53:27 GMT+01:00
Christina meint:
a) John Green hat einen großen Teil des Buchs im Amsterdam geschrieben. Er hat die Stadt und das Anne Frank Haus nicht zufällig ausgesucht. Warum Amsterdam? Wasser. Hazels Lungen sind voll Wasser und Amsterdam ist voller Kanäle. Es war sehr wohl eine bewusste Auswahl und auch die "Nummer mit dem Anne Frank Haus" ist nicht nur im Buch, um noch eine Schippe drauf zu packen.
b) Green hat einen persönlichen Bezug sowohl zu dem Buch als auch zu dem Inhalt. Warum? Esther Earl. Ein Mädchen, das viel zu früh sterben musste und Teil der Community war, die im Internet als "nerdfighters" bekannt ist. Green hatte persönlichen Kontakt zu dem Mädchen und unterstütze sie und ihre Familie - nicht nur zu ihrer Lebenszeit, sondern auch darüber hinaus. Esther hat Tagebuch geschrieben. Heute, einige Monate nach ihrem Tod, ist die Veröffentlichung ihrer Notizen geplant. This Star Won't Go Out: The Life and Words of Esther Grace Earl
Mit einem Vorwort von John Green. Hazel ist nicht gleich Esther, aber: Das Buch ist ihr gewidmet.

Daraus folgt: c)

Ja, vielleicht hätte die Story ohne Amsterdam und Krebs und Anne funktioniert. Aber warum sollte sie? Es ist Greens Buch. Es ist Esthers Buch. Und es ist ein verdammt gutes Buch.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.12.2013 15:58:21 GMT+01:00
Hallo Christina,

vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihre interessante Ansicht.

Ist nicht JEDER Tod eines Kindes oder jungen Menschen (auch durch Krieg, Hunger, Verwahrlosung, häusliche Gewalt ...) "viel zu früh", nicht jede ernste Erkrankung Qual für Erkrankte und deren Angehörige? Sind wir Menschen so abgestumpft, dass wir nur noch Tränen vergießen können, wenn wir Krankheit und Tod mit einem Namen verbinden können. Kennt oder kannte nicht jeder einen Nächsten, der schwer erkrankt ist oder schon an z.B. Krebs sterben musste?

Ist das Buch tatsächlich nur deshalb ein so, wie Sie schreiben, "verdammt gutes" Buch, weil es Esther Earl gewidmet ist oder weil Hazel und ihr Freund unglaubhaft verkopfte Dialoge führen? Für mich liegt die Tragik im Ereignis selbst und nicht in geplanten Autorentricks, die punktuell und virtuos einen tränenrührigen Akzent setzen. Ob die Geschichte in Amsterdam spielt, ist für mich nebensächlich - die Story gedanklich mit dem ganz eigenständigen, tragischen Schicksal Anne Franks und ihrer Familie zu verknüpfen, finde ich für meinen Empfinden "daneben" - sorry!

Sie haben Recht, es ist GREENs Buch - jedoch geschrieben für eine öffentliche Leserschaft. Ich habe es gelesen und die Rezension war MEINE ganz persönliche Meinung.

Veröffentlicht am 15.07.2014 23:44:57 GMT+02:00
Sarah Naor meint:
Leute, es ist ein JUGENDBUCH! Ganz eindeutig und klar! Jugendliche brauchen solche Bücher um ihren Gefühlen eine Stimme zu geben, eine Projektionsfläche. Für mich war das Buch sehr durchschaubar und da schliesse ich mich der Verfasserin der Rezension an, aber wir Erwachsene müssen es nicht gut finden, sondern mit unseren Teenagern über die Themen sprechen, und da gibt es eine Menge Gesprächsstoff! Übrigens fand ich die Figur des gescheiterten Schriftstellers viel zu unaufgelöst...so als hätte John Green diese Figur erfunden und wüsste nun nicht mehr was er mit ihr anfangen sollte...

Veröffentlicht am 13.10.2014 17:04:47 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.10.2014 17:07:19 GMT+02:00
Bella Mar meint:
"Geschmeidig präsentierte Lebensweisheiten und Aphorismen" - wow, klingt sehr schön. Darum geht es in diesem Buch aber eigentlich gar nicht. Jeder hat seine persönliche Lebensweisheit oder -wahrheit, was immer. Wahrscheinlich hat Green in seinem Job als Krankenhausseelsorger eine Menge davon gehört, genau wie jeder, der Sterbende betreut. Und DAS ist das zentrale Thema des Buches, das Green - Sie mögen mir verzeihen - auf sicherlich emotionale Weise, aber doch eben ziemlich authentisch einfängt: Dass Sterben selten schön und beinahe nie gerecht ist.
Jeder, der onkologische Patienten betreut hat (habe ich und tue es noch), weiß wie emotional dies manchmal ist, auch wenn man versucht, seine Objektivität zu wahren. Und jeder, der davon betroffen ist, ob als Patient, Angehöriger oder Betreuender, hat auch das Recht, "hochtrabende" Lebensweisheiten und Aphorismen von sich zu geben. Die sind sicher nicht der Weisheit letzter Schluss - bloß wird ja auch gar nicht der Anspruch erhoben. Man versucht nur, auf seine ganz persönliche Weise mit dem Erlebten umzugehen. So auch John Green.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.10.2014 15:58:18 GMT+02:00
Hallo Bella Mar,
vielen Dank für Ihren Kommentar, dem ich annähernd komplett zustimme, was Sie vielleicht auch wahrgenommen hätten, hätten Sie die Rezension und die Kommentare dazu vollständig gelesen. Jeder Mensch hat seine ganz eigene "Strategie" mit Krankheit, Tod oder Trauer umzugehen. Ich hatte und habe auch keine Schwierigkeiten mit Emotionalität (ich hätte sonst wohl kaum das Buch gekauft), sondern mit der, wie ich es empfinde, sehr amerikanischen Aufarbeitung, die gerne mal im Ausdruck drastisch übertreibt. Ich bin noch sensibel genug ausgestattet, um feinere Schwingungen und Nuancen nachempfinden und spüren zu können. Das Non-Stop-Feuerwerk an literarischer, psychologischer und theologischer Reifezeugnissen, empfand ich einfach unglaubwürdig und unnötig.

Vielleicht lag Greens Absicht sogar genau darin, zu polarisieren, zu genau dieser hier stattfindenden Diskussion anzuregen (sofern diese sachlich bleiben - bedauerlicherweise gibt es bei einigen Kommentaren zu anderen Rezensionen unerträgliche Ignoranz und Impertinenz). Und irgendwie ist ein Buch, dass zum toleranten Gedankenaustausch anregt, schon fast immer ein gutes Buch.

John Green spreche ich doch seine Erlebnistiefe und Aufarbeitungsmethoden nicht ab. Aber er muss sich, wenn er als Autor professionell veröffentlicht, der Kritik stellen, dass nicht JEDER Leser sich mit seiner Sichtweise identifizieren kann. So auch ich.
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