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4.0 von 5 Sternen Guter, anfangs verwirrender Appetithappen, 13. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Linoleum Ep (Audio CD)
Die letzten beiden Jahre waren recht turbulent für die Prog Metal-Band Pain of Salvation. Zuerst fliegt Bassist Simon Andersson schneller wieder aus der Band als er gekommen ist, dann verlässt der langjährige Schlagzeuger Johan Langell die Gruppe um sich mehr seiner Familie zu widmen und dann sehen sich die Schweden aufgrund der Pleite von SPV gezwungen auch die Progressive Nation-Tour von Dream Theater durch die USA abzusagen. Aus diesem Grund wurden auch die Arbeiten an einem neuen Album namens Road salt eingestellt. Aber nachdem jetzt der Branchenriese EMI bei Pain of Salvations Label Inside Out in die Bresche gesprungen ist, kann es endlich wieder mit Vollgas weitergehen. Die neue Doppel-CD soll jetzt Anfang 2010 erscheinen. Aber um die Wartezeit bis dahin zu verkürzen, offenbart man den Fans eine Handvoll neuer Songs in form der halbstündigen EP Linoleum.

Und wie man es von der Band gewohnt ist, klingt sie wieder ein Stück anders, aber ist eindeutig als Pain of Salvation zu identifizieren. "Linoleum" und "Mortar grind" rocken heftig, garstig, sehr düster und klingen etwas spröde, wie ein angriffslustiges aber zugleich extrem verletzliches Tier. Die Arrangements sind straff, ohne überflüssige Breaks und Gefrickel, aber besitzen trotzdem jede Menge Tiefgang. Vor allem durch den Gesang von Mastermind Daniel Gildenlöw, der hier angefeuert von anfangs Led Zeppelin-artigen Riffs wieder voll aus sich heraus geht. So emotional, geheimnisvoll, bisweilen auch ziemlich pathetisch und haarscharf an der Grenze zum Übertriebenen klang er schon lange nicht mehr. Endlich schafft er es wieder richtig zu berühren und den Hörer mitzureißen. Beim mit luftigen Gitarrensounds versehenen "If you wait" stirbt er tausend Tode.

Die anfangs recht zurückhaltende Ballade "Gone" ist dagegen ein richtiges Kontrastprogramm. Mit einer einfachen, aber effektvollen Gitarrenlinie und treibend akzentuierten Drums (der neue Schlagzeuger Léo Margarit leistet hervorragende Arbeit!) erschufen Pain of Salvation eine regelrecht epische, aber auch aufgekratzte Ballade. "Bonus Track B" ist nichts anderes als eine Art Hörspiel, bei dem sich die Bandmitglieder über die Sitte unsinniger Bonus Tracks auf CD lustig macht und wieder Mal ihrer ironischen Ader freien Lauf lässt. Beendet wird "Linoleum" vom Scorpions-Cover "Yellow raven" (vom 1976er Virgin killer), einer sensiblen Ballade, der Pain of Salvation ihren eigenen Anstrich verpassen und fast zu ihrem eigenen Song machen.

Insgesamt hinterlässt die EP einen ziemlich guten Eindruck, auch wenn er am Anfang etwas verwirrend war. Der kratzige und karge Sound, der auch ein Stück weit dumpf durch die Boxen dringt, klingt so anders als früher, die Songs fast ein wenig unfertig. Aber Pain of Salvation scheinen auf dem richtigen Weg zu sein. Denn wenn das letzte Studioalbum Scarsick auch wirklich gut war, berührte die Band emotional früher doch wesentlich mehr. Sofern Linoleum für das künftige Road salt steht, gelingt ihnen dies auch in Zukunft wieder.
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