Kundenrezension

18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was heißt eigentlich „Überforderung"?, 3. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Deutschland misshandelt seine Kinder (Kindle Edition)
Deutschland misshandelt seine Kinder - und für diese Kinder ist Deutschland ein furchtbares Land. Denn sie sind mehr als in anderen Ländern ihren Peinigern schutzlos ausgeliefert, weil Gerichte, Jugendämter, freie Träger und die zahllosen „Helfer" kläglich dabei versagen, ihren Schützlingen wirksamen Schutz zu geben. Dies aufgezeigt zu haben, ist das große Verdienst dieses Buches. Dafür würde ich sogar 6 Sterne geben.

Ich möchte als Betroffener noch auf einen anderen Punkt eingehen. Die Autoren setzen den Begriff der „Überforderung" meist in Anführungszeichen. Ich halte diese Bezeichnung auch für ungeeignet zur Erklärung gewalttätigen Verhaltens. In der Redeweise von den „überforderten“ Eltern werden die Eltern selbst zu Opfern gemacht. Sie sind dann nicht mehr für ihr Handeln verantwortliche Menschen, sondern selbst nur Opfer der Umstände, die sie „überfordern“, wie es im Jargon der Sozialpädagogen heißt. Sie misshandeln ihre Kinder „aus Überforderung" (so wird eine Familienrichterin zitiert). Aufgabe der Helfer ist es, die Familien zu „stabilisieren", indem sie die Eltern vor „Überforderung" bewahren. Es scheint ein Naturgesetz zu sein, dass Eltern ihre Kinder lieben. Und wenn sie ihre Kinder trotzdem fortgesetzt misshandeln, dann kann das nur an der „Überforderung" liegen, wofür sie schließlich nichts können. Das Ganze erinnert an den bekannten Satz: „Meine Eltern haben mich immer geliebt, nur konnten sie es nicht zeigen".

Bei anderen Tätern hört man nichts von Überforderung. Von Einbrechern, Bankräubern, Mördern und sonstigen Gewalttätern sagt man nicht, sie hätten ihre Straftaten begangen, weil sie aufgrund ihrer Biografie damit „überfordert" waren, ein normales Leben zu führen. Dieser Begriff bleibt elterlichen Gewalttätern vorbehalten, wobei überfordert dann heißt, eigentlich aus einer Art Notwehr heraus gehandelt zu haben.
Es wäre ehrlicher, statt von „überforderten", von „gewalttätigen" Eltern zu sprechen. Das würde ihnen den Opferstatus nehmen, den kriminellen Charakter ihres Handelns verdeutlichen sowie die aktive Täterschaft und die damit einhergehende Verantwortung benennen. Es böte auch für die Kinder einen größeren Schutz davor, zu schnell und leichtgläubig in die Gewalt ihrer Peiniger zurückgegeben zu werden. Fallbeispiele dafür finden sich genug im Buch.

In einem sind die Misshandler allerdings nicht überfordert: Wenn es darum geht, der Außenwelt ein intaktes Familienleben vorzuspielen.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 03.03.2014 19:47:54 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 07.03.2014 17:08:12 GMT+01:00
Dat Fienchen meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Veröffentlicht am 06.03.2014 18:21:03 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 06.03.2014 18:22:07 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 15.03.2014 13:01:38 GMT+01:00
[Von Amazon gelöscht am 19.03.2014 07:27:46 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.03.2014 20:51:49 GMT+01:00
jodielee meint:
Schon allein für eine so differenzierte Diskussion wie in Ihrer Rezension und Fienchens Kommentar bin ich den Autoren dieses Buches dankbar. Ich stimme Ihnen beiden zu. Die sozialpädagogischen Dummy-Kriterien "Überforderung" und auch "Kindeswohl" taugen nicht, um eine gewaltbelastete Situation hinreichend zu beschreiben. Denn entscheidend ist, worin die "Überforderung" besteht, und wie man sie beenden kann. Für die von Fienchen beschriebene Situation gibt es nämlich nur theoretisch konkrete Hilfe beim Jugendamt. Praktisch wird man für "überfordert" erklärt und eine sozialpädagogische Familienhilfe im Haushalt geparkt. Diese belehrt einen, dass man alles falsch gemacht hätte, und geht wieder. Wenn die Gewalt von einem Mann ausgeht, passiert noch nicht mal das.
Es ist an der Zeit, den Jugendbeamten klar zu machen, dass Eltern konkrete Hilfe und keine Belehrungen brauchen - das heißt, verdammtnochmal, einen Spülberg abtragen, den Müll runterbringen, was kochen, Mama in Ruhe duschen lassen, drei Waschmaschinen durchlaufen lassen, mal einen Takt mit Papas Chef reden.
Danach kann man, meines Erachtens, leichter unterscheiden, wer aktuell überfordert war, und wer wirklich bösartig ist und entsprechend dem Gewaltschutzgesetz aus der Familie entfernt werden muss.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.03.2014 13:34:36 GMT+01:00
Dat Fienchen meint:
Vielen Dank! Endlich hat mal jemand verstanden, was ich meine. Alle anderen finden ja anscheinend jegliche Kritik an dem Buch und jegliche kritische Meinung "Nicht hilfreich" - seltsamerweise ohne selbst Diskussionsstoff zu hinterlassen.
Ihrer Meinung kann ich nur zustimmen, denn genau darum geht es: Überforderte Eltern zu entlasten. Eine total erschöpfte Mutter am Rande des Zusammenbruches mal zwei, drei Stunden schlafen zu lassen. Mal den Haushalt zu erledigen, was zu kochen, die Einkäufe zu machen. Denn unter Dauererschöpfung und -anspannung zu leiden, und das über Monate, vielleicht sogar über Jahre, hält kein Mensch ohne Hilfe aus.
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