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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schöne Geschichte einer Freundschaft zweier ungleicher Freunde!, 18. April 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran (DVD)
Paris Ende der 1950er Jahre: Der gerade 15 Jahre alt gewordene und in einem heruntergekommenen Viertel in Paris lebende jüdische Junge Moses wächst alleine mit seinem Vater, einem erfolglosen Rechtsanwalt, und ohne seine mutter, die die Familie vor langer Zeit verlassen hat, auf. Für seinen Vater muss Moses täglich einkaufen gehen, den Haushalt machen und kochen. Sein Vater kümmert sich viel lieber um seine Bücher als um die Bedürfnisse seines vereinsamten Sohnes; stattdessen hält er Moses noch seinen älteren "Bruder" (der in WIkrlichkeit gar nicht existiert) ständig vor, der sich angeblich so verhalten hat, wie es dem Vater genehm gewesen ist, und der ganz anders wäre als Moses. Dessen jugendliches Lebensgefühl drückt sich viel mehr in (damals) Moderner Rock 'n' Roll- Musik aus, die er ständig im Radio hört. Aus den Fenstern der Wohnung kann Moses zudem die Prostituierten auf Kundenfang auf dem Straßenstrich der gegenüberlilegenden Straßenseite tagtäglich beobachten. Sie nähren seine sexuellen Triebe. Eines Tages plündert Moses daher sein Sparschwein, und mietet sich eine der aufreizenden "Damen", wodurch er seine "Unschuld" verliert. An diesen Aktivitäten findet Moses Gefallen, zumal diese Damen ihm mütterliche Gefühle und Verständnis entgegenbringen. Nebenbei verliebt sich Moses noch in eine gleichaltrige Nachbarin, die seine Liebe aber nur sehr oberflächlich erwiedert, und stattdessen Moses sogar mit einem anderen Jungen "betrügt".
Moses' sexuellen (käuflichen) Erfahrungen droht aber ein jähes Ende, als Moses' Verdacht schöpfender Vater von seinem Sohn verlangt, er solle die Ausgaben für die "Einkäufe" penibel in ein Haushaltsbuch eintragen. Um seine ihm aber lieb gewonnenen Prostituiertenkontakte weiter finanzieren zu können, beginnt Moses beim Lebensmittelhändler (Ibrahim) zu stehlen. Als dieser den jungen Dieb aber dabei erwischt, begegnet Ibrahim Moses überraschenderweise nicht mit Boshaftigkeit, sondern sogar mit Verständnis und nicht ohne Sympathie. Statt den Halbwüchsigen zu bestrafen, gibt er Moses schließlich sogar Tipps, wie er seinen Vater betrügen kann, indem er dessen Wein mit blligeren Sorten "streckt", Hundefutter als Pastete serviert, usw. Monsieur Ibrahim hat offenbar Verständnis für die jugendlichen Bedürfnisse und wird - trotz des Alters- und Kulturunterschiedes (Ibrahim ist Moslem) - Moses' bester Freund. Als solcher "unterrichtet" dieser Moses auch in Philosophie und Religion, und bringt ihm bei, dass man trotz Verschiedenartigkeit Freund sein kann, mitmenschlich und tolerant. Der sehr positiv dem Leben aufgeschlossene M. Ibrahim hat dabei ein etwas eigenwilliges Verständnis von Religion, und hält mehr vom "Verstehen durch das Herz" als durch buchstabengetreue Auslegung des Koran, und erklärt Moses, dass er sich zum mystisch- islamischen Sufi- Orden bekennt. Der lebenserfahrene Mann lässt Moses auch an seiner Weisheit über das Leben und die Liebe teilhaben.
Eines Tages verschwindet Moses' Vater spurlos; lediglich einen Abschiedsbrief (indem er seinem Sohn offenbart, dass er aufgrund beruflicher Probleme längere Zeit fortbleiben muss) und etwas Geld hat er seinem Sohn hinterlassen. Zunächst geschockt, erschließt sich Moses bald die VOrteile seiner neuen, überraschenden Freiheit: fortan genießt er wieder vermehrt die Besuche bei seinen "Freundinnen", gestaltet die Wohnungen mehr nach seinem Geschmack (z.B. streicht er die düsteren Wände mit hellen Farben) und beginnt sogar nach und nach die teuren Bücher der von seinem Vater geliebten Privatbibliothek bei Trödelhändern zu verhökern, um Geld für seinen "Spaß" und seine Bedürfnisse zu haben. Es gelingt Moses, die Behörden über seine einsamen, aber jetzt glücklichen Lebensumstände im Ungewissen zu lassen.
Als Moses eines Tages eröffnet wird, dass sich sein an Depressionen leidender Vater vor einen fahrenden Zug geschmissen hat, gelingt es ihm, M. Ibrahim zu überzeugen, sich von diesem als seinem Sohn adoptieren zu lassen. Vor seiner leiblichen Mutter allerdings, die eines Tages bei ihm auftaucht, zu der er aber nie eine Beziehung hatte, verleugnet er sich, indem er vorgibt, Moses wäre aus dieser Wohnung schon vor langer Zeit fortgezogen.
M. Ibrahim unternimmt viel mit seinem Sohn: so geht er mit ihm Schuhe kaufen, besucht mit ihm ein Türkisches Bad, u.A. Inspiriert (?) von seinem jugendlichen "neuen sohn" kauft sich M. Ibrahim eines Tages einen roten sportwagen. Mit diesem macht er mit Moses eine lange "Europa- Reise", bis zum "Goldenen Horn", nach Anatolien, seinem Herkunftsland, wo er mit Moses einige Abenteuer erlebt, in Istanbul Moscheen und Kirchen besucht, usw. In seinem heimatdorf angekommen, stirbt M. Ibrahim schließlich. Moses setzt er als seinen Erben ein, der fortan in Paris hinter seiner Ladentheke steht ...

Der aus dem Jahr 2003 stammende Film ist gut inszeniert und vermittelt gekonnt die entsprechende Atmosphäre des Milieus, in dem der Film spielen soll, und macht es dem Zuschauer somit nicht schwer, in diese Welt einzutauchen.
Auf dem Hintergrund einer besonderen Freundschaft soll der Film zudem für Mitmenschlichkeit, (religiöse) Toleranz und gegenseitiges Verständnis werben. - Diese Versuche wirken hier allerdings eher etwas peinlich und hölzern, als dass man sie wirklich ernst nehmen könnte. Die "religiös- philosophische" Message des Films gerät eher zu einem kaum beachteten Nebenprodukt des Films, als dass sie wirklich vom Zuschauer beachtet werden könnte; auch wenn natürlich diese Message offenbar der Sehnsucht Ausdruck geben soll, dass scheinbar gegensätzliche Religionen und Weltanschauungen "richtig betrachtet" zum gegenseitigen Verständnis und Toleranz beitragen sollen, statt in Hass gegenseitiger Missachtung. "Richtig" (mit dem Herzen) verstanden haben die großen Weltreligionen (hier: Islam und Judentum) mehr mit Liebe und der "richtigen Art zu leben" zu tun als mit Krieg und gegenseitigem Hass.
Dennoch überzeugt diese Message nicht. Der Film ist vor allem ein weltlicher Film, bei dem es keinen Unterschied macht, ob der Zuschauer religiös- philosophisches Vorwissen hat oder den Film als einen rein romantisch- melancholischen, wenn auch zuweilen durchaus humorvollen und mit viel dem damaligen Zeitgeist entsprechender (durchaus guter) (Rock- ) Musik untermalten Unterhaltungsfilm sieht. Tatsächlich ist dieser Film vor allem ein romantischer (Jugend-) Film, der nicht wirklich ernsthaft zum Nachdenken anregen will, sondern dessen vorgebliche religiös- philosophische Motivation sehr oberflächlich bleibt und nur ein wenig zum äußeren Rahmen des Films beiträgt. Der Film selbst gibt einigen romantischen Sehnsüchten nach Versöhnung und Überwindung von Grenzen und (scheinbaren) Gegensätzen z.T. auf recht naive Weise Ausdruck. Die religiösen Aussagen sind äußerst oberflächlich und unverbindlich. Die Handlung und die Aussagen des Films geraten mitunter ins kitschig- sentimentale.
Der Film möchte offenbar einen Bogen spannen zwischen (damals) moderner Rockmusik (und Jugendkultur), Leidenschaft, dem "Sinnlichen Leben", den unterschiedlichen Kulturen und Religionen und Generationen. Auch wenn man Menschen, die sich dafür einsetzen, durchaus für dieses Vorhaben loben möchte, so wirkt dieses Unterfangen in diesem - in dieser Hinsicht etwas oberflächlich- naiven - Film nicht gerade überzeugend. Zwar wird M. Ibrahim's "Sufi- Mystik" als ein Teil der "Lösung" dieses Problems angedeutet; doch ist es fraglich, ob diese religiöse Richtung des Islams wirklich dafür geeignet ist. - Zumal diese in diesem Film kaum in diesem Zusammenhang erklärt wird.
Dabei kann man sich fragen, ob der Film nicht sogar - auf diesem Hintergrund - besser ganz ohne Religion und die Ansätze von Philosophie ausgekommen wäre? - Schließlich gibt es auch freundliche, tolerante, "jung gebliebene" ältere Herren, die nicht besonders religiös sind. In diesem Fall müsste man dann natürlich den Untertitel - "... Und die Blumen des Koran" - ändern (wobei die Bedeutung der Blumen, die Moses nach dem Tod von M. Ibrahim in dessen ererbten Koran findet, im Film ohnehin völlig ungeklärt bleibt).
Die vielleicht wichtigste Message des Films ist aber, dass man das Leben lieben und leben soll; nur wer den Mut hat, dieses zu entdecken, kann auch Freude daran haben und seine Schönheit genießen. - Im Gegensatz zu einem lebensfernen Leben, das man hinter den eigenen 4 Wänden und sich den Büchern (und der Bildung) widmend verbringt (verkörpert in der lächerlich und unsympathisch wirkenden Person von Moses' Vater). Praxis steht hier über Theorie; echte Lebenserfahrungen über die "Welt der Bücher"; die "Bildung des Herzens" vor der "Bildung des Geistes". Hierbei sind gerade auch die Weltreligionen (als frühe Förderer auch von (Bücher-) Bildung) immer wieder als sehr lebens- und lustfeindlich wahrgenommen worden. In der Figur des M. Ibrahim will der Autor ausdrücken, dass die (islamische) Religion nicht zwangsläufig eine solche "negative" Erscheinung fordert, sondern dass vielmehr "positive WErte" wie u.A. Güte, Nächstenliebe, Solidarität und Toleranz eine wichtige Rolle spielen. - Genauere Bezüge zum Koran, sowie die Frage, wie und warum das genau in der modernen Realität aussehen müsste, bleibt uns der Film leider schuldig. Auf jeden Fall vermittelt der Film aber, dass M. Ibrahim ein Grundübel in den religionsbedingten Konflikten dieser Welt darin sieht, dass die religiösen FOrderungen falsch verstanden werden würden, weil sie "buchstabengetreu ausgelegt" werden. - Genaueres dazu erläutert der Film allerdings nicht.

Völlig zurecht erhielt der Film die Freigabe FSK 6 (wäre ein besonderes weltanschauliches, religiöses oder historisches o.Ä. Verständnis hierfür nötig gewesen, dann hätte es diese Freigabe sicherlich nicht gegeben!). - Einzig Moses' (vor allem sexuelle) Erfahrungen mit den Prostituierten, sein grundsätzlich positives Verhältnis zu den "Damen aus dem Gewerbe" hätten eine FSK 12- Freigabe durchaus in den Bereich des Denkbaren rücken lassen können. Ansonsten kann man sich diesen FIlm durchaus als "Kinderfilm" ansehen.

Der Film selbst fängt sehr spannend und vielversprechend an; mit einer realistischen Ausgangssituation, einem sympathischen, schlagfertigen und lebenshungrigen jungen Hauptdarsteller (Pierre Boulanger (dem mit diesem Film sein Durchbruch gelang)), einem weiteren recht sympathischen, und den "weisen, lebensfrohen Gutmenschen" gut repräsentierenden Hauptdarsteller (Omar Sharif), sowie den ebenfalls sehr gut agierenden Nebendarsteller(innen), den mit erotischer Spannung aufgeladenen Beziehungen Moses' zu den Prostituierten; die Probleme Moses' mit dem verständnislosen Vater in der Pubertät; ... - All das wirkt ja größtenteils sogar noch realistisch. Aber zum Ende des Films driftet der Film leider auch mehr ins märchenhaft- sentimental- Kitschige ab. - Ähnlich Hollywoodclichés, mit denen dieser ruhige Film in seiner Originalität sonst (zum Glück) wenig gemeinsam hat.

Dennoch ist es ein schöner Film, der mir gefallen hat, und der mit viel Atmosphäre, authentischem "Feeling" (auch durch die Rockmusik) und weitgehend realistischer und guter Handlung, die ohne laute Töne auskommt, überzeugt. Schwer fällt es lediglich, die religiösen Bezüge dieses z.T. doch recht naiv- romantischen Films ernst zu nehmen.
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