Kundenrezension

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Genial und entlarvend, 11. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Wem gehört die Zukunft?: "Du bist nicht der Kunde der Internetkonzerne. Du bist ihr Produkt." (Naturwissenschaft) (Gebundene Ausgabe)
Ich finde Jaron Laniers Buch einfach nur genial und wirklich entlarvend.
Entlarvend in mehrfacher Hinsicht:
1) Die von Lanier schonungslos umgesetzte Analyse der Fehlentwicklungen und dubiosen Praktiken der Sirenenserver und der Online-Wirtschaft sind beachtlich und sollten von jedem scheuklappentragenden Technologie-Hörigen gelesen werden.
2) Es ist unglaublich wohltuend von einem anerkannten Fachmann zu lesen, dass hinter dem Internetboom eine sich neu etablierende Religion steckt, die ihren Anfang im Silicon Valley hat. Uns Normalsterbliche, die das vor dem Buch schon kritisiert haben, hat man ja bisher nur milde belächelt. Und auch dieses arrogante "in den Bart Lächeln der Wissenschaft" (Musil) spricht er offen an. Danke Jaron Lanier!
3) Jaron Laniers Kritik an den ebooks und den damit einhergehenden Qualitätsverlust und die Entmündigung der Leser ist genau das, was in der Diskussion darüber bisher gefehlt hat: Die allergrößten Kälber wählen ihre Schlächter selber.
Hätte das alles ein anderer geschrieben: mildes besserwissserisches Lächeln und S***storm...
4) Und darum habe ich mich gegen den letzten und fünften Stern entschieden:
Von der Schlusspointe auf den letzten Seiten bin ich ehrlich enttäuscht. Die Lösung aller wirtschaftlichen Probleme wieder in einer staatlichen Maßnahme zu sehen (und zu zeigen) entlarvt für mich leider nur eines: Die Technologie bringt nicht die Lösung, auch nicht als Informationswirtschaft im Lanierschen Sinn, die er mit der Schlusspointe - Grundeinkommen für alle - auch ziemlich relativiert.
Die von Lanier im ersten Teil des Buches so genial kritisierte Technologie ist das Problem.
Wir leben auch gemäß Lanier in der Zeit der größten geistigen und technischen Verarmung der westlichen Geschichte. Und wer's nicht glaubt, der möchte sich einmal irgendwo aufs Land oder in Stadtarchive bemühen und nachsehen, welche Handwerksbetriebe, Erwerbszweige und Arbeitsplätze in den letzten 150 Jahren verschwunden sind. Das Internet hat mehr Arbeitsplätze in den letzten beiden Jahrzehnten zerstört als geschaffen.
Mein Fazit aus dem wirklich genialen Buch: Das Internet in der heutigen Anwendung ist nicht die Lösung, es ist und bleibt das Problem.
Die Zukunft muss wieder den Menschen und der nicht-virtuellen Realität gehören.
Ad multos annos!
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 13.10.2014 10:52:05 GMT+02:00
Wem gehört die Zukunft?: "Du bist nicht der Kunde der Internetkonzerne. Du bist ihr Produkt." (Naturwissenschaft)

Das bedingungslose Grundeinkommen wirkt tatsächlich etwas aufgesetzt und ist eine separate, wenn auch durchaus bedenkenswerte Problematik.

Ohne gewisse zusätzliche staatliche Eingriffe wird es nicht gehen. Lanier plädiert ja immer für marktwirtschaftkonformes Vorgehen. Leider verlässt ihn die Detailfreude ein wenig, dort wo es um die Vergütung der Datenlieferung geht, welche durch alle unsere Internet-Aktivitäten an Apple, Google und Co. dauernd erfolgt. Wie präzis versteigert Google doch jeden Klick auf einen Werbelink intern an seine Kunden! Sicher könnten diese Firmen ohne grossen Aufwand für jeden Blogeintrag, für jeden Klick usw. einen aus dem Marktwert ermittelten Mikrobetrag auf ein Konto gutschreiben. Lanier wäre imstande, dies zu vertreten und auch für Techniker plausibel zu fordern. Hier wartet noch Arbeit auf ihn.

Jedenfalls wäre es vernünftiger, der Staat hier regulieren zu lassen als Sozialhilfegelder zu verteilen und später gar Polizei auf Demonstranten los zu lassen.
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