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Kundenrezension

53 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wahrhaft würdiges, umfangreiches & exklusives Vermächtnis über einen der wichtigsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts, 26. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Kinski - Vermächtnis (Gebundene Ausgabe)
Mit einem riesigen Überformat, über 400 Seiten und ca. 3 kg Gewicht erschlägt einem fast das von Peter Geyer und OA Kümmel zusammengestellte Werk. Auch der Preis ist per se erst einmal abschreckend und nicht jeder kann und will sofort zuschlagen auch bei grossen Interesse für die Person Klaus Kinski. Ich kann das Buch, ich würde es besser als Grossbildband bezeichnen, allerdings trotz des Preises für jeden auch nur ein wenig Klaus Kinski Interessierten mehr als empfehlen. Der Vorteil des Grossformates ist, dass A4 Formate und kleinere handschriftliche Notizen von Kinkski und anderen in Originalgrösse abgebildet werden können. Dadurch entsteht eine grosse Authentizität und Transparenz dieser Zeitzeugnisse.

Ich denke sehr vieles über ihn über Jahrzehnte in Deutscher Sprache in Wort, Bild und Film zu besitzen und dennoch steht mir beim Durchblättern des Bandes fast permanent der Mund offen aufgrund der Fülle der Bilder, Texte und Informationen und der Exklusivität und des Neuigkeitswert des Gezeigten. Das Inhaltsverzeichnis ist relativ komplex gestaltet und nicht einfach linear-sequentiell und somit man braucht einige Zeit um sich zurecht zu finden. Dennoch ist es für sich genommen ansprechender, aufwendiger und schöner gestaltet als manch ganzes Buch. Insgesamt kann ich mich der bescheidenen Zusammenfassung des Autors Peter Geyer auf der Rückseite des Bandes nur anschliessen: "Dieses Buch beinhaltet keinen Lebenslauf und kein Werkverzeichnis. Es zeigt auch nur 5 Filmbilder. Dafür gibt es einiges zu entdecken, vielleicht sogar Klaus Kinski".

Jegliche Vorstellung über Art, Inhalt und Umfang des Buches wurde von dem Band mehr als übertroffen. Peter Geyer kennt man als offiziellen Nachlassverwalter Kinskis und somit verfügt er über die notwendigen Kontakte zur Familie, insbesondere Minhoi (Ex-Frau) und Sohn Nikolai, und die entsprechenden Rechte in den letzten Jahren nicht nur eine erste Biografie, sondern auch auch die phantastische JESUS CHRISTUS ERLÖSER Dokumentation sowie u.a. zuletzt die Kinski Talkshow Ausschnitte (KINSKI TALKS) auf mehreren DVDs zu veröffentlichen. Ein dritter Teil der KINSKI TALKS wurde soeben auch angekündigt. Peter Geyer wird in den nächsten Jahren nach Sichtung aller noch zugänglicher Materialien sicherlich eine umfassende und einmalige Biografie vorlegen.

Es dominiert in dem Band zunächst das geschriebene Wort (Innensicht) und später dann das Bild (Aussensicht) analog der Chronologie der Schwerpunkte des künstlerischen Schaffens Kinskis. Die Kapitel des Bandes sind sehr gut strukturiert und es werden zunächst Fragmente aus seiner Frühzeit als Schauspieler und Rezitator gezeigt. Das ganze ist immer wieder von grossformatigen handschriftlichen Niederschriften und Notizen von Kinski durchzogen und die liebevolle optische Gestaltung von Bild, Worten und Fragmenten aller Art ist einzigartig. Die Darstellung der Schriftfragmente erfolgt in sehr grosser und transparenter Art so dass man oft denkt die Dokumente real vor sich liegen zu haben. Zudem werden alle Handschriften sehr akribisch in "übersetzen" Textblöcken wiedergegeben so dass keine Information verloren geht.

Das ganze wird mit nie gesehenen Zeichnungen und Skizzen von Kinski aufgelockert. Diese alleine wären ein Buch wert. "Leben bis Sommer 1952" ist eins der einführenden Kapitel in dem diese Technik der Informationsdarstellung vollendet dargeboten wird. Über diese Jahre ist nicht viel bekannt. Peter Geyer trägt handschriftliche notizbuchartige Aufzeichnungen von Kinski zusammen und fast diese sehr wortgewandt über mehrere Seiten zusammen. Es kommt sogar ein Filmprojekt zutage welches in jeder Kinski-Filmografie fehlt.

In "Briefe 1. Teil" werden komplette Briefe an seine erste Frau Gislinde Kühlbeck abgedruckt, in denen nicht nur von seiner grossen (Geld-) Not und vordergründig erscheinenden Egomanie, sondern auch von seiner zumindest schriftlich immer wieder geäusserten unbändigen Liebe zu der 1. Tochter Pola zu lesen ist. Dies wurde von den meisten Medien bislang anders dargestellt. Zusätzlich gibt es auch handschriftliche Notizen von Zeitzeugen Kinskis über und seine Person und künstlerisches Schaffen. Es lassen sich nicht alle Kapitel hier in Kürze wiedergeben so facettenreich ist das Buch. Neben der der umfangreichen Werkschau des Frühwerkes und des jungen Kinskis wird in dem Kapitel "Privatalbum 1. Teil" in ca. 25 Seiten ein Feuerwerk von privaten und kaum bekannten Bildern mit seiner zweiten Ehefrau Ruth Tocki, den Töchtern Pola und Nastassja und natürlich Minhoi. "Vietnam" ist dann noch ein separates Kapitel.

Im "Privatalbum 2. Teil" werden in ca. 60 Seiten insbesondere sehr private Aufnahmen von Minhoi und seines Sohnes Nikolai gezeigt, diese sind ebenso grossartig wie zuvor, auch wenn man einige davon schon aus anderen Bildbänden kennt. Darin enthalten sind am Ende auch unvergleichliche Aufnahmen rund um sein Haus in Lagunitas bei San Francisco in dem er auch gestorben ist. Daran schliesst sich schon die Lupe auf das Privatleben vergrössernd ein Kapitel aus Auszügen von Briefen von Klaus insbesondere an Nikolai an. In nicht zu übertreffend liebevoller Sprache schildert hier ein Familienvater wie sehr er seinen Sohn Nikolai liebt, ja vergöttert und vermisst. Die jüngster Vorwürfe von Tochter Pola sind erschütternd und wenn sie wirklich in vollem Umfang so zutreffen (was hier nicht diskutiert werden kann), dann sind diese nicht zu tolerieren und reißen wirklich ein großes Stück aus dem Denkmal Kinskis raus, denn so radikal kann man Mensch und Künstler nicht trennen. Gerade nicht bei Klaus Kinski.

In einem weiteren "Privatalbum 3. Teil" findet man dann Fotos die Klaus selbst geschossen hat, von seinem Haus, der Natur, seinen Reisen, den Hunden und insbesondere dem über alles geliebten Sohn Nikolai. Das interessant benannte Kapitel "Mögliche Verletzungen der Privatsphäre" steigt dann noch tiefer in den privaten Kinski Kosmos ein und zeigt Briefwechsel und Kommentare von Kinski über Verlage, Anwälte und sonstiger privater Korrespondenz. Wer ihn kennt weiss dass er auch hier kein Blatt vor den Mund genommen hat. Es folgt ein Kapitel über sein Paganini Projekt. Das Buch wird formal mit dem Kapitel "Das letzte Projekt" beendet in dem man über bislang unbekannte letzte Filmprojekte namens "Grosse Jäger" und "Spring!" informiert wird. Weiterhin wird bekannt, dass Kinski sogar Spielbergs Angebot für den Film "Jäger des verlorenen Schatzes" abgelehnt hat.

Unerwartet und deswegen schockierend endet das Buch mit einer unglaublich ergreifenden Bilderserie der letzten Stunden vor dem Akt seiner - gemäss seinem Wunsch - am 02.02.1992 von der Golden Gate Bridge verstreuten Asche durch Minhoi, Nikolai und Werner Herzog. Für Kinski Fans sicherlich einerseits sehr interessant, aber auch ein erschütternd authentischer Blick in das Privatleben seiner Angehörigen im Angesicht der Trauer. Hier trumpft Geyer mit seiner guten Beziehung zu der Ex-Frau Minhoi und Sohn Nikolai als Nachlassverwalter auf. Diese Bilder können nur vor dort authorisiert sein. Auf der Rückseite des Bandes ist die Bestätigung des Krematoriums Valley Memorial Park über die am 03.12.1991 erfolgte Einäscherung von "Klaus Gunter Karl Nakszynski" (so der bürgerliche Name in amerikanischer Schreibweise) zu finden.

Für den ein oder anderen klingt das sicher stark nach extremen Ausverkauf und Ausschlachtung auch noch so intimer Details aus seinem Leben und sogar Details danach. Diese Kritik würde ich akzeptieren, denn nicht jeder kann sicherlich ohne weiteres moralisch nachvollziehen, warum man der Öffentlichkeit Zugang zu all diesen Details verschaffen muss. Ich wäre auch dagegen, dass nach meinem Tod wie in diesem Buch vorgeführt, intimste Briefe an Frauen und Kinder aus jeglichen Notlagen abgedruckt werden. Beidseitiges monetäres Interesse Geyers und Minhoi/Nikolai spielen hier sicherlich die entscheidende Rolle.

Interessant wäre es Klaus Kinskis Meinung darüber zu erfahren. Von extremer Wut bis Desinteresse wäre sicherlich jede Reaktion denkbar. So mussten also die Erben die Entscheidung darüber treffen was gezeigt werden sollte und was nicht. So weit es möglich war hält Peter Geyer für mich die notwendige Distanz ein und spielt nicht mit der gebotenen Pietät in dem er einfach die Briefe abdruckt und die Bilder für sich wirken lässt. Jegliche weitergehende Kommentierung wäre hier auch nicht opportun.

Jede Rezension, so auch diese, kann nur Teilaspekte dieser so umfangreichen und fast übervollen Zusammenstellung wiedergeben und so wird sicherlich jeder den Band auf seine Weise entdecken. Jedes einzelne Kapitel könnte in dieser Länge besprochen werden so umfangreich sind die Informationen. Ausser der oben genannten eventuellen moralischen gibt es keine wie auch immer begründete Kritik an dem Band in Inhalt und Ausführung, er ist einzigartig. Nur mit der jahrelang verfeinerten Hand und dem Gespür Geyers für das Gesamtkunstwerk der Person Klaus Kinski und seinem Schaffen war es möglich, ein derart hochwertiges Vermächtnis in die Welt zu setzen.

Fast nie konnte ich eine Kaufempfehlung so klar aussprechen, für Kinski Fans ist ein "MUST-HAVE" mehr als untertrieben, diese werden den Band für Wochen nicht mehr aus der Hand geben und ihn immer wieder voller Interesse, Freude, Trauer und Ehrfurcht für einen in jeder Beziehung einmaligen Künstler und Menschen durchblättern.

5/5 Sternen (mehr geht nicht)
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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 14.10.2011 04:45:33 GMT+02:00
Vielen Dank für diese ausführliche Rezension! Ich habe mir das Buch sofort bestellt und werde es sicherlich, wie Sie auch, verschlingen!

Veröffentlicht am 23.10.2011 17:56:00 GMT+02:00
Tye-J meint:
Eine tolle, ausführliche und spannend zu lesende Rezension. Endlich mal eine Buchbesprechung, in der man auch etwas über das Produkt erfährt, das man sich überlegt zu bestellen: Jetzt weiß ich ganz bestimmt, dass ich es unbedingt brauche. Vielen Dank für das hervorragende Review!

Veröffentlicht am 16.09.2012 11:38:37 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 16.09.2012 11:42:14 GMT+02:00
Hilke meint:
danke für die ausführliche Schilderung. Auf die Frage wie Kinski das wohl aufgenommen hätte was in diesem Buch mit ihm vor allem in Bezug auf die Totenverehrung der letzen Seiten von Peter Geyer vorgenommen wurde: Er hätte sicherlich mit dem göttlichsten Zorn dessen er fähig ist geantwortet, den Verehrungen, Anhimmelungen, Preisungen etc. waren ihm aus tiefster Seele verhasst! Weswegen? Weil er wie kein anderer seiner Zeit sich absolut sicher war das seine Seele unsterblich ist, das sie vor seiner Geburt da war und nach seinem Tod weiterleben wird. Wenn das nicht wörtlich nimmt sondern nur im übertregenen Sinn hat man keine Chance ihn zu verstehen.
Außerdem ist da auch noch diese "Pest" Herzog zu sehen, wie er sich einen abheuchelt, jener der in seinem Film "Mein liebster Feind" nichts unterlassen hat um Kinski als einen größenwahnsinnigen Egomanen dar zu stellen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.09.2012 12:42:35 GMT+02:00
Retro Kinski meint:
@ alle

danke für die positiven Kommentare.

@ Sophie
Wie in meinem Text angedeutet vermute ich, dass Kinski sicherlich einen Großteil des Buches in dieser Form nicht gebilligt hätte, insbesondere noch die mediale Ausschlachtung seiner "letzten Reste". Allerdings könnte es ihm auch in gewohnter gnadenloser Missachtung total egal gewesen sein.

Zu Herzog ist sicherlich alles gesagt. Er hat stets daran gearbeitet einen Kult um Kinski und seinem Verhältnis zu ihm zu schaffen um sich selbst wichtiger erscheinen zu lassen. Wie wenig kultig das Verhältnis zwischen den beiden auch sein konnte, zeigt in wunderbarer Weise die "Kinski talks 3" DVD mit den Aufnahmen "Kinski in Telluride (1979)" in denen beide - wohl unter dem Eindruck einer weitgehend vergessenen Kamera - wunderbar "normal" und freundschaftlich miteinander umgegangen sind.
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