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5.0 von 5 Sternen Visconti denkt Thomas Mann zu Ende, 15. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Tod in Venedig (DVD)
Thomas Mann und Lucchino Visconti. Hier der Literaturnobelpreisträger, der die bürgerliche Décadence zu Beginn des 20. Jahrhunderts wie kein anderer portraitierte, dort der italienische Aristokrat und Legende des italienischen Films. Visconti war Thomas Mann in besonderer Weise verbunden und er hat sich mit dem Werk des deutschen Schriftstellers intensiv befasst.
Thomas Mann schildert im Tod in Venedig das Scheitern des Künstlertums auf dem Höhepunkt seiner Selbstfindung. Wurde Gustav Aschenbach öffentlich für seine epischen Massen gerühmt und geadelt, sind es jene anderthalb Seiten erlesener Prosa, die er im Angesicht der Schönheit in Gestalt eines jugendlichen Knaben am Lido in Venedig verfasst. Doch dieser künstlerische Klimax ist brüchig, der Schriftsteller, verfallen der Schönheit, stirbt, weil es für ihn außer der Schönheit keine anderen Werte mehr gibt. Mann kritisiert die „Schönheitsgroßmäuligkeit“ der fin-de-siècle-Autoren, bedient sich aber deren Waffen. Denn die Schönheit der Sprache erreicht in dieser Novelle sicherlich einen Höhepunkt in Manns Schaffen.
Bei Visconti wird aus dem Schriftsteller ein Musiker, er fängt die fängt die Stimmung der Novelle in melancholischen Bildern ein, die Filmmusik von Gustav Mahler tut ein Übriges dazu, die morbide fin-de-siècle Atmosphäre Venedigs zu evozieren. Gleichzeitig schlägt er den Bogen zu Thomas Manns Spätwerk. An mehr als einer Stelle finden sich Anspielungen auf den Roman Dr. Faustus, mit dem Thomas Mann die These vertritt, die politische Katastrophe der Nazidiktatur sei eine logische Konsequenz aus der kulturellen Entwicklung Deutschlands.
In der Tat steht Viscontis Film in einer Trilogie, die mit dem Film „Die Verdammten“ in 1969 begann. Dieser Film schildert den Verfall einer Industriellendynastie zu Beginn des Naziregimes. Der Tod in Venedig steht in dieser Trilogie in der Mitte, die mit dem Film „Ludwig“ endet. Die Barbarei der Nazizeit wird also erklärt mit dem Ästhetizismus des Literaten Aschenbachs und der Egomanie des ebenfalls dem l`Art pour l`Art verfallenen Bayernkönigs, so die sequentielle Logik der Filmtrilogie.
Auch nach über 40 Jahren ist der Tod in Venedig immer wieder sehenswert. Dirk Bogarde als Gustav von Aschenbach spielt hier sicherlich die Rolle seines Lebens. Auch sonst überzeugt das Casting mit der kühlen Silvana Mangano als polnischer Gräfin, dem jungen Björn Andresen als lasziv-schöner Jüngling Tadzio und dem genial-komischen Romolo Valli als Hoteldirektor am Lido Venedigs.
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