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Kundenrezension

51 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nomen est omen, 5. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Zauberberg. Roman. (Taschenbuch)
"Der Zauberberg" gilt als der deutschsprachige Roman des 20. Jahhrhunderts schlechthin. Und das völlig zurecht. Es bleiben zwei Fragen: Was macht dieses Werk so besonders und warum soll man es heute noch lesen?
Das besondere am Zauberberg ist nicht sein einfallsreicher Plot (der lässt sich in einem Satz zusammenfassen) und auch nicht sein faszinierender Protagonist. Am Ende des Romans resümiert der Erzähler: "Lebwohl, Hans Castorp [...] Wir haben sie [die Geschichte] erzählt um ihretwillen, nicht deinethalben, denn du warst simpel." Wir haben also einen simplen Plot und einen noch simplerern Helden, ausgedehnt auf über 1000 Seiten. Was ist denn dann das Besondere an diesem Werk?
Erstens, die Sprache. Im Zauberberg beweist Thomas Mann, wozu die deutsche Sprache fähig ist. Sie ist hier nicht nur Medium, sondern der wahre Protagonist. Die unglaubliche Vielfalt der Vokabeln und der Satzkonstruktionen haut einen vom Hocker. Viele beklagen sich ja über die zu langen, und somit schwer verständlichen, Sätze Thomas Manns. Doch meiner Ansicht nach machen gerade diese den Roman lesenswert und zu einem kurzweiligen Vergnügen. Gerade heute, wo der Dativ dem Genitiv sein Tod ist und ebenso die Partizipialkonstruktionen zu verschwinden drohen, lohnt es, sich der Sprachzauberei Manns hinzugeben.
Zweitens, die Welt des Wissens. Man gewinnt den Eindruck, dass der Wissensstand zu Beginn der zwanziger Jahre bezüglich Religion, Philosophie, Geschichte, Politik und Medizin im Zauberberg abgebildet ist. In diesem Zusammenhang stechen vor allem die Streitgespräche zwischen Settembrini, ein literarisch ambitionierter Vertreter von Vernunft und Aufklärung, und Naphta, ein kommunistischer Jesuit, hervor, denen der simple Castorp regelmäßig beiwohnt. Von Sokrates bis Nietzsche wird in diesen Gesprächen aber auch wirklich alles mal angerissen. Ich kann nicht behaupten, auch nur einen Bruchteil der Thematik dieser Unterhaltungen auch nur im Ansatz verstanden zu haben. Dennoch zählen diese Passagen zu meinen Lieblingsabschnitten. Manns ironischer Erzählstil entlockt dem Leser immer wieder ein Schmunzeln, wenn sich diese beiden Verfechter im Kampf um ihre Ideologie beinahe an die Kehle springen. Da macht es nichts, dass man ihren Argumentationen nicht folgen kann (wer weiß, ob das überhaupt intendiert ist), es bleibt trotzdem herzerfrischend und unterhaltsam.
Drittens, Liebe und Tod. Diese beiden Evergreens der Menschheitsgeschichte bilden die Hauptthematik im Zauberberg. Das Sterben im Sanatorium in Davos ist Bestandteil des alltäglichen Lebens. Menschen kommen und Menschen sterben, ohne das jemand groß Anstoß daran nimmt. Dies ist der Alltag, der in seiner Natürlichkeit auch heute noch, da der Tod immer noch ein Tabuthema ist, erschreckend wirkt. Und die Liebe natürlich. Die sich langsam anbahnende Beziehung zwischen Castorp und Clawdia Chauchat, welche dann auch tatsächlich in einer, allerdings nur sehr subtil angedeutenden, gemeinsamen Nacht kulminiert. Die beiden Hauptthemen werden an zwei Stellen im Roman deutlich herausgestellt. Im Kapitel "Schnee" findet sich der einzige kursiv gedruckte Satz im gesamten Roman: "Der Mensch soll um der Güte und Liebe willen dem Tod keine Herrschaft einräumen über seine Gedanken" und abschließend fragt der Erzähler: "Wird auch aus diesem Weltfest des Todes [gemeint ist der Erste Weltkrieg], auch aus der schlimmen Fieberbrunst, er rings den regnerischen Abendhimmel entzündet, einmal die Liebe steigen?"
Fazit: ein Sprachniveau, welches heute wahrscheinlich nicht mehr erreichbar ist, die Darstellung nahezu des gesamten Wissens zur Zeit der Entstehung des Romans und die ewig junge Thematik des Todes und der Liebe machen diesen Roman zu einem einmaligen Leseerlebnis. Wer ihn gelesen hat wird wissen, warum Thomas den Spitznamen "Der Zauberer trägt"
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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 27.03.2013 17:16:06 GMT+01:00
christian meint:
Ich las den "Zauberberg" vor über 50 Jahren zum ersten Mal.
Ihre Rezension hat mich in dem Gedanken bestärkt, ein weiteres Mal,
gemeinsam mit Castorp, "nach Davos-Platz im Graubündischen" zu
verreisen.
Danke

Veröffentlicht am 26.11.2014 09:20:07 GMT+01:00
und gerade wegen der langen komplizierten Sätze hatte ich mir in dem Jahr Ihrer Beschreibung (2005) das Hörspiel gekauft, da ja dort, so riet man mir damals, "normal" gesprochen würde und es leichter verständlich sei, was es auch war und was auch sehr schön war - jetzt, nach den vielen Jahren seh ich das aber schon anders und überlege nun nicht nur wegen der Sprache Th. Manns, sondern auch auf Grund Ihrer Rezension das Buch zu kaufen auch wegen dem von Ihnen angesprochenem Gedanken: "der Mensch soll um der Güte und Liebe willen dem Tod keine Herrschaft einräumen über seine Gedanken"... ich bedanke mich! LG, A.C.

Veröffentlicht am 14.11.2015 15:46:28 GMT+01:00
Thomas P meint:
Die folgende Formulierung in der Besprechung ist wohl überzogen:

"Man gewinnt den Eindruck, dass der Wissensstand zu Beginn der zwanziger Jahre bezüglich Religion, Philosophie, Geschichte, Politik und Medizin im Zauberberg abgebildet ist."

Tatsächliches Wissen in diesen Bereichen wird im Roman nicht vermittelt, es wird vielmehr in ironischer Distanz eine Form von Intellektualität persifliert, welche sich selbst als umfassend gebildet versteht, jedoch ohne Substanz ist. Deutlich wird dies in den Gesprächen zwischen Settembrini und Naptha, wobei die zwei Protagonisten sich häufig in Widersprüchen verwickeln oder Kehrtwendungen in ihrer Argumentation vollziehen, ohne das notwendigerweise selbst zu bemerken.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.11.2015 16:50:35 GMT+01:00
warum schreiben Sie das gerade jetzt? wegen Paris? wenn, dann ja, kann der Wissenstand nicht so gewesen sein, und zum "selbst bemerken" : ich z.B. bemerke vieles erst spät, rede einfach etwas zu versuchen einige klare Aussagen zu bekommen, aber nun liebe ich den Zauberberg Thomas M.s so sehr um gleichgültig allen Widersprüchen gegenüber sein zu können. wenn Sie aber etwas genaueres erklären wollten, höre ich es sehr gerne.
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