Kundenrezension

410 von 443 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tiefer, würdiger und inspirierender Einblick in das System und seinen Schöpfer, 27. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers (Gebundene Ausgabe)
Eine Erklärung gleich vorneweg: Ich halte nichts vom scheinbar ewigen Streit zwischen sogenannten Apple-Fans und Apple-Hassern. Ich selbst bin weder das eine noch das andere. Ich besitze einen iPod touch, ein iPad, einen normalen, selbstgebauten Desktop-PC und ein Sony Notebook. Ich arbeite beruflich sowohl an PCs als auch an Macs. Jedes Gerät hat seine Fähigkeiten und Vor- und Nachteile. Die kann man nützlich finden oder nicht. Trotz allem aber ging von Apple Produkten immer schon eine besondere Aura aus - über ihren eigentlichen Nutzen hinaus. Darüber mehr zu erfahren, hatte ich mir vom Lesen dieses Buches erhofft - und wurde nicht enttäuscht.

Englischsprachige Autoren haben die Tendenz, ihre Inhalte in Form einer Geschichte zu erzählen. Das ist hier nur im ersten Teil des Buches der Fall, was aber keinesweg negativ ist. Steve Jobs Kindheit und Jugend wird erzählt im Licht seiner, für die Zeit der 1960er und 70er typischen Suche nach spiritueller Führung und Erleuchtung, dem Folgen der Ahnung, dass es da mehr im Leben geben muss, als Materialismus und westliche Moral. Zusätzlich wird Jobs Schmerz, als Kind aufgegeben worden zu sein (er wurde von seiner Mutter zur Adoption freigegeben) als eine weitere emotionale Triebfeder, welche zu seinem Kontrollbedürfnis führt, vorgestellt. All dies geschieht sehr offen und neutral, oft kommen Jobs (wie überhaupt im ganzen Buch) oder beteiligte andere Personen selbst zu Wort und auch dunkle Kapitel wie etwa seine von ihm nicht akzeptierte Tochter werden nüchtern erzählt.

Im späteren Verlauf des Buches folgt die Gliederung anhand wichtiger Ereignisse - wie die Entstehung des Apple II, des Macintosh oder des iPhones. Hier wandelt sich die Biographie von einer zusammenhängend erzählten Geschichte hin zu einer chronologischen Dokumentation wichtiger Episoden. Und hier spielt das Buch auch eine seiner großen Stärken aus: es ist äußerst gründlich recherchiert und ganz offensichtlich nicht "verbogen" zu einer bestimmten, gewünschten Meinung. In jedem Kapitel kommen viele Personen selbst zu Wort, bei wichtigen Streits stellt der Autor oft die gegensätzlichen Blickpunkte der involvierten Personen nebeneinander - auf das man sich selbst eine Meinung bilden kann.

Dabei kommen sowohl Jobs strahlende, als auch seine dunkle Seite klar zum Vorschein. Zugute halten kann man dem Autor auch hier, dass er nicht psychologisiert. Denn im Verlauf des Buches wird schnell deutlich, dass Jobs Verhalten heute wohl als (Borderline-?)Persönlichkeitstörung diagnostiziert werden würde. Er war fähig zu extremen emotionalen Schwankungen, sowohl zu extremer Aufmerksamkeit, Schaffenskraft und Romantik wie auch zu absoluter Ignoranz, Desinteresse und größter Rücksichtslosigkeit. Im Verbund aber mit seiner Geschichte, seiner spirituellen Weltsicht, seiner Liebe für und Suche nach Kunst und schließlich auch der Personen um ihn herum, war er zu wahrhaft großer Genialität imstande.

Es ist die große Leistung des Autors, nicht nur nachvollziehbar zu zeigen, wie Steve Jobs arbeitete und dass er tatsächlich (ob man Apple nun liebt oder nicht) unsere Welt veränderte, sondern auch, unter welchen Opfern dies geschehen ist. Neben zahllosen gefeuerten, moralisch und geistig zerschmetterten und mißachteten Menschen, fiel am Ende auch Steve Jobs selbst seiner egozentrischen Weltsicht zum Opfer (in dem er sein Krebsleiden zunächst selbst durch bloße Diät, Kräuter, u.ä. zu heilen glaubte).

Mich hat das Buch zutiefst beeindruckt und gleichzeitig die Aura von Apple und seinem Gründer zufriedenstellend und inspirierend erklärt. Jobs großer Erfolg lässt sich auf seinen manischen Hang zur Kontrolle zurückführen: Deshalb ist das System Apple so geschlossen wie es ist. In seinem innersten, auch dies kommt deutlich heraus, war Steve Jobs ein Künstler, dessen größte Inspiration die natürliche menschliche Intuition und schlichte Einfachheit war. Seine Produkte sind Kunstwerke, die mittels moderner Technik ebendiese beiden Punkte in sich vereinigen. Deshalb hat das iPad nur einen wirklichen Knopf und deshalb kann es selbst ein 6- oder ein 80-jähriger sofort bedienen. Durch die Geschlossenheit seiner Apple-Produkte, durch das beinahe unveränderliche Gesamtpaket, konnte der Künstler sicherstellen, dass sein Kunstwerk genau so bei seinem Benutzer ankommt und funktioniert, wie er es geplant hatte.

Steve Jobs war einer der wenigen Menschen, der erkannt (und effektiv umgesetzt) hat, dass nicht wir Menschen uns immer wieder und immer mehr in komplizierte, moderne Technik einarbeiten und ihre Beherrschung studieren müssen, sondern dass moderne Technik schlicht unserer Intuition dienen und dabei einfach und schön sein kann. Wenn das Buch durch seine Anekdotenhaftigkeit und Detailfülle mitunter auch etwas schwer zu lesen sein kann, so hat mich diese Erkenntnis daraus doch außerordentlich berührt.

Ein würdiges, ungeschöntes, objektives und inspirierendes Gesamtbild eines großen, aber nicht unfehlbaren Künstlers.
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Kommentare

Von 8 Kunden verfolgt

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11-20 von 26 Diskussionsbeiträgen
Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.11.2011 00:11:23 GMT+01:00
[Von Amazon gelöscht am 17.10.2012 10:52:56 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.11.2011 02:44:29 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 05.11.2011 02:46:24 GMT+01:00
Borghold meint:
Man kann sicherlich geteilter Meinung ob der getätigten anderweitigen Meinungen sein. Klar. Nur sollte man bei aller gefühlten "weg-diskutierenden" Argumentation trotz allem nicht die Objektivität verlieren. Weil nämlich gerade NICHT wegdikutiert wird, was zweifellos kritikwürdig erscheint, sondern weil - zumindest in meinem Falle - wenigstens ansatzweise darauf hingewiesen wird, dass besagte Probleme nicht allein Apple betreffen, sondern wohl ein allgemein der Branche innewohnendes Problem darstellt. Daher: Bälle flach halten, sich informieren, belesen, etwas recherchieren. Dann stellen sich die - zunächst offenbar ausschließlich auf Apple bezogenen - mit Sicherheit diskutablen, respektive kritisierbaren Dinge in einem deutlich egalisierten Licht dar.
Man will nicht alles gut finden, was Apple macht, sicher nicht. Jedoch gilt selbige (berechtigte) Kritik nicht ausschließlich diesem einen Anbieter elektronischer Geräte. Eine zumindest versucht objektive Betrachtung in Form von Hinweisen auf vergleichbare Praktiken der Konkurrenz hat nämlich zunächst nichts mit "Schönreden" zu tun.
Die Kritik an z.B. besagten Produktionsweisen darf - wobei sicher berechtigt - wenigstens nicht auf diesen einen Anbieter allein heruntergebrochen werden. Immer mal drüber nachdenken, wo denn die ganzen anderen - im Endeffekt meist günstiger angebotenen - diesbezüglichen elektronischen Geräte und ihre Intarsien wohl gefertigt werden... Mal drüber schlafen...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.11.2011 21:48:27 GMT+01:00
Müslix meint:
Danke für den wirklich prima Kommentar F. Borchwin, denn er trifft den Kern. Ich hatte gar mal das "Vergnügen" die oben genannte Firma zu besuchen und die Fangnetze live zu sehen. Aber wer denkt keine Produkte von Apple zu beziehen und sich dann auf die Schultern zu klopfen belügt sich selbst. Ich wage sogar zu behaupten jeder der mehrere elektronische Geräte besitzt hat ein Bauteil dieser Firma. Lieber Sven, ab sofort zurück in die Steinzeit! Der Fehler ist vermutlich bei uns allen zu suchen, und hat vor länger Zeit begonnen. Billig billig billig, und geiz ist geil... Aber sicher nicht nur bei Steve Jobs und Apple... Denn die Geiz ist geil Mentalität hat weit mehr Produzenten zu dieser Firma und vielen vielen anderen die sogar weit schlimmeren sind getrieben. Sorry, aber alles andere ist Illusion. Und eigentlich sollte ja das Buch Kommentiert werden. Daher suche ich jetzt mal das wofür ich eigentlich hier bin... Alexander I. hat schonmal Interesse geweckt...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.11.2011 22:29:26 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 14.11.2011 13:24:36 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.11.2011 23:15:04 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 14.11.2011 13:24:27 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 16.11.2011 11:25:44 GMT+01:00
U. David meint:
Toller Kommentar, danke dafür werde mir das Buch natürlich auch kaufen....

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.11.2011 18:36:51 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.11.2011 18:52:00 GMT+01:00
A. Zanker meint:
Bei soviel Positivschreiberei, wundere ich mich dann doch gewaltig! Die kapitelfüllende langatmige und langweiligen Schilderungen, über Aktienmärke, Kündigungen und Anstellungen, das Abwerben von Mitarbeitern in Schlüsselpositionen, der Kampf um Lizenzen, die ganzen Machtkämpfe um Rollen und Verantwortlichkeiten und der damit verbundenen Einflussnahme auf Produktentwicklungen und die unglaublichen Geldmengen, die hier verwendet wurden haben mich über lange Strecken angestrengt und masslos gelangweilt. Eine Erfolgsgeschichte, die als "Nebenprodukt" eine Biographie verkauft, nein, ich kann dieser Rezension nicht zustimmen, die zwar gut geschrieben, aber aus meiner Leseerfahrung, dann doch zuviel "Schöngutschreiberei" ist. Wer sich von soviel Schönmalerei motivieren lässt, Jobs Biographie zu lesen, könnte enttäuscht werden, meine Erwartungen wurden leider nur teilweise gedeckt, bleibt die Frage offen, worauf denn der Erkenntisgewinn des Rezensenten liegt, meiner war nur gering, überhaupt ist dieses Buch viel zu lang geraten, man hätte dieses Buch auf gute 200 Seiten reduzieren können! Schade um die viele Zeit, die so manchen Belanglosen und Unbedeutetem hier gegeben wurde. Wie kann man nur so einer Biographie eine 5* Stern-Bewertung geben???

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.11.2011 01:35:25 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 23.11.2011 01:36:13 GMT+01:00
Borghold meint:
Nur, weil du (respektive Sie) den Inhalt gelegentlich als langweilig empfindest / empfinden, heißt das ja wohl nicht, dass selbige Erörterungen grundsätzlich völlig fehl am Platze sind. Für den einen oder anderen geneigten Probanden wird sicher vielleicht gerade diese Themenwahl interessant sein, versprochen. Auch wenn die Gefahr besteht, so manchen Leser gelegentlich zu langweilen. Ist ja auch nicht schlimm. Nur: nicht immer von sich selbst auf den gesamten Rest der Leserschaft schließen.
Die schon oft besprochene - diskutable - Übersetzung ist sicher bedauerlich, mehr als das. Das ewige Thema "Silizium - Silikon"... Furchtbar. Wirklich.
Aber wenn mir selbiges klar ist, eigentlich grundsätzlich nicht relevant, was dieses Buch angeht, oder? Nicht?
Allen, die mit diesem (berechtigterweise kritisierten) Manko nicht klarkommen, sei - bis zur nächsten Ausgabe, die hoffentlich selbige Fauxpasses eliminiert - die Original-Version dieses Buches ans Herz gelegt.

Beste Grüße...

Veröffentlicht am 24.11.2011 07:26:53 GMT+01:00
NoVine meint:
Eine sehr schöne, ausgewogene Rezension. Was mir besonders gefällt: Sie lassen den -eigentlich typisch deutschen- Zeigefinger unten. Sie schreiben statt dessen sachlich, aus Ihrer Sicht, was Ihnen gefällt und was nicht, Punkt. Der erhobene Zeigefinger wird Ihnen natürlich nachgereicht, in den weiteren Kommentaren - warum Sie nicht dies berücksichtigen, warum Sie nicht jenes berücksichtigen. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen. Sie haben einen schönen, fairen Stil, bitte behalten Sie den bei! :)

Veröffentlicht am 02.01.2012 13:31:45 GMT+01:00
cl.borries meint:
Ich habe das Buch jetzt gelesen und kann nur sagen: eine bessere Rezension zu dieser Jobs Biographie kann ich mir nicht vorstellen. Deshalb auch schreibe ich keine;-)

Beste Grüße und : Chapeau!

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