Kundenrezension

160 von 171 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neu übersetzt, 15. Oktober 2004
Rezension bezieht sich auf: Der Fänger im Roggen (Taschenbuch)
"The Catcher in the Rye" aus dem Jahr 1951 ist ein absolutes Kultbuch. Das hat nicht nur mit dem Buch selbst zu tun, sondern auch mit J. D. Salinger, der um seine Person ein grosses Geheimnis macht und folglich ein grosser Unbekannter ist. Auch ist sein Werk äusserst schmal. Der Fänger im Roggen war lange in der Übersetzung von Muelon/Böll (1954/62) bekannt, die auf einer entschärften englischen Fassung beruhte. Die Neuübersetzung von Eike Schönfeld beruht nun auf der rekonstruierten Originalfassung, die 1995 erschienen ist. Die beiden deutschen Übersetzungen unterscheiden sich wie Tag und Nacht. Die erste Übersetzung entschärfte das Original völlig und kommt in einem gepflegten Deutsch daher. Die Neuübersetzung ist viel authentischer, da der Text wortwörtlicher übersetzt ist und nicht der Versuch unternommen wird, die Umgangssprache in eine gehobene Schriftsprache zu übertragen. Zudem ist der Wortschatz viel moderner und deftige Worte werden nicht abgeschwächt, sondern behalten ihre Direktheit und Prägnanz. Durch die Neuübersetzung ist mir erst bewusst geworden, dass Holden Caulfield eigentlich ein nerviger Schwätzer ist. In der englischen Fassung kommt ständig die Füllfloskel "and all" vor, die Schönfeld mit "und so" übersetzt, während dessen Muelon/Böll diesen Begriff durchgehend gestrichen haben.
Der Ich-Erzähler Holden Caulfield, 17, ist gerade wieder mal von einer edlen Privatschule geflogen, da er dort absolut nichts gemacht hat, ausser aus jugendlichem Trotz zu rebellieren. Er verlässt das Internat schon ein paar Tage früher und hängt dann in New York herum, da seine Eltern nicht frühzeitig von seinem Abflug erfahren sollen. Er irrt ziellos herum und Einsamkeit breitet sich aus. Dabei trifft auf er verschiedenste uninteressante Menschen, die ihn nur nerven. Eigentlich will er nur seine Ruhe, um nachdenken zu können, auf der Suche nach dem ganz eigenen Ich. Dabei ist es unendlich schwierig, seine Rolle in dieser komplizierten Erwachsenenwelt zu definieren. Die Frage nach dem Sinn des Lebens drückt sich auch in der schönen Metapher aus, als Holden einen Taxifahrer fragt, wo die Enten im Central Park eigentlich überwintern, wenn der See zugefroren ist. Der Taxifahrer weiss auf diese "blöde" Frage keine Antwort. Schliesslich muss jeder selbst die Frage nach dem Sinn des Lebens beantworten. Aber da hat Holden ein Problem, so dass er schliesslich auf die Hilfe seiner kleinen und von ihm vergötterten Schwester Phoebe angewiesen ist, die ihn engelhaft auf den richtigen Pfad zurück bringt.
Salingers Buch hatte im Übrigen auch einen grossen Einfluss auf spätere Autoren. Christian Krachts "Faserland" ist eigentlich eine Variante des Fängers im Roggen. Auch Silvio Huonders "Übungsheft der Liebe" geht in eine ähnliche Richtung.
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Kommentare


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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 21.05.2011 14:31:25 GMT+02:00
Hanna Fischer meint:
Vielen Dank für die Rezension und besonders für den Hinweis auf die unterschiedlichen Übersetzungen! Trotzdem ein kleiner Hinweis: das "ß" existiert auch nach der Rechtschreibreform weiter -> man schreibt also noch immer: "groß", "äußerst", "außer", "weiß", "schließlich" etc.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.05.2011 09:01:20 GMT+02:00
zueribueb meint:
In der Schweiz ist das scharfes S schon lange abgeschafft und wird folglich auch an der Schule nicht mehr gelehrt. Diese (regional abweichende) Rechtschreibung akzeptiert auch der Duden.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.05.2011 22:14:04 GMT+02:00
Hanna Fischer meint:
Vollkommen richtig. Die Schweiz stellt einen Ausnahmefall im deutschsprachigen Raum dar -> ich hätte mir Ihren Nutzer-Namen genauer ansehen sollen.... Mea culpa und nichts für ungut!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.06.2011 10:08:39 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 08.06.2011 10:14:43 GMT+02:00
Zaphod meint:
Die Schweiz ist kein Ausnahmefall oder regional abweichend, sondern die Schweiz.
Schöne Grüße aus Deutschland
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