Kundenrezension

91 von 108 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Ein globaler Geldexzess führt zu globaler Rechtlosigkeit.", 27. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Plünderung der Welt: Wie die Finanz-Eliten unsere Enteignung planen (Gebundene Ausgabe)
Dieses Zitat stammt aus dem 10. Kapitel dieses Buches. Dort untersucht der Autor, was passieren würde, wenn jeder in seinem Keller eine legale Gelddruckmaschine hätte. Und dabei kommt er mit der gnadenlosen Logik menschlichen Verhaltens zu dem eindeutigen Schluss, dass die Gesellschaft in kurzer Zeit zerfallen und ein fürchterliches Chaos ausbrechen würde. In den bedeutenden Industriestaaten wird derzeit aber Geld in Massen in Umlauf gebracht, zwar nicht illegal von den Bewohnern, sondern völlig legal von den Zentralbanken. Leider spricht einiges dafür, dass dieser Irrsinn zu ähnlichen Resultaten führen wird. Nun könnte man glauben, dass dies im Buch ebenso plastisch erklärt wird, wie das am Beispiel privater Geldherstellung geschehen ist. Aber das passiert leider nicht.

Mein Eindruck von diesem Text ist recht zwiespältig. Auf der einen Seite spricht der Autor viel Wahres aus. Aber andererseits bleibt er dabei fast immer merkwürdig unpräzise, obwohl er doch eigentlich über die theoretischen Hintergründe bestens Bescheid weiß. Unpräzise ist leider auch seine Sprache. So nennt Maier das durch die Zentralbanken neu erzeugte Geld "Falschgeld". Doch dieser Begriff ist eindeutig besetzt und trifft hier nicht zu. Er erzählt seinen Lesern auch, dass die Staaten Geld drucken. Das stimmt so nicht, wie er später selbst erklärt. Dann wieder wird der Inhalt wenigstens eines Buches so wiedergegeben, dass man einen völlig falschen Eindruck von seinem Inhalt bekommen muss ("Des Bankers neue Kleider"). Es gibt noch zahlreiche andere Stellen, an denen man sich fragen kann, ob hier die Sachlage wirklich adäquat beschrieben wurde.

Wie soll man einen Text rezensieren, dessen Inhalt man weitestgehend für richtig hält, von dem man aber den Eindruck hat, dass der rote Faden oft fehlt, die Gedankenführung sprunghaft und diffus ist und dass ökonomisches Argumentieren zu oft durch Beispiele und Polemik verdrängt wird, man aber dennoch Sympathie für den Autor und sein Buch empfindet, weil er in seiner Grundaussage völlig recht hat?

Der ökonomische Inhalt dieses Werkes lässt sich ganz kurz beschreiben. Wenn ohne Warendeckung die Papiergeldmenge erhöht wird, haben immer diejenigen den größten Vorteil, die dieses Geld zuerst in die Hände bekommen. Denn sie können mit neuem Geld noch zu alten Preisen kaufen. Je weiter dieses Geld in die Gesellschaft vordringt, desto nachteiliger wird seine Wirkung für die Empfänger. Am Ende kann bei exzessiver Geldmengenerweiterung eine Hyperinflation der Preise stehen, die die Letzten in der Kette völlig verarmen lässt. Da das neue Geld im Augenblick im Finanzsektor kreiselt, wird der extrem geringe Anteil der Superreichen an der Weltbevölkerung noch reicher, während der Rest immer ärmer wird. Da Geld in diesem System immer aus Schuld entsteht, werden am Ende die Schulden eingelöst werden müssen, wenn das Schneeballsystem zusammenbricht. Das Geld wird von den Konten derjenigen verschwinden, die es haben und sich nicht wehren können. Das war schon immer in der Vergangenheit so. Und das wird auch diesmal nicht anders sein. Zypern lieferte bereits die Blaupause.

Der Autor versucht nun dieses ökonomische Gerüst mit den verschiedensten Geschichten, Sachverhalten und mit reichlich Emotionen aufzufüllen. Wer sich gerne aufregt, wird seine helle Freude an diesem Buch haben. Bereits die Sprache gibt darauf Hinweise. Maier liebt es, einen ganzen Absatz mit nur einem Satz zu füllen. Dann folgt ein weiterer solcher Absatz. Das bringt Theatralik, giert nach Aufmerksamkeit und heizt die Stimmung auf.

Ein Physiker soll in seiner Doktorarbeit an der ETH Zürich ausgerechnet haben, dass 0,123 Prozent der Weltbevölkerung 80 Prozent vom Reichtum dieser Welt besitzen, berichtet Maier. Wie genau das nun gemeint ist, ist mir ehrlich gesagt nicht ganz deutlich geworden. Ich vermute auch mal, dass die ETH keine Doktortitel für Rechenaufgaben vergibt. Vielmehr wird der Doktorand wohl eine Methode entwickelt haben, wie man so etwas aus Netzwerkverbindungen der verschiedensten Arten schätzen (!) kann. Aber Genaues teilt Maier leider nicht mit. Das hält ihn jedoch auch nicht davon ab, eine für Kenner triviale mathematische Formel aus dieser Dissertation riesig vergrößert und ohne Erklärungen in sein Buch aufzunehmen. Seht her wie genial! Das ist genau so albern wie seine gelegentlichen Kurzabsätze.

Jedenfalls reitet Maier anschließend auf diesen 0,123 und den 80 Prozent herum, um uns immer wieder zu zeigen, wie ungerecht es in der Welt zu geht. Dabei hat er ohne Zweifel recht, und er wird sicher ein Publikum finden, dass sich mit ihm aufregt. Ändern wird das alles jedoch nichts. Da er Baader gelesen hat und auch offenbar die Grundlagen der Österreichischen Schule der Nationalökonomie kennt und mit deren Sichtweise ständig arbeitet, verwundert dann am Ende seine seltsame Inkonsequenz. Er hätte doch wissen müssen, dass jedes staatliche Zwangsgeldsystem immer wieder zu diesen Exzessen, die er so anprangert, führen wird. Er selbst bringt auch historische Vergleiche, etwa denn von Griechenland jetzt und Deutschland nach 1918.

Nur wenn man dem Staat das Monopol über unser Geld wegnimmt, besteht eine Hoffnung, aus dem ewigen Blasen- und Crash-Kreislauf auszubrechen. Doch so weit vermag Maier dann doch nicht zu gehen.

Alles in allem ist dieses Buch ein echter Aufreger, wenn man dazu Lust hat. Sein eigentlicher Inhalt ist allerdings recht schmal, auch wenn es äußerlich ganz anders aussieht. Mit der Bewertung tue ich mich schwer. Ein Stern davon ist ein Sympathie-Bonus.
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-8 von 8 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 30.05.2014 16:28:04 GMT+02:00
Thomas Jacobi meint:
Ich hatte das von ihnen Beschriebene fast schon etwas befürchtet, als ich den Titel gelesen habe...Können Sie ihrer Meinung nach sachliche, fundierte Literatur zu diesem Thema empfehlen?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 31.05.2014 10:21:11 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 31.05.2014 11:42:43 GMT+02:00
Hallo Herr Jacobi,

sachlicher ist auf jeden Fall Warum andere auf Ihre Kosten immer reicher werden: . . . Und Welche Rolle Der Staat Und Unser Papiergeld Dabei Spielen Dort wird erklärt, warum unser derzeitiges Geldsystem zwangsläufig zu diesen Auswüchsen führen muss. Die Ausführungen dort gehen auf den Ökonomen von Mises zurück (http://www.amazon.de/Theorie-Geldes-Umlaufsmittel-Ludwig-Mises/dp/3428118820/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1401524227&sr=1-2&keywords=von+mises). Nach meiner Ansicht gibt es aktuell kein besseres Buch, um zu verstehen, was gerade abläuft. Marquart und Bagus sind sehr leicht und ohne Vorbildung verständlich, beim Original bin ich mir nicht so sicher. Wenn Sie mehr wissen wollen, finden Sie weitergehende Literatur bei Marquart und Bagus.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 31.05.2014 11:00:55 GMT+02:00
Fundierte Literatur zum Thema:
Zum Thema Geld, kurz und knapp:
- Geldsozialismus von Roland Baader
und/oder:
- Das Scheingeldsystem von Rothbard

Ansonsten, Bücher von Ludwig von Mises. Die können bei den Mises-Instituten, auch beim US-Institut in Alabama, teilweise kostenlos in deutsch als ebook herunter geladen werden.
Ebenfalls lesenswert, aber teurer und etwas dicker:
-Der Weg zur Knechtschaft, F. A. Hayek
In diesem Buch wird auch beschrieben wie die Öffentlichkeit auf die Seite der Herrscher gebracht wird und wie die Wissenschaft dafür missbraucht wird.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.06.2014 23:28:15 GMT+02:00
Mein Geheimtipp:
Vom Falschgeldsystem zum freien Markt , von Gerd Lothar Reschke.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.06.2014 09:25:31 GMT+02:00
Geld, Bankkredit und Konjunkturzyklen von Jésus Huerta de Soto

Veröffentlicht am 24.07.2014 09:10:33 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 30.07.2014 23:32:34 GMT+02:00
Eberhard Gamm meint:
Hallo Herr Manthey,

wie so viele glaubt auch Maier, sofort zur Interpretation übergehen zu können, noch bevor er das System analysiert hat. Meiner Meinung nach sind die Aussagen von Maier unpräzise, weil er die Zusammenhänge nicht wirklich durchdrungen hat. Wer vom Falschgeld der Zentralbanken redet, hat jedenfalls nichts verstanden. Die Zentralbanken erzeugen heute nur das Bargeld, das im Zahlungsverkehr praktisch keine Rolle mehr spielt, und die Reserven, die nur zur Abrechnung zwischen den Banken verwendet werden und niemals in die Hände der "Nichtbanken" geraten. Bereits Ludwig von Mises hat in seinem Buch "Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel" ausführlich beschrieben, wie die Banken im Gleichschritt die Menge der Umlaufsmittel (= Giralgeld) erhöhen und den Geldschöpfungsgewinn einstreichen. Dieser Zusammenhang geriet lange in Vergessenheit und wurde erst 2013 von Horst Seiffert ("Geldschöpfung") wieder in Buchform dargelegt, nun aber inklusive der Buchungssätze. Seiffert geht auch auf die Reserven ein, was bei Ludwig von Mises seltsamerweise völlig fehlt. Ludwig von Mises bleibt für mich zwielichtig. Ich habe zur "Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel" eine Rezension verfasst, die die inneren Widersprüche herausarbeitet. Auf der einen Seite wird die Rolle der Banken schonungslos aufgedeckt; auf der anderen Seite beschimpft auch Ludwig von Mises den Staat, und zwar in einem Teil des Buches, dem er als VORAUSSETZUNG die Nichtexistenz von Giralgeld voranstellt, eine Annahme, die er selbst 150 Seiten später als nicht zutreffend bezeichnet. Eine klare Petitio Principii. Zahlreiche Autoren beziehen sich auf die staatskritischen Aussagen von Ludwig von Mises, ohne zu bemerken, dass sie auf einer unzulässigen Annahme beruhen. Dass auf der Basis dieser inneren Widersprüche keine präzisen Aussagen möglich sind, dürfte klar sein.

MfG, Eberhard Gamm

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.08.2014 15:18:22 GMT+02:00
A.G. meint:
Sehr lesenswert neben diesem Buch finde ich auch die beiden verständlichen und klaren Bestseller von Friedrich und Weik, die ich auch ausführlich rezensiert habe:

Der größte Raubzug der Geschichte: Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden. Überarbeitete und aktualisierte Taschenbuchausgabe

Der Crash ist die Lösung: Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.08.2014 15:57:39 GMT+02:00
Nette Werbung. Ich habe beide Bücher übrigens auch ausführlich rezensiert.

Hatte ich das etwa vergessen zu erwähnen?
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