Kundenrezension

526 von 555 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lebe deine Träume, 24. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Die 4-Stunden-Woche: Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben (Broschiert)
Das Buch "Die 4-Stunden Woche" von Tim Ferriss ist eine interessante Mischung aus

* (teils fernöstlichen) philosophischen Erkenntnissen über Leben und Glück
* Extrakten modernen Zeitmanagements mit angewandter Prozessoptimierung und Indien-Integration
* Anleitung für ein Internet-Start-Up mit geringstem Aufwand und
* eine gute Portion augenzwinkernder "Smartheit" vermengt mit gesundem Menschenverstand.

Klingt etwas verrückt? Ist es zunächst auch, aber nichts anderes suggeriert ja auch der Titel. Von einer 4-Stunden-Woche dürften die meisten durchschnittlichen Arbeitnehmer und auch Unternehmer so weit entfernt sein wie Tim Ferris von einem 9-to-5-worker.

Ferriss ist 1977 geboren, Self-made-Unternehmer, Weltenbummler und Bestseller-Autor. Der Klappentext sagt zu Ferris Initiation: "Während er fünfzehn Monate durch die Welt reiste merkte er, dass er seine Firma nebenbei in 4 Wochenstunden führen kann. Die gewonnene Zeit nutzte er u.a., um in Berlin Deutsch zu lernen und in Argentinien bis zur Guinness-Buch-Reife Tango zu trainieren." Außerdem erfährt man im Buch, dass Ferriss diverse Kampfsportarten beherrscht, boxt, Motorradrennen fährt und in Mini-Auszeiten die Welt bereist und dabei Sprachen und alles mögliche andere lernt. Eins wird recht schnell klar: Ein Durchschnittstyp, der gern auf dem Sofa liegt und ein Buch liest, ist das bestimmt nicht. Eher jemand, der sein Leben schon immer aktiv selbst in die Hand genommen und dabei einige wichtige Erfahrungen gesammelt hat.

Im Buch wird erklärt, wie man sich in den Schritten
D efinition
E liminieren
A utomation
L Liberation
aus dem Joch eines in einem Job festgezurrten, unbeweglichen und langweiligen Leben befreit. Wer will schon jahrelang unzufrieden und unglücklich buckeln, um dann in der Rente festzustellen, dass er entweder zu wenig Geld oder gar keine Lust mehr hat, sein Leben zu genießen? Und wer unternimmt WIRKLICH etwas dagegen, anstatt nur darüber zu jammern oder es schweigend hinzunehmen, dass es ja nun mal irgendwie so sein muss?

Darum geht es Ferriss - es gibt nur dieses eine Leben, und es ist einfach zu schade, es für etwas zu opfern, das man eigentlich gar nicht machen will. Es gibt so viele andere schöne Dinge im Leben, man muss sich nur trauen, seine Träume überhaupt wieder zuzulassen und aus dem Traum mit einer konkreten Vorgehensweise Realität zu machen. Und das ist die zweite wichtige Botschaft des Buches: Yes you can. Dafür hat Ferriss sich wirklich bemüht, nicht nur auf einer abstrakt philosophischen Ebene eines Standard-Motivationsbuches zu predigen, sondern konkrete Vorgehens-Ideen (natürlich anhand seiner eigenen noch gar nicht so langen Lebensgeschichte) zu liefern.

Es steht viel Richtiges in diesem Buch: Sein Leben muss man selbst in die Hand nehmen, und der richtige Zeitpunkt dafür ist jetzt. Es gibt nichts Gutes außer man tut es. E-Mails, Meetings, Telefonate sind häufig überflüssige Zeitfresser. Produktivität lässt sich mit einem konsequent eingesetzen Pareto-Prinzip um Größenordnungen erhöhen (z. B. konzentriere dich auf die 20% Kunden die 80% deines Umsatzes machen). Nach dem Parkinson-Gesetz dauert das Projekt immer exakt so lange wie Zeit dafür ist. Die wirklich wichtigen Dinge sind selten bequem, also raus aus der Komfortzone. Was ist das Schlimmste was Ihnen passieren könnte. Wenden Sie Sandwich-Kritik an. Und so weiter. Das ist alles nichts bahnbrechend Neues - Tim Ferris hat es nach 15-Stunden-Tagen als Unternehmer und einem Nervenzusammenbruch aber für sich in der Praxis entdeckt.

Es sind auch interessante Ideen dabei, die sich nach mehrmaligem Nachdenken durchaus als nützlich erweisen können. Die Idee, einen persönlichen Assistenten in Indien anzuheuern, an den man für 10 Dollar die Stunde unangenehme Arbeiten delegiert, könnte eine davon sein. Die recht radikalen Ansichten zur "Informationsdiät" könnten eine Rettung für alle sein, die in E-Mails, Telefonaten und Meetings ertrinken und dabei eigentlich gar nichts mehr schaffen.

Für alle, die das Gefühl haben, in ihrem Bürojob langfristig absterben zu müssen und eigentlich viel lieber in den Alpen Fallschirm springen, einen Weltrekord im Bäumesägen in der Schweiz erringen oder in China ein gemeinnütziges Unternehmen gegen Umweltverschmutzung gründen wollen, ist dieses Buch eine Bereicherung und vielleicht auch der Anstoß, endlich den Sprung zu wagen.

Der für mich größte Kritikpunkt an dem Buch sind die Annahmen, die im stillschweigend getroffen werden:

* Jeder sollte Unternehmer werden und sein Unternehmen so gestalten, dass es automatisch mit geringstem Aufwand Geld abwirft, mit dem man sich dann seine Lebensträume finanziert.
* Die meisten hassen ihre Bürojobs, eigentlich wollen sie viel lieber Weltreisen machen, Skifahren in den Anden, in Japan Bus fahren etc., aber trauen sich.

Beide Annahmen passen sehr gut auf Menschen "seines Schlages", aber die Welt besteht nicht nur aus abenteuerlustigen Unternehmern à la Ferriss. Meine Befürchtung wäre, dass keiner mein Buch "Wie ich unbedingt Neureicher Weltenbummler werden wollte aber irgendwie nicht so cool wie Tim Ferris war" lesen möchte, von dem ich dann meinen Lebensunterhalt finanzieren müsste ;-)

Im Ernst: Ferris ist meiner Ansicht nach ein ESTP (MBTI Kenner wissen was ich meine, die anderen verweise ich auf das Buch "Please understand me"). Im Kern also ein SP, ein Jäger, einer der ständig neue Herausforderungen sucht, der nicht Ruhe gibt und mit seiner enormen Energie und Umsetzungsdrang die für ihn wichtigen Dinge umsetzt.

Ich bin eher skeptisch, wenn jemand mit einer "Glücksformel" daher kommt. In den USA sind Bücher der Art "In 100 Tagen Millionär" der Renner, vermutlich kommt jeden Monat ein solches Buch auf den Markt. Das zeigt zumindest, dass die Menschen nach Konzepten zur Verwirklichung ihrer Träume suchen, wenn auch die wenigsten die Ratschläge wirklich umsetzen werden (können). Dass das Buch "4-Stunden-Woche" heißt, verdeutlicht aber, dass Ferriss einen etwas anderen Weg geht: Du brauchst keine Million, du brauchst nur soviel Geld um deine Träume zu leben - und die erstaunlicherweise manchmal deutlich billiger als eine Mietwohnung.

Trotz aller Kritik hat das Buch daher auch seine Berechtigung: Wer nicht nur für eine empfundene Tretmühle leben möchte (als Arbeitnehmer oder Unternehmer) und sich vorstellen kann, dafür mit seinen gewohnten Denkweisen zu brechen, findet im Buch konkrete Ansätze für eine "Flucht". Ferriss ist den Weg gegangen und hat dabei etwas über Bord geworfen, was die meisten seiner Leser davon abhalten wird, sein Leben einfach nachzuleben: Die Angst zu scheitern.
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Kommentare


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1-10 von 12 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 05.01.2009 15:32:54 GMT+01:00
G. Engelmann meint:
Ein sehr nützlicher Kommentar, der mir bei Entscheidung, ob ich das Buch kaufen soll, sehr geholfen hat.

Veröffentlicht am 11.03.2009 02:33:01 GMT+01:00
medicus meint:
Vielen Dank! Das ist eine super Interpretation von dem Inhalt dieses Buchs!

Veröffentlicht am 21.03.2009 17:52:38 GMT+01:00
Andrea Bloss meint:
Ein ganz dickes Lob für diesen Kommentar!!!

Veröffentlicht am 31.05.2009 11:41:12 GMT+02:00
Im Buch soll man sich vor Augen führen, was alles im schlimmsten Fall passieren könnte. Laut Autor wäre das dann nicht so schlimm und man hätte keine Angst mehr davor, sich bspw. selbständig zu machen. Für mich finge der Teil dann so an: Pleite, ich könnte keine Miete bezahlen, hätte kein Auto, das Jugendamt würde alles pfänden, damit ich mein Kind bezahlen kann, ich würde in eine WG umziehen müssen, keine Freundin haben, keine zukünftige Familie, ....

Jetzt habe ich Angst. Evtl ist es anders, wenn man in den USA lebt und reiche Eltern hat. Worst case: ich müsste die Eltern anpumpen. Leider hab ich so was nicht.

Fazit: Einsteigerlektüre für Leute, die noch jung sind und nichts zu verlieren haben...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.09.2009 12:21:44 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.09.2009 12:26:09 GMT+02:00
Someone meint:
Da hast du aber nicht weit genug gelesen. Er steigt mit der finanziellen Absicherung durch ein - am besten komplett automatisiertes - Kleinunternehmen ein. Erst wenn dieses auf eigenen Füßen steht und gewinne abwirft solltest du an die Möglichkeit der Kündigung denken - und dass auch nur wenn du es nicht schaffst den 'Chef' davon zu überzeugen von zu Hause aus produktiver zu sein.

Er schließt deinen Sorgenfall also sehr wohl aus.
Das deine Ausgangssituation gleichwohl sehr viel schwerer ist ist keine Frage.

Veröffentlicht am 25.11.2010 15:05:54 GMT+01:00
Dave Daveson meint:
Danke für dieses ausführliche Kommentar. Es verschafft einen guten eidruck über den inhalt.

Veröffentlicht am 13.08.2011 08:01:42 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.08.2011 08:02:55 GMT+02:00
Axel Springer meint:
Differenzierte und aussagekräftige Rezension. Um so ärgerlicher der Bezug auf MBTI (Myers-Briggs-Typindikator) und daraus abgeleitete Persönlichkeitsurteile. Erstens kennt diesen wohl kaum jemand der Leser (vulgo: name dropping) und zweitens hat die wissenschaftliche Psychologie schon seit fast 100 Jahren aus gutem Grund Persönlichkeitstypologien dieser Art aufgegeben. Es fehlt schlicht der statistische Nachweis: Nicht alles, was plausibel erscheint, ist auch gültig.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.02.2012 14:46:52 GMT+01:00
E. Boos meint:
Deine Angst hat dich fest im Griff. Leider.

Veröffentlicht am 26.07.2012 11:24:33 GMT+02:00
F. Kumor meint:
Danke für den Kommentar. Sehr hilfreich, um einen Überblick zu bekommen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.05.2013 16:02:31 GMT+02:00
Warum geben Sie ihre feste anstellung auf ? machen Sie sich doch nebenbei selbständig und zwar so das man kaum ein risiko hatt. das buch kopf schlägt kapital ist hier eine weiterführende literatur.
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