Kundenrezension

37 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Being boring, 7. September 2012
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Rezension bezieht sich auf: Elysium (Audio CD)
... das ist wohl der erste Eindruck vieler PSB Jünger. Ein wenig erinnert das an die erste Reaktionen auf das 1990er Album 'Behavior', darauf wird noch zurückzukommen sein ;-).

Das mit dem „Elysium“ ist etwas zu offensichtlich, deswegen sollte man da gar nicht so dolle drauf eingehen. Ja, das Album hat einen gewissen retrospektiven Charakter: Ja, das Album wirkt an mancher Stelle wie ein Tribut Album an sich selber, sowohl was die Musik angeht, als auch was die Texte betrifft. Und ja, das Album ist voller Hinweise und Widersprüche. Aber bitte nicht vergessen, über 25 Jahre ein prägender Bestandteil der Popgeschichte zu sein, und es sich dann noch leisten zu können, mit konischen blauen Hüten durch die Eröffnungsfeier der olympischen Spiele gefahren zu werden, dass sollte die Ängste ein wenig nehmen, dass es sich bei „Elysium“ um das letzte Album, den Abgesang handeln könnte. Die beiden Jungs lieben ihren Zirkus glaube ich einfach zu sehr. Daher zu dem wichtigsten, den Songs:

LEAVING. Ein schöne Eröffnung des Albums. Warme Synthis, ein schlanker Beat und ein poppiger romantischer Chorus, “I know enough’s enough and you’re leaving/ you’ve had enough time to decide on your freedom”. Hoffnung und Bedauern, manchmal hatte man ja vergessen, dass die PSB eben auch nicht zu unterschätzende Songwriter sind. Wie gesagt, ein guter Start in das Album.

INVISIBLE ist ein Midtempo Song über das Älterwerden, nachdenklich, weise, realistisch. Aber nicht depressiv. Oder doch? Die Grenzen verschwimmen. Der Song handelt davon, dass man ab einem gewissen Alter unsichtbar wird, grau, keinen einen mehr wahrnimmt. Die musikalische Umsetzung ist sehr passend. Zum ersten Mal wird (mir) hier der Bezug zum genialen ‚Behavior‘ bewusst. Langweilig beim ersten mal hören, aber auch nur beim ersten mal.

WINNER durch Olympia und als Single schon bekannt. Ein sich langsam aufbauender und steigender Popsong.

YOUR EARLY STUFF ist nur ein Interlude, mehr Text den Song. Es wird auf die glorreichen Anfangstage zurückgeblickt.

FACE LIKE THAT ist einer der beiden typischen, klassischen PSB Songs, der auch von ‚Actually‘ oder ‚Behavior‘ stammen könnte. Mich hat er sofort einkassiert, und so wird es einige Langzeitfans wahrscheinlich auch gehen.

BREATHING SPACE lässt genau das, Platz zum Atmen. Wieder kommt bei mir die Erinnerung an ‚Behavior‘ hoch, das kann aber auch an der herbstlichen Stimmung liegen. Eines der Highlights des Albums.

EGO MUSIC ist einer der simpleren und schwächeren Songs auf dem Album. Es geht um soziales Netzwerken in der verderbten Musikbranche. Was ihm fehlt, dem Song, ist ein wenig musikalische Raffinesse als auch textlicher Hintersinn. An manchen Stellen aber auch schon wieder witzig in seinem Humor, "In a sea of negativity, I'm a statue of liberty".

HOLD ON. Hossa die Waldfee!, denkt man auf den ersten Blick ins Beiheft, jetzt machen die PSB ernst und bauen einen Song auf Händel auf. Klingt dann im Ergebnis leider nicht ganz so spannend, weil eher nach Musical, könnte aber ein Hinweis darauf sein, wie die Zukunft der beiden „Jungs“ aussehen könnte.

GIVE IT A GO hat einen angenehmer 60er Lounge Pop Vibe, ein fast schon gut gelaunter Song bei dem man meint, Kurt Bacharach sitzt hinten in der Ecke.

MEMORY OF THE FUTURE ist der zweite typische, klassische PSB Song. Das Synthi Horn lässt den Song ein wenig wie ‚Rent‘ oder ‚Can you forgive her‘ klingen, er ist sehr melodisch und sehr strukturiert.

EVERYTHING MEANS SOMETHING. Wieder ein langsamer Midtempo Song, melodisch nicht ganz so stark wie BREATHING SPACE aber trotzdem eine schöne sentimentale Elektro Pop Nummer, passend zur Jahreszeit.

REQUIEM IN DENIM AND LEOPARDSKIN ist ein wahrer Schlusssong, sowohl für das Album, die Karriere der beiden Jungs als auch für die gesamte Popmusik an sich. Theatralisch, pompös, wundervoll, mit “Ozzy’s last collection/ and Bieber’s closing sale” scheint es, als ob die Popmusik ihren letzten Atemzug macht. Das tut sie natürlich nicht.

Alles in Allem: keine Platte für die Disco, eher für nächtliche Autofahrten, mit einigen sehr schönen Songs und Highlights (LEAVING, INVISIBLE, BREATHING SPACE, MEMORY OF THE FUTURE und REQUIEM), sehr viel Introspektion und Reflexion, sowohl zu Ihrer Rolle in der Popwelt als auch generell zum Älterwerden und sehr sehr viel Stimmung. Man muss dem Album allerdings etwas Zeit geben, es klingt natürlich vertraut, aber es braucht etwas Zeit, um damit warm zu werden. So kurz nach Veröffentlichung macht noch keinen Sinn, das Album in die Ewige Rangliste einzusortieren. Wo es darin aber wahrscheinlich enden wird, dass dürfte wohl klar sein, so oft wie ich dieses eine Album erwähnt habe ;-). Direkt neben dem 1990 Album ‚Behavior‘ und das ist nun wirklich kein allzu schlechter Platz …

Update nach 4 Wochen: 'Elysium' hat nichts von seinem Charme verloren. Ganz im Gegenteil, die Platte ist hervorragend geeignet für den Spätsommer und den beginnenden Herbst. Der erste Eindruck hat sich erhärtet, das Album spielt definitiv in der Liga von 'Behavior'. Wahrscheinlich bzw. hoffentlich werden das einige andere Fans, die Anfangs enttäuscht waren, das auch noch bemerken.

PS. Eine kleine Ergänzung noch, ich hoffe sie ist erlaubt: Auf der Deluxe Edition bei iTunes ist ein knapp 60 minütige Dokumentation in Form eines Interviews. Wer also mal wieder (a) gepflegtes britisches Englisch hören will und (b) einige Insights direkt aus dem Munde der beiden erfahren möchte .... sehr zu empfehlen.
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1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 09.09.2012 16:53:08 GMT+02:00
Täusche ich mich oder steckt in A FACE LIKE THAT jede Menge LOVE COMES QUICKLY? Klingt für mich stellenweise wie ein Remix des PSB-Klassikers.
Ach und bevor ich es vergesse: Tolle Rezi, finde diese gehaltvollen Einzelbewertungen der einzelnen Tracks immer besonders hilfreich.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.09.2012 21:58:01 GMT+02:00
ROTT meint:
Hmmmm .... gute Frage. Mich erinnert A FACE LIKE THAT eher an was von 'Very', ich muss da aber noch mal reinhören um genau zu sagen an welchen Song. Dafür weiss ich inzwischen, woran REQUIEM mich am meisten erinnert, ganz eindeutig BEING BORING.

Was ja als Motto wohl auch vielen Hörern zum Album einfällt ;-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.09.2012 20:40:23 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 12.09.2012 20:40:47 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 17.09.2012 07:47:31 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 17.09.2012 07:48:36 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 20.09.2012 16:33:48 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 20.09.2012 16:34:28 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 21.09.2012 23:09:13 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 24.09.2012 16:27:42 GMT+02:00]
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ROTT
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