5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Eine Spitzensportlerin, die man nicht haben wollte.,
11. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Berlin '36 (DVD)
Die große Leidenschaft einer jungen Frau ist der Hochsprung. Sie ist richtig gut, so gut, dass sie bei den Olympischen Spielen eine klare Chance auf die Goldmedaille hätte. Doch man schreibt das Jahr 1936 und Gretel ist Deutsche, jüdischen Glaubens.
Da ihre Familie bedroht wird, kehrt sie aus England zurück und lässt sich von den Nazis funktionalisieren. Denn auch die haben Druck von Seiten der Amerikaner, die mit Boykott drohen, wenn jüdischen Sportlern nicht die Teilnahme an den Spielen ermöglicht wird. So wird Gretel pro forma ins deutsche Trainingslager aufgenommen. An Steinen wird nicht gespart, die ihr in den Weg gelegt werden. Als sich der Reichstrainer ihr wohlwollend und dementsprechend nicht konform verhält, wird er kurzerhand ersetzt. Doch das schwerste Geschütz stellt man in ihrer bisher unbekannten Konkurrentin "Marie" auf, die man berechnend aus dem Hut zaubert. Denn die 'Jüdin' darf sich auf keinen Fall qualifizieren. Dem Reichssportführer ist natürlich bekannt, dass es sich bei "Marie" um keine Frau handelt. Was die Führerschaft jedoch nicht geplant hatte war, dass bei der Begegnung dieser zwei, unter Druck gesetzten Außenseiter sich zögerlich eine Freundschaft entwickelt. Letztendlich verbünden sie sich gegen den Rest der Nation. Doch wer wird die Oberhand behalten? .....
Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit. Es gibt viele Filme, die sich mit der Behandlung der deutschen Juden im 3. Reich beschäftigen. Doch dieser schildert eine sehr frühe Phase und zeigt, dass auch hier bereits das zynische und menschenverachtende System der Nazis rollte.
Karoline Herfurth ist für die Rolle der Gretel Bergmann meiner Meinung nach ideal besetzt. Sie hat für ihre Rolle sehr intensiv an ihrer Hochsprungtechnik gearbeitet und lässt sich wohl in keiner Szene doubeln. Sebastian Uzendowsky als Marie hat es da schwer, neben ihr zu bestehen. Leider gelingt die Verwandlung zur Frau nicht sonderlich perfekt. Das ist aber einer der wenigen Abstriche, die bei diesem Film zu machen sind.
Sehr spannend ist, dass die echte Gretel Bergmann noch lebt. Sie ist 1938 in die USA emigriert. Sie kommt am Ende des Filmes selbst zu Wort. Unterdessen zählt sie 96 Lenze, hat aber eine Haltung wie eine 60jährige. Sie weigert sich vehement, jemals wieder deutsch zu sprechen. Man kann es verstehen. Hätte sie eine Medaille gewonnen, wäre sie die letzte noch lebende deutsche Gewinnerin der Olympiade 1936. Aber auch so ist sie die wahre Siegerin.
Extras: Trailer, 4 entfernte Szene, aber vor allem ein 16minütiger Film über 'Hintergründe und Entstehung', bei dem auch die wahre Frau Bergmann näher vorgestellt wird.
Fazit: Sehr empfehlenswert!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?