Kundenrezension

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vielfältige Perspektiven auf Street Art, 13. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Street Art: Legenden zur Straße (Gebundene Ausgabe)
So wie Graffiti als Ästhetik zu Hip Hop gehört, gehört Streetart zum Straßenbild gentrifizierter Stadtteile. Street Art, das ist ein Hype, das sind Banksy und Tourist_innen, die in Berlin abgerobbte Zettel fotografieren. Darüber haben Katrin Klitzke und Christian Schmidt den Text- und Bildband Street Art ' Legenden zur Straße herausgegeben, der der Leser_in noch einige andere Einblicke in das gewährt, was seit Jahren unter dem Titel Street Art gehypt wird. Street Art gilt als die intellektuelle Form des Graffiti, weniger aggressiv, dafür mehr reflexiv und eine Antwort auf den steigenden Druck der Kriminalisierung. So wird Street Art auch gleich in der Einleitung als 'intellektuelle Schwester von Graffiti' bezeichnet und verweist damit auch auf deren gemeinsame Herkunft und Überschneidungen von Akteur_innen.
Die Herausgeber_innen verstehen Street Art als eine Legende zur Straße, als Bilder, Zeichen, Symbole, die das Vorgefundene und Alltägliche auf der Straße erklären oder ihm neuen Sinn verleihen. Die Hauswände, der Stromkasten, die Straßenschilder, das Pflaster, alles auf der Straße wird zur Leinwand, die jedoch nicht leer und weiß ist, sondern Bedeutungen und ein Eigenleben mit sich bringt, zu dem sich gelungene Street Art in Beziehung setzt, sie kommentiert und verändert. Die Objekte sind temporär, sie sind für den Augenblick, vergänglich, verschwinden schnell oder, wenn sie kleben bleiben, verändern sich durch die Witterung. Es gibt mittlerweile eine Unzahl an Bildbänden, die diese vergängliche Kunst einfangen, per Foto konservieren und damit auf einen Zug aufspringen.
An diesem Buch ist besonders, dass es sehenswerte Bildstrecken mit Texten vereint, die nicht nur Street Art reflektieren und kritisch hinterfragen, sondern auch Street Artists selbst einbindet. Das Buch versteht sich denn auch als ein Produkt aus der Street-Art-Szene und nicht als 'Buch über'. Es lässt erkennen, dass bei der Gestaltung mit viel Liebe zum Detail gearbeitet und auf vielfältige Perspektiven Wert gelegt wurde. Während ein Beitrag Street Art als Kunstform mit der Systemtheorie untersucht, verarbeitet ein anderer Beitrag die Kommerzialisierung der Straßenkunst in der Form eines Theaterstücks. Eine Forschungsreise über Street Art nach London und New York wird per Postkarten erzählt und verrät auf diese Weise auch etwas über die Vergänglichkeit der Objekte, über Street Art in der kommerziellen Kunstszene und als globales Phänomen der Metropolen. Eher wissenschaftlich kommt wieder ein anderer Text daher, der die kunsthistorischen Bezüge von Street Art aufdröselt. Das reicht von der Reflektion der Methoden (Wandmalerei und Schablonen) bis hin zu ästhetischen und philosophischen Bezügen wie dem Dadaismus, Popart oder den Situationisten. Wie die Texte spiegeln auch die Bildstrecken vielfältige Perspektiven wider. Eine Fotostrecke macht die Praxis des Anbringens der Street Art selbst zum Thema, eine andere verlegt die Straße nach drinnen und kommentiert somit Fragen nach der Gestaltung des öffentlichen Raums, Zugänglichkeit und schließlich auch der Kriminalisierung.
Auch das, was in den Texten und Bildern zum Thema gemacht wird, ist vielfältig: Einige Texte und Bilder zeigen Entstehungsprozesse von Street Art oder thematisieren die Objekte in ihrer Vergänglichkeit und Funktion der Kommunikation und des 'Sinngebens' wie auch als Objekte des 'Fototourismus'. Diese bildliche und textliche Reflexion nimmt die Akteur_innen und Betrachter_innen genauso in den Blick wie das Kunstwerk in seiner 'Entwicklung' selbst (ein lesenswertes Beispiel ist hier ein Selbstgespräch eines verklebten Stencils).Das Phänomen wird aber auch sehr kritisch hinterfragt, wenn es zum Beispiel um die Rolle von Street Art in Gentrifizierungsprozessen oder in der Werbung geht. Als Intervention in den öffentlichen Raum besitzt sie durchaus Potenziale für Widerstand und Subversion, als Ästhetik ist sie jedoch längst in der Maschinerie kommerzieller Verwertungslogik angekommen. Wie Street Art in so genanntes Guerilla Marketing oder Underground Marketing eingebunden wird, zeichnet der Text Street Art ' Zeichen der Zeit nach. Nicht nur Ästhetik, sondern auch Techniken des Anbringens finden hier Eingang. Street Art steht damit im Spannungsverhältnis von repressiven Anti-Graffiti-Gesetzen einerseits und anerkennender Stadtpolitik, die Street Art für ihr Stadtmarketing nutzt, andererseits.
Auch wenn einige Bilder schon etwas älter sind, lohnt sich in jedem Fall ein Blick in das Buch, das verschiedene Bezugsrahmen bemüht, um das Phänomen Street Art von vielen Seiten zu beleuchten; und dessen Texte alle ganz sorgfältig redigiert sind.
Street Art: Legenden zur Straße
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Ersteintrag: 08.12.2011 16:59:06 GMT+01:00
Lennard meint:
Street and Studio: From Basquiat to Seripop: From Basquiat to Banksy
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