Kundenrezension

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5.0 von 5 Sternen Sola Scriptura - Feinste Prog-Rock-Musik im Stile der frühen Spock's Beard, 21. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Sola Scriptura (Audio CD)
Dieser Mann ist einfach unwirklich. Jahr für Jahr erscheint ein neues Album und seit einigen Jahren werden sie zudem immer besser. Damit ist klar, ich liebe dieses Album. Denn wenn schon der Vorgänger "?" großartig war, so ist "Sola Scriptura" eine Rückbesinnung auf alte Stärken. Das Werk, das sich thematisch sehr lose um das Leben und Werk von Martin Luther dreht, weist sowohl vom Sound, der Instrumentierung als auch vom Songwriting Parallelen zu den frühen Werken von Neals alter Band Spock`s Beard auf (dabei erinnern die Stücke vor allem an "The Light" oder "At The End Of The Day").

Nun mögen dies einige Kritiker hier als ewige Wiederholung verpönen, aber diese sollten sich fragen, ob man anderen Künstlern ähnliche Vorhaltungen machen würde? Meines Erachtens ist die ehrliche Antwort darauf ein Nein! Denn letztendlich ist es doch so, dass es etwas Positives ist, auch vom Sound her ein Markenzeichen zu haben. So ist es bei den Gebrüdern Young von AC/DC und so ist es -wenn auch auf einer anderen musikalischen Ebene- bei Neal Morse.

Der Sound verleiht dem Album ein wohliges vertrautes Gefühl, dass sich da - obwohl es neu ist - was Bekanntes abspielt. Der Wiedererkennungswert ist extrem hoch und das gilt auch für die Qualität - sowohl in instrumenteller als auch in kompositorischer Hinsicht. Zudem es bei den ersten Solo-Werken nach dem Ausstieg von Morse bei Spock`s Beard eine bewussten Abkehr vom SB-Sound (den Neal nun mal maßgeblich geprägt, wenn nicht gar erschaffen hatte) gab und dafür musste er auch Häme und Kritik einstecken. Es scheint, dass er es seinen Kritikern auch gar nicht Recht machen kann, so er das denn je wollte.

Neal Morse gehört sicherlich zu den besten Songwritern im Bereich progressive Rockmusik. Wo andere Bands alleine auf die Stärke an ihren Instrumenten vertrauen, darüber aber leider viel zu häufig vergessen, dass alldem ein guter Song zu Grunde liegen muss, denkt Morse zuerst in Songstrukturen und Melodiebögen, ehe er sich der instrumentellen Ausgestaltung widmet. Das ist kein Hindernis sondern der einzig richtige Weg. Und diesen beschreitet Morse auch auf Sola Scriptura konsequent.

Zudem ist es nicht so, dass die beteiligten Musiker ihr Handwerk nicht verstünden, ganz im Gegenteil: Mike Portnoy (Dream Theater) gehört zu den besten Schlagzeuger, die man in diesem Bereich Musik auftun kann, dementsprechend grooven die Aufnahmen auch sehr schön, die Breaks sitzen und die Fills versüßen die Songs noch weiter. Bassist Randy George ist wie Mike Portnoy bei allen Solo-Aufnahmen von Neal seit dem Split von SB dabei. Und auch wenn er sicherlich nicht zu den bekanntesten Namen des Business gehört, so ist er ein überaus begnadeter Instrumentalist, der sich nie in den Vordergrund spielt, aber alle Unisono-Passagen mitgehen kann und auch das ein oder andere Mal mit einer schönen Melodie im Hintergrund brilliert. Als Solo-Gitarristen hat sich Neal Morse dieses Mal Paul Gilbert (ex-Mr.Big, Racer X) ins Studio geladen, der drei der vier Songs mit kurzen, knackigen aber technisch versierten Soli auf der E- und Akustik-Gitarre (im Flamenco-Stil) verziert. Den Hauptanteil der Arbeit übernimmt natürlich wieder der Meister selber: Gesang, Keyboards, Gitarre. Unterstützt werden die Musiker zudem von mehreren Streichern und einem Hornisten, die der Musik eine zusätzliche Tiefe geben.

Nun mögen einige bemängeln, dass Neal Morse auf seinen Solo-Werken fast ausschließlich über seine Bekehrung zum Christentum und seinen Glauben singt. Daran kann ich erst einmal nichts Schlimmes entdecken, es ist mir im Gegensatz zu den Texten zahlreicher Deutsch-Rapper, bei denen die Wörter Schlampen, Schwänze und ähnliches zum Repertoire gehören, immer noch lieber über spirituelle Erfahrungen zu hören. Oder sollte er immer wieder die gleichen Schnulzen über Liebe singen, wie es andere Rockbands tun? Dann doch lieber jemand, der aus Überzeugung von dem singt, was ihn bewegt.

Zumal es nicht so ist, dass es ständig Choräle von "Hosianna", "Amen", "Jesus", oder "O Lord" gibt auf diesem Album. Man kann es auch leicht überhören, dass es sich hier um ein Glaubensbekenntnis handelt. Auch hier steht - wie immer bei Neal Morse - die Musik im Vordergrund. Natürlich ist sie das Vehikel, um eine Botschaft zu transportieren, aber im Gegensatz zu vielen anderen hat er eben auch eine Botschaft.

Auch über die vorkommende Kritik, in ein Stück, das sich lose textlich mit einer Person des Mittelalters beschäftigt eine Flamenco-Gitarren-Passage einzubauen kann ich aber nur schmunzeln. Angesichts dessen, dass Neal Morse auch ansonsten bei diesem Werk recht wenig auf mittelalterliche Musik setzt, entbehrt dieser Vorwurf nun wirklich jeder Grundlage, denn ansonsten müsste er sich schon generell Chorälen und geistlicher Musik dieser Zeit bedienen, um nicht kritisiert zu werden.

Aber im allgemeinen scheinen mir das meist doch ideologische Grabenkämpfe zu sein, denn was man auf "Sola Scriptura" zu Hören bekommt sind 76 Minuten hervorragender progressiver Rock-Musik, die sich doch sehr an den guten alten Spock`s Beard-Zeiten und Sounds orientieren, ohne dabei aber wie ein billiger Abklatsch alter Ideen zu klingen. Vielmehr präsentiert sich Neal Morse hier wieder voller Elan und Kreativität und das macht "Sola Scriptura" zu einem wahren Hochgenuss und Fest für jeden Freund progressiver Rockmusik.
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