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16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Yes, we can.", 28. April 2008
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Rezension bezieht sich auf: Moralische Grundbegriffe (Taschenbuch)
"Man kann einen Überschuss an Theorie haben und ein Defizit an Menschlichem." Dieser Satz von Andre Gorz aus seinem "Brief an D." zeigt ein Ungleichgewicht, welches Robert Spaemann (1927-) in seinem seit Jahrzehnten erfolgreichen Buch über die moralischen Grundbegriffe erörtert. Wie die acht Planeten in den Gesetzmäßigkeiten des Universums ihre Bahn ziehen und wir vorhersehbar ihre Position kennen, so sind es diese acht Kapitel, die den Menschen ihre ihnen innewohnende Sittlichkeit in verständlicher Form ebenso verdeutlicht. Sich an Xenophanes erinnernd, wird der Mensch feststellen, dass nicht alles von den Göttern vollendet ihnen eigen ist, sondern dass er mit der Zeit suchend findet, was das Bessere ist. Um dieses Bessere geht es Spaemann, um Ethik und Moral, um Handeln und Verstehen und letztendlich um die Erkenntnis, was abzulegen ist, um Gutes zu gewinnen, Gutes im Sinne der Würde des Menschen.

Um dieses Gute gewinnen zu können, benötigt der Mensch nicht nur die abstrakte Kenntnis der Begriffe und ihre Bedeutung, sondern er muss mit sich und den anderen um diese Dinge ringen. Im 7. Brief Platons ist zu lesen, das es sich wie mit anderen Lehrgegenständen verhält: "es lässt sich nicht in Worte fassen, sondern aus lange Zeit fortgesetztem, dem Gegenstande gewidmeten wissenschaftlichen Verkehr und aus entsprechender Lebensgemeinschaft tritt es plötzlich in der Seele hervor wie ein durch einen abspringenden Funken entzündetes Licht und nährt sich durch sich selbst". Auch als "familiäre Unterredung" bekannte Dialogform ist Ethik nicht allein eine Sache des Verstandes, sondern eine Sache des wirksamen Handelns. Der Schöpfer eines guten Buches ist der Leser, denn ein guter Kopf wird nichts nutzlos lesen, wie Ralph W. Emerson richtig bemerkte, der Leser findet für sich vertrauliche Mitteilungen und lernt von einem Horizont, der die Kunst besitzt, zurückzuweichen und sich immer neu auf anderes zu beziehen.

Dieses scheint für den Rezensenten die Art der Entwicklung der moralischen Begrifflichkeiten bei Spaemann zu sein. Er trägt mit jedem Wort dieses "Prinzip Verantwortung" für die Sache und weiß, dass in der Erhellung bekannter Horizonte, dem Leser der Einstieg erleichtert wird. Spaemann holt ab an der Stelle, wo noch vermeintlich leicht zwischen Gut und Böse zu entscheiden ist und entwickelt in seiner familiären Unterredung eben die Unterschiede im Allgemeinen und Bestimmten und deren Rangfolge im Absoluten, die neugierig machen, tiefer in das Verstehen eintauchen zu wollen. So gelten grundsätzlich verständliche Beispiele aus dem Leben erhellend, um moralische Antriebe zu entdecken, zu reflektieren und in ihren offenen Punkten in den Begriffspaaren der folgenden Kapitel zu beantworten. Spaemann gelingt der Brückenschlag von Kapitel zu Kapitel. Der Leser steigt ein in den Diskurs von Lust und Realität, Beliebigkeit und Relativismus, er lernt die Antworten in sein Verantwortungsspektrum zu integrieren und kann damit zu einer Bildung gelangen, die den Dingen und den Menschen einen Wert im Verhältnis von Eigeninteresse zuerkennt. Der Mensch als Selbstzweck handelt nach Kant in Anerkenntnis des anderen immer richtig, wenn der andere niemals Mittel zum Zweck ist. Was dem Menschen gerecht wird, ist nicht allein von Gerechtigkeit abhängig, denn eine umfassende Gleichbehandlung als Gesetz (auch als Verbot) mag doch dem Menschen etwas entziehen (z.B. der Duft einer Rose), was ihm gerecht wäre. Kants Satz: "Du kannst, wenn Du sollst" erfährt bei Spaemann eine neue Wichtigkeit im Verhältnis von Gesinnungs- und Verantwortungsethik, führt letztendlich zu einer Kristallisation des bestmöglichen Handelns, zum Gewissen. Denn sich dem moralischen Gesetz: "Ich darf nicht" vollkommen zu unterwerfen, heißt letztendlich die Umwandlung in: "Ich kann nicht" dem Gewissen zuwiderhandeln. Oder als das Kantsche "Ich kann" im Sinne der Befolgung. Vollkommen seinem Gewissen nach zu handeln ist der Ausdruck höchster Freiheit. Hier entfällt späte Reue als Revision des Getanen, es gilt, was Aristoteles als die Freundschaft mit sich selbst bezeichnete. Diese höchste Freiheit in der Selbstbestimmung bedarf der Hilfe anderer. Ohne Kontakt keine Sprache, nicht einmal Leben. Durch den anderen wird der Mensch, was er ist. "Werde der Du bist", diese Formel Nietzsches gewinnt so an Klarheit, wie auch das Orakel von Delphi als Aufforderung, sich selbst zu erkennen. Dazu gehört auch der Kantsche "Gute Wille". Denn Fortschritt benötigt die parallele Entwicklung der moralischen Bildung, Mut nach Kant und damit eine Tugend, die das Wachstum des inneren Menschen ermöglicht, um nicht zu enden in das "verkehrte Ende aller Dinge".

Spaemann kann man nicht ohne diesen Bezug zur Theologie lesen. Ihm sind die biblischen Beispiele wichtig. Die Emersonsche Losung, der Leser sei Schöpfer des Buches, mag so in Abhängigkeit seiner möglich atheistischen Gesinnung ihm die allgemeine Botschaft über Moral vorenthalten. Wenn man mit Jonas den Verdacht teilt, die Abschaffung der Transzendenz als den kolossalsten Irrtum zu begreifen, ist man nicht suspendiert von der Verantwortung für das, was Platon das durch den abspringenden Funken entzündetes Licht nennt und was sich durch sich selbst ernährt. Jonas unterstreicht dieses, spricht er von der "Verantwortung für das, was im Gange ist und von uns selbst im Gang gehalten wird". Ethik und Moral stehen als Werte an erster Stelle im Leben. Spaemanns deutliche Botschaft. An anderer Stelle verweist er auf Sartre. Niemand kann ihnen, den Atheisten, die Verantwortung für die Optimierung der Welt abnehmen. Anderes gilt, so schreibt Sartre, für die Gläubigen. Sie wissen erstens das Schicksal der Welt in Gottes Hand. Wenn sie versuchen, nach dem Wort des Apostels Paulus "sich unbefleckt zu bewahren von dieser Welt", dann ist das nicht moralischer Egoismus, da sie eine Verantwortung für ihr eigenes Leben gegenüber Gott haben. Wenn sie gut handeln, ist das Wahrnehmung dieser Verantwortung. Es scheint, Sartre hat besser als mancher Theologe verstanden, was die moralischen Konsequenzen des Glaubens an Gott sind. Statt zu wollen, wovon Gott will, dass es geschieht -und das können wir immer erst nachträglich wissen -, sollen wir, so hatte Aquinus geschrieben, das wollen, wovon Er will, dass wir es wollen. Dieses können wir, im Unterschied zu jenem, wissen. Denn darüber belehrt uns die sittliche Vernunft ohne besonderen prognostischen Aufwand.

Mit diesen Werten verbunden sind die Überlegungen zur Freiheit, zum unbedingten Handeln und der Haltung zum Unabänderlichen. Letztendlich könnte man meinen, aus all diesem beziehe nur Eines seine Nahrung: Das Glück. Würden wir die Freiheit nur in Anerkenntnis des Unbedingten sehen, stürbe sie in sich selbst. (vgl. Bieri) Betrachten wir uns in unserer Lebens-Existenz am freiesten im Freitod, würde jede Freiheit in diesem Moment beendet. (vgl. Camus) Es liegt also Bedingtheit und Unveränderbares notwendig im diesem unserem Leben. Glück erschließt sich aus dem Interesse an von einem selbst Unterschiedenen, aus objektiven Interessen und aus dem Wert der umgebenen Wirklichkeit. Glück kommt aus dem Kontakt zur Wirklichkeit. Gelassenheit dem Endgültigen gegenüber ist eine Haltung des Glücklichen und im Sinne Epiktets oder Senecas die endgültige Befreiung des Menschen. Für Spinoza ist Glück selbst eine Tugend.

Mit Spinoza schließt Spaemann seine gutverständliche Reise durch die moralischen Grundbegriffe. Jeder Wert ist kommensurabel, also vergleichbar, sagt er, und bei Theodor Fontanes "Frau Jenny Treibel" finden wir eine wunderbare Sequenz am Ende des siebten Kapitels, das den Unterschied zwischen dem Ponderablen und dem Höheren im Verhalten feststellt. Mit diesen Gedanken, Schein und Sein unterscheidend, sich neu ins Leben wagen, bedeutet wach zu sein für einen Blick auf sich und den anderen. "Dies diem docet", empfahl Publius Syrus und folglich Gelassenheit und Besonnenheit (Sophrosyne) als Begleiter auf dem Wege neuen wirksamen Denkens und Handelns.

Dieses wunderbare Buch entbehrt eine Liste weiterführender Literatur. Es ist somit nicht für den Überschuss an Theorie gedacht, sondern für die Steigerung des Menschlichen. "Unser Zeitalter ist das der Simplifikationen. Die Schlagworte, die alles erklärenden Universaltheorien, die groben Antithesen haben Erfolg", lasen wir bei Jaspers. Damit ist das vorliegende Buch eine motivierende Hilfe bei der eigenen Erkenntnis von der Welt, vom Denken, vom menschlichen Sein und von der modernen Gesellschaft wie vom Ich (Selbst) in ihr. Es ist eine Empfehlung, sich immer wieder abseits der Banalitäten an die Werte zu orientieren, die das Zusammenleben in der besten aller möglichen Welten auch zukünftig lohnenswert machen.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 05.05.2008 14:59:21 GMT+02:00
Hallo kpoac,
danke für den Hinweis auf Ihre Rezension. Habe Sie mit Genuss gelesen und mich gefreut, dass ich auch einmal einen wertvollen Literaturtipp geben konnte.
Viele Grüße vom Süden in den Norden/Westen/Osten (?)

Josef Christian

Veröffentlicht am 23.01.2013 21:22:05 GMT+01:00
n meint:
Bei Verlässlichkeit muss ich immer an Edzard Schaper denken, haben Sie die Biographie über ihn gelesen, die endlich! geschrieben wurde?
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