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Kundenrezension

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Was ist nur aus Dune geworden?, 14. Oktober 2012
Dieser Frage kann man gleich in mehrerer Hinsicht im vierten Band der Dune-Reihe nachgehen. Zum einen natürlichen bezogen auf die Handlung, denn der einstige Wüstenplanet hat sich nach 3500 Jahren(!), die seit dem letzten Band "Die Kinder des Wüstenplaneten" vergangen sind, völlig gewandelt.
Aber auch der Stil in dem Frank Herbert Geschichten erzählt, verwobene Handlungen spinnt und clevere Charaktere interagieren lässt, wird der Leser dieses Buches schmerzlich vermissen. Die Kommentare sind nicht umsonst gespalten, in jene, die auch alle nachfolgenden Werke verschlingen und andere, die das Buch schon nach wenigen Seiten enttäuscht beiseite legen.

Handlung
Doch worum geht es? Den Fremen ist endlich gelungen, worauf sie die letzten Bände hingearbeitet haben: Terraforming - Einen grünen, lebendigen Lebensraum zu schaffen, in dem man nicht mehr jeden Tropfen Wasser aufs peinlichste genau aufsparen muss. Da sich jedoch die gesamte Fremenkultur um genau diesen Aspekt entwickelt hat, verschwanden mit der Wüste nicht nur die Sandwürmer, sondern auch jeder Sinn als Freme zu leben. So gibt es als Überbleibsel der Kultur und dem was der Leser aus den letzten Bänden kennt, nur noch die Museumsfremen, ein trauriger Abklatsch der einst so stolzen Ureinwohner Arrakis'.
Doch ein letzter Fremen und Sandwurm existiert noch: Leto II, der sich am Ende des vorherigen Bandes bereits zu der unheiligen Verschmelzung von Mensch und Sandforelle vereinigt hat. Er ist zugleich Herrscher, Gott, Anführer, Deuter der Zukunft, Erzähler der Vergangenheit, Despot, Friedensbringer und Wächter über die letzten Gewürzreserven. Doch noch ist das Werk Letos nicht vollendet. "Der Gottkaiser des Wüstenplaneten" erzählt von Letos Ziel den Goldenen Pfad - die Errettung der Menschheit und den unbedingten Willen sein Lebenswerk zu sichern.

Charaktere
Im Mittelpunkt der Handlungen - neben dem Titelgebenden Wurm-Gott, steht Siona, Tochter seines Majordomus Moneo, einem Nachfahren der Atreides. Während Moneo zu Letos engstem Vertrauten gehört und nahezu widerstandslos jeden Befehl ausführt, hat sich seine Tochter dem Widerstand gegen Letos ewig währenden "Frieden" angeschlossen. Leto weiß natürlich von diesem Komplott, so wie er alles Zukünftige und Vergangene jederzeit abrufen kann.
Zu diesem Umstand passend gesellt sich ein Charakter, den man seit dem ersten Band Dune kennt: Duncan Idaho. Leto lässt den ihm nützlichen Diener der Artreides von den Bene Tleilax beliebig neu klonen, für den Fall dass der Anführer seiner Armee der Fischredner sich als widerborstig erweist und gegen Leto rebelliert. Das Buch begleitet den letzten der Klone und wie er hin- und hergerissen zwischen seinem alten Leben als Schwertmeister des Hauses Atreides und seiner Wiedergeburt unter Leto versucht seinen Weg zu finden.
Zu diesen Hauptcharakteren gesellen sich noch die üblichen Fraktionen des Dune-Universums: Die als Ingenieure bekannten Ix, die Wissenschaftler der Bene Tleilax, die Gilde der Raumfahrer und natürlich der weibliche Orden der Bene Gesserit.

Schreibstil
Eine durchgehende Handlung im Stile der letzten Bände sucht man leider vergeblich. Statt dessen besteht Der Gottkaiser größtenteils aus seitenweisen Monologen desselben. Manchmal unterbrochen von Nebencharakteren, die leider lediglich als Wortgeber fungieren. Oder ein wenig Handlung durch einen Settingwechsel, der aber meist eher sinnlos wirkt, da es ohnehin um Leto geht, der in einem großen, leeren Raum innere Monologe und Dialoge führt. Dadurch werden kaum Umgebungen oder Charakterwandlungen beschrieben, stattdessen nur einförmig gehaltene Mono- und Dialoge. Das macht den Gottkaiser - vor allem für jemanden der einen Roman im Stile der letzten Bände erwartet, ziemlich ermüdend.

Kritik
Dass der Schreibstil so dialoglastig ist, würde mich nicht weiter stören, wenn der Hauptcharakter sympathischer wäre oder wenigstens mehr Identifikationspotential bestünde. Stattdessen hat man es mit dem gleichen überheblichen, selbstgefälligen, arroganten und allwissenden Charakter zu den, der mich schon im letzten Band eher abstieß.
Spannung durch eventuelle Handlungszuspitzungen oder Steine, die Leto in den Weg gelegt werden, um dem Charakter wenigstens ein wenig mehr Facetten zu verleihen, fehlen leider völlig. Einzig die Ankündigung, dass der "Wurm in ihm erwacht" und die Kontrolle über sein menschliches Selbst übernimmt, verleiht dem Charakter ein unberechenbares Element, wobei er dadurch nicht wirklich geschwächt wird und zum Tragen kommt dieses Element kaum.
Natürlich liegt der Knackpunkt in genau dieser Allmacht der Figur. Das einsamste, mächtigste Lebewesen der Welt. Kein Mann mehr, noch kein Sandwurm, zu ewigem Leben verdammt, nicht angreifbar für Gegner, niemand der ihm intellektuell das Wasser reichen kann - Langeweile.
Auch der Versuch ihn mit der schönen, jungen, intelligenten, ja geradezu auf ihn gezüchteten Ixianerin Hwi von seinem Plan abzulenken, sorgt nur für Pseudoauseinandersetzung, da Leto die Falle von Beginn an durchschaut und amüsiert in sie hineintappt.

Letos Diener, Widersacher und Kritiker kann man dadurch nicht ernst nehmen, da es ja ohnehin auf einen Siegeszug Letos hinausläuft. Und eigentlich ist eine Handlung auch völlig irrelevant, stehen doch die philosophischen Ansichten zu Themen wie Religion, Führerschaft (Machiavelli lässt grüßen), Menschsein, Krieg, Identität und das persönliche Erbe (geistig als auch körperlich) im Vordergrund.
Ich finde die Darstellungsformen dieser Inhalte allerdings viel zu plump, vor allem wenn man eigentlich einen Roman im Stil der letzten Bände erwartet.
Vielleicht ist es auch gerade die Diskussion, die fehlt. Leto erläutert nur oberlehrerhaft seine Allmachtsfantasien.
Gerade weil Frank Herbert schon mit den vorherigen Bänden bewiesen hat, dass er durchaus philosophische Diskussionen mit einer faszinierenden Welt, spannenden Handlung und eigenwilligen Charakteren verknüpfen kann, musste dieser Band mich enttäuschen.

Allein die Entscheidung die Handlung 3500 Jahre in die Zukunft zu verlegen nimmt nahezu jegliche emotionale Verbindung, die man zu den letzten Bänden hatte.
Auch Herberts Umgang mit den weiblichen Figuren lässt eher auf Zweiter Frühling schließen, denn auf Anknüpfung an frühere selbstbewusste Charaktere. Psychologisch wirkte die Figurenkonstellation Hwi Noree und Sandwurm ohnehin etwas merkwürdig. Hinzukommen die ständigen Paarungsvorstellungen des Wurms um die Linie der Artreides weiter zu züchten.

Positives
Duncans Sinnsuche, Unsicherheit und Umgang mit seinen Vorgängern war für mich in dem Buch einer der wenigen Lichtblicke im Monologjungle. Auch das Schicksal der Museumsfremen, die leider zu kurz kamen, war sehr interessant, gerade weil es ja darum in den letzten drei Büchern ging.
Viele der Weltanschauungen sind durchaus lesbar, allerdings führt die schiere Masse an Aussagen und Ideen größtenteils dazu, dass man das meiste - ohne verknüpfende Handlung - wieder vergisst.

Fazit
Ich bin mir noch nicht sicher, ob das der letzte Teil der Dune-Reihe ist, den ich lesen werde. Und obwohl ich zwei Anläufe benötigt habe, gab es ein paar Ideen und Ansätze, die mich durchaus begeistert haben. Leider würgen die endlosen Passagen des Gottkaisers jegliche Spannung ab und auch das Ende war eher mau und hinterließ dadurch einen zusätzlichen schlechten Gesamteindruck.
Ich würde es nicht als Zeitverschwendung betrachten, aber nahezu alles was an den Dune-Büchern so faszinierend war, fehlt hier.
Dann doch lieber Stanislaw Lem oder Isaac Asimov.
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