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Kundenrezension

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mafioso im (Un-) Ruhestand, 17. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Malavita: Eine Mafia-Komödie (Broschiert)
Spätestens seit Tony Soprano weiß der geneigte Zuschauer, dass New Jersey, der „Hinterhof New Yorks“ ein Tummelplatz der der Mafia zumindest einmal war. Und auch Giovanni Manzoni gehörte dazu. Als einer der Bosse. Unangreifbar, skrupellos, reich.

Aber in gewisser Form ist Manzoni auch eine „ehrliche Haut“. Zumindest besitzt er genügend Arroganz, um auf Dauer gar keine Lust zu haben, sich hinter Büschen zu verstecken und sein Licht unter den Scheffel zu stellen. Das „Mala Vita“, das „böse Leben“, das steckt nun einmal in ihm drin. Von den Loyalitäten bin hin zu manchen „Arbeitssitzungen“, die per Hammer und Bohrer oder in Kühlhäusern mit unliebsamen „Geschäftspartnern“ vollzogen wurden.

Und da er gerne vor allem sich darstellt, was liegt näher, den eigenen Hund (aschgrauer australischer Schäferhund) „Malavita“ zu nennen und mit diebischem Vergnügen damals schon über die Straßen New Jerseys jeweils laut nach seinem Hund zu rufen.

Im Übrigen ein ruhiges Tier, der Hund. Wenn man ihn nicht reizt. Aber auch jene Figur in der Geschichte, die entscheidende Bedeutung für den Fortbestand der Familie erhalten wird.

Denn, Loyalität hin oder her, Manzoni ist am Fliegenfänger. Hatte sich als Kronzeuge zur Verfügung gestellt hat. Was dem ein- oder anderen Mafiosi mehrfach Lebenslänglich eingebracht hat. Was die „Familie“ natürlich nicht durchgehen lassen kann.

So befindet sich Manzoni mit seiner Frau und seinen beiden aufgeweckten Kindern aktuell innerhalb des Zeugenschutzprogramms des FBI in einem kleinen Ort in der Normandie. Aber auch hier wird Manzoni nicht lange wirklich an sich halten können. Was sich schon beim „Willkommens Barbecue“ der Familie andeuten wird. Der Mann findet sich einfach gut, höchstens ein wenig von der Welt missverstanden. Aber das kann man ja gerade rücken.

Wobei es dann letztlich ein doch arg konstruierter Zufall ist (der im Buch definitiv viel zu breit ausgewalzt wird), der dann doch die Jäger auf seine Spur bringen wird. (Hier allerdings wäre es schöner gewesen, diesen Part des Buches wesentlich zu straffen und lieber noch mehr an umwerfend charmanten „Verhaltensgeschichten“ der Familie auszubauen. Was dann aber auch die einzige Kritik an diesem flüssig zu lesenden Roman ist).

Bis dahin aber (und bis zum dann fast episch im Stile alter Western gestaltetem und plastisch geschildertem) Finale des Buches steht dem Leser eine höchst vergnügliche Lesereise mit trockenem, ironischem Humor und ausgefeilten Figuren gegenüber.

„Al Capone sagte immer: Mit einem netten Wort und einer Pistole erreicht man mehr, als mit einem netten Wort allein“.

Während Manzoni auch in Bezug auf die mangelnde Qualität des Trinkwassers vor Ort diesen Spruch beherzigt, beginnt er, in melancholischer Betrachtung, sich als Schriftsteller zu versuchen und den Chef seiner „Beschützer“, Agent Quintiliani, Tag für Tag zur Weißglut zu treiben. Wobei der ein oder andere Hammer gegenüber einem arroganten Handwerker ebenso heimlich geschwungen werden wird, wie ein „Familienbesuch“ eigentlich der Lösung des Wasserproblems gelten wird. Was natürlich keiner ahnt.

Manzoni Junior zeigt währenddessen in seiner stillen Weise, das er das „Gen“ in sich trägt. Wunderbar schildert Benacquista den Jungen auf der Bank an seiner Schule, der wie Marlon Brando mit leichtem Kopfnicken oder Kopfschütteln sich die Sorgen der Mitschüler anhört und „Gefälligkeiten“ erweist, zum „Boss der Schule“ wird.

Während Belle (nomen est omen), die Tochter, durch ihre Schönheit dem halben Dorf den Kopf verdreht und Maggie, seine Frau, sich doch so langsam auf innere Distanz begibt.

„Bitte Maggie“.
„Du kannst mich mal“.

Eine temporeiche, wunderbar trocken und mit treffendem Humor erzählte Geschichte, die bis auf das erwähnte „Indiz“ und seine „Reise durch die Welt“ bestens unterhält.
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